Bertelsmann-Studie Deutschlands Kitas fehlen 120.000 Erzieher

Es gibt zwar mehr Kita-Plätze in Deutschland, aber die Kinder werden nicht immer gleich gut betreut. Laut Bertelsmann-Studie müssten Zehntausende zusätzliche Erzieher eingestellt werden - die Kosten wären erheblich.

Kinder in der Kita Sankt Elisabeth in Essen: Ost-West-Gefälle
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Kinder in der Kita Sankt Elisabeth in Essen: Ost-West-Gefälle


Gütersloh - Nicht überall in Deutschland werden Kinder in den Kitas gleich gut betreut. Für eine hochwertige frühkindliche Bildung benötigen die Einrichtungen einer Analyse der Bertelsmann Stiftung zufolge 120.000 weitere Erzieherinnen und Erzieher. Die Studie stellt ein starkes West-Ost-Gefälle beim Personalschlüssel in den Kitas fest. Dieses gelte sowohl für die Kleinen unter drei Jahren als auch für die Kinder ab drei Jahren.

Die Zahlen im Einzelnen:

  • Während sich in Ostdeutschland rechnerisch ein Erzieher um 6,3 unter Dreijährige kümmern muss, kommen im Westen durchschnittlich 3,8 Kinder auf einen Erzieher.

  • In Bremen und Baden-Württemberg ist ein Erzieher durchschnittlich für drei Kinder zuständig, in Sachsen-Anhalt hingegen für mehr als sechs Kinder.

Ähnlich groß sehen die Unterschiede bei den über Dreijährigen aus:

  • Hier liegt der Personalschlüssel im Westen bei 1 zu 9,1 und im Osten bei 1 zu 12,7.

  • Vorzeigeländer sind erneut Bremen (1 zu 7,7) und Baden-Württemberg (1 zu 8). Am anderen Ende steht Mecklenburg-Vorpommern (1 zu 14,9). (Alle Zahlen für die einzelnen Bundesländer finden Sie hier.)

In der Praxis sei das Betreuungsverhältnis sogar noch ungünstiger, schreiben die Autoren der am Freitag veröffentlichten Studie. Tatsächlich könne ein Erzieher nur 75 Prozent seiner Zeit für die Kinder aufwenden - der Rest entfalle unter anderem auf Teamgespräche oder Fortbildungen. Damit betreue ein Erzieher im Osten also mindestens acht und im Westen fünf Krippenkinder.

Für eine kindgerechte und pädagogisch sinnvolle Betreuung fordert die Bertelsmann Stiftung, dass bei den unter Dreijährigen ein Erzieher für höchstens drei Kinder verantwortlich ist. Für die Altersgruppe ab drei Jahren sollte der Personalschlüssel nicht schlechter als 1 zu 7,5 sein. "Politik und Praxis sollten sich auf bundesweite kindgerechte Standards einigen, damit alle Kita-Kinder in Deutschland gute Bildungschancen haben", sagte Jörg Dräger vom Stiftungsvorstand. Es müsse bundesweit geltende Qualitätsstandards im Bundes-Kita-Gesetz geben.

Fünf Milliarden mehr für Personal

Um die Personalsituation dem geforderten Schlüssel anzupassen, müssten jährlich fünf Milliarden Euro mehr ausgegeben werden. Das wäre ein Anstieg um mehr als ein Drittel. Derzeit werden rund 14 Milliarden Euro im Jahr für Personal ausgegeben.

Seit 1. August 2013 haben Eltern von unter Dreijährigen einen Rechtsanspruch auf ein staatlich gefördertes Betreuungsangebot - entweder in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter. Es fehlen aber trotz Zuwachses vor allem im Westen in den vergangenen Jahren noch Plätze.

Zum 1. März 2014 stand für knapp 662.000 Kinder unter drei Jahren ein Platz zur Verfügung. Das waren 32,5 Prozent der Kleinkinder in diesem Alter. Ursprünglich sollte es bis Inkrafttreten des Rechtsanspruchs 750. 000 Betreuungsangebote geben.

heb/dpa

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insgesamt 132 Beiträge
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Seite 1
Goonie2 25.07.2014
1. Wieso keine Erzieher?
Wenn soviel Erzieherinnen schon fehlen, machte es doch Sinn, wenigstens in einem solchen Artikel mal auch Erzieher zu nennen. In jeder Stellenanzeige wäre dies verboten gewesen.
50penny 25.07.2014
2.
Warum Erzieherinnen und keine Erzieher?
rodelaax 25.07.2014
3. Das kommt dabei heraus ...
... wenn inkompetente Politiker Versprechungen machen und einen Schnurz daruf geben, welche Folgen ihre Entscheidungen haben. Dann kommt eine v.d. Leyen und fordert auch mal Langzeitarbeitslose zu Erziehern umzuschulen. Da freut sich z.B. der, seit Jahrzehnten als Anstreicher arbeitende Malermeister und auch die Eltern, der Kinder, für die er dann zuständig ist. Warum macht man Politiker eigentlich nicht, wenigstens für grobe Fehlentscheidungen haftbar?
wahrheitsgemäß 25.07.2014
4. Ca.50-80
Zitat von sysopDPAEs gibt zwar mehr Kita-Plätze in Deutschland, aber die Kinder werden nicht immer gleich gut betreut. Laut Bertelsmann-Studie müssten Zehntausende zusätzliche Erzieherinnen eingestellt werden - die Kosten wären erheblich. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kita-deutschland-fehlen-laut-bertelsmann-studie-120-000-erzieherinnen-a-982822.html
Millionen Euro für Polizeieinsätze bei Bundesliga Spielen pro Jahr da könnte man eine menge KITAS bauen und jede menge Erzieherinnen einstellen
Rido 25.07.2014
5.
Zitat von sysopDPAEs gibt zwar mehr Kita-Plätze in Deutschland, aber die Kinder werden nicht immer gleich gut betreut. Laut Bertelsmann-Studie müssten Zehntausende zusätzliche Erzieherinnen eingestellt werden - die Kosten wären erheblich. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kita-deutschland-fehlen-laut-bertelsmann-studie-120-000-erzieherinnen-a-982822.html
Vielleicht möchten ein paar mehr junge Leute ja ErzieherIn werden, wenn man sich anständig bezahlen würde.
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