Kita-Betreuung Kleinkinder haben eine 38-Stunden-Woche

In Deutschland werden mehr als die Hälfte aller Kita-Kinder unter drei Jahren mindestens 35 Stunden pro Woche von Erziehern betreut. Damit ist die Zeit in den vergangenen zwei Jahren weiter gestiegen. Besonders in Bayern.

Von

Kinder in der Tagesbetreuung: Im Schnitt bleiben die Kinder in Deutschland einen kompletten Arbeitstag lang
Corbis

Kinder in der Tagesbetreuung: Im Schnitt bleiben die Kinder in Deutschland einen kompletten Arbeitstag lang


Wiesbaden - Kita-Kinder unter drei Jahren sind immer länger in der Tagesbetreuung. Ihr Aufenthalt dort ist inzwischen ungefähr so lang wie ein normaler Arbeitstag. Eltern in Deutschland hatten im März 2014 für die Kleinen durchschnittlich eine Betreuungszeit von 37,6 Wochenstunden in Kindertagesstätten vereinbart. Diese Zahlen gab das Statistische Bundesamt am Dienstag bekannt.

Demnach wurden für 56 Prozent der Kleinkinder mehr als 35 Stunden pro Woche vertraglich vereinbart. 28 Prozent bleiben für 25 bis 35 Stunden und 16 Prozent der unter Dreijährigen bleiben bis zu 25 Stunden.

Die Behörde erhebt die Betreuungszeiten seit 2012 - und seitdem verlängerte sich die durchschnittliche Zeit der Kleinkinder in der Kita um eine halbe Stunde, damals waren es 37,1 Stunden.

Schlusslicht Bayern holt auf

Nach Bundesländern betrachtet vereinbarten die Eltern die längste durchschnittliche Betreuungszeit im Saarland. Hier waren es über 45 Wochenstunden im Jahr 2014. Vor zwei Jahren waren es bereits 43,3. Am wenigsten Zeit verbringen Kleinkinder durchschnittlich in Bayern in der Kita: derzeit 31,5 Stunden pro Woche. Allerdings holt der Freistaat überdurchschnittlich auf - seit 2012 eine volle Stunde.

Zum Stichtag 1. März wurden laut Statistischem Bundesamt 661.965 Kinder unter drei Jahren betreut. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl um rund zehn Prozent zu. Schätzungen zufolge liegt die Betreuungsquote nun bei rund einem Drittel der Kinder in dieser Altersklasse.

Der schnelle Anstieg erklärt sich aus der neuen Gesetzeslage: Seit dem August des vergangenen Jahres gilt in Deutschland für Kinder ab einem Jahr ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Nach dem Ausbau rückt nun vermehrt die Qualität der Betreuung in den Mittelpunkt. Mehrere Studien rügten zuletzt vor allem die vergleichsweise große Zahl von Kindern, die eine Erzieherin im Schnitt betreut.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 125 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
irvington 16.09.2014
1. Der Kindergarten ist kein Büro
Ich finde die Überschrift und die implizierte Aussage des Artikels unmöglich. Es klingt so, als sei die Zeit im Kindergarten für die Kleinkinder in erster Linie eine Belastung, die sich mit der Arbeitszeit vergleichen ließe. Abgesehen davon, dass es absolut richtig ist, den oftmals unzureichenden Betreuungsschlüssel (also zu viele Kinder auf einen Erzieher) zu bemängeln, ist die Kita ein Ort, an dem den Kindern in der Regel sehr viel mehr geboten wird als zu Hause bei Mama. Kinder lernen im Kindergarten soziale Kompetenzen, die sie zu Hause kaum in derselben Art und Weise erwerben können. Sie knüpfen Kontakte zu Gleichaltrigen, sie spielen, machen Musik usw. usf. Natürlich sind 40 Stunden Betreuung für eine Einjährige nicht unbedingt optimal, aber bis 3 Jahre zu Hause zu sein ist für das Kind keinesfalls besser. Meine Tochter wird jetzt zwei und geht seit einem Jahr gern in den Kindergarten, wenn auch nur 30 Stunden die Woche.
KarlRad 16.09.2014
2. Harte Arbeitswoche?!
37 Stundenwoche? Hört sich an, als würden die Kleinkinder da arbeiten! Außerdem: Eine Erhöhung der Kitazeiten um 0,5h pro Woche in zwei Jahren halte ich für nicht erwähnenstwert. Und was soll die sehr verzerrte und verwirrende Aussage: jedes "zweite" Kind wird 37,5h pro Woche bereut.
lopinion 16.09.2014
3. Kleinkinder haben eine 38-Stunden-Woche...
Wunderbar. Bereits der Titel ist eine Steilvorlage für Reaktionen in reinster Polemik, vor allem da auch der Artikel lediglich statistische Zahlen präsentiert. Kommt, Ihr "Wo-soll-das-noch-hinführen"-Greiner und "diese-armen-Kinder"-Beschreier...
Nepheron 16.09.2014
4. Pro Kindergarten
Lieber 38 Stunden im Kindergarten als zuhause bei Mami (oder Papi). Im Kindergarten lernt ein Kind zu streiten, sich wieder zu vertragen, zu kommunizieren, gesund zu essen, sein Spielzeug zu teilen, mit Kindern mit verschiedenen sozialen und ethnischen Hintergründen klarzukommen usw...
paulvernica 16.09.2014
5. Traurige Entwicklung
Kinder unter 3 Jahren gehören nach Hause zu ihren Eltern und nicht in den Kindergarten. Kinder bis 3- 6 Jahre höchsten 4 - 6 Stunden in den Kindergarten. Möchten sie 8 Stunden am Tag Kindergebrüll um die Ohren haben - nein ? Die Kinder auch nicht, müssen sich aber den ganzen Tag das Gebrüll ihrer Mitkindergartenbesucher anhören. Achja , es gibt Ruhe und Schlafräume im Kindergarten ? Ich denke aber dass die meisten Kinder doch lieber zu Hause schlafen würden als in der doch fremden Kindergartenumgebung. Schade, dass Eltern aus finanziellen Gründen ihre Kinder in Einrichtungen abschieben müssen. Schlimm wenn Eltern aus Karrieregründen dies tun.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.