Klaus Ernst Linken-Chef bereut Jubelbrief an Castro

"Es ist einfach ein Fehler passiert": Linken-Chef Klaus Ernst hadert mit dem umstrittenen Geburtstagsgruß an Fidel Castro. Der Inhalt hätte so nicht durchgehen dürfen, erklärte er in einem Interview.

Linke-Chefs Ernst, Lötzsch: Unterschrift vom Automaten
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Linke-Chefs Ernst, Lötzsch: Unterschrift vom Automaten


Berlin - Linksparteichef Klaus Ernst bedauert die Form des umstrittenen Glückwunschschreibens an den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro. "Es ist einfach ein Fehler passiert", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Grundsätzlich halte er die Gratulation zum 85. Geburtstag Castros für richtig, falsch gewesen sei der Stil.

"Es ist doch schon durchgesickert, dass der Text nicht über unseren Schreibtisch gegangen ist und im übrigen auch so nicht gegangen wäre", sagte er. Das Schreiben, das Castros "kampferfülltes Leben" würdigt, trage "digitale Unterschriften" von ihm und seiner Co-Vorsitzenden Gesine Lötzsch. So etwas werde sich nicht wiederholen. Die "Leipziger Volkszeitung" hatte zuvor berichtet, Mitarbeiter der Linken-Parteizentrale hätten das Schreiben verfasst und versandt. Es trug demnach die automatisierte Unterschrift der beiden Parteichefs.

Lötzsch hatte das Glückwunschschreiben am Montag gegen Kritik aus den eigenen Reihen und von anderen Parteien verteidigt. Gratulationsbriefe zum Geburtstag seien nicht dazu da, grundsätzliche Kritik zu üben, sagte Lötzsch. Sie betonte zugleich: "Natürlich kann man immer alles besser und schöner formulieren." Den Stil des Schreibens an Castro hatte auch Fraktionschef Gregor Gysi kritisiert. Darin waren auch die "Errungenschaften des sozialistischen Kuba mit seiner Beispielwirkung für so viele Völker der Welt" gewürdigt worden.

Ernst will sich am Riemen reißen

Ernst appellierte am Freitag kurz vor Beginn der Klausurtagung an seine Partei, mehr Gemeinsamkeit zu zeigen. "Alle müssen sich jetzt am Riemen reißen", forderte er. Dies gelte auch für die Vorsitzenden. Die Probleme der Linkspartei erklärte er mit Versäumnissen im Vereinigungsprozess der 2007 aus der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) und der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) hervorgegangenen Linken. "Wir haben uns zu wenig mit der Geschichte des jeweils anderen in unserer Partei beschäftigt", sagte er. Er schlage vor, dass dies auf einem Kongress nachgeholt werde. Die Bundestagsfraktion der Linken trifft sich am Freitag und Samstag in Rostock - auch der frühere Vorsitzende Oskar Lafontaine wird erwartet.

Der frühere Linken-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch forderte seine Partei auf, ihre Strategie zu überprüfen und sich gegebenenfalls neu zu positionieren. Die Querelen in der Partei müssten ein Ende haben, sagte der Bundestagsabgeordnete der "Berliner Zeitung". "Weitere Selbstbeschäftigung wäre unverantwortlich." Seine Partei habe zu wenig aus dem hervorragenden Ergebnis bei der Bundestagswahl gemacht. Eine Diskussion über die Parteichefs Ernst und Lötzsch lehnte Bartsch ab, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. "Wir befinden uns in Wahlkämpfen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Da verbietet sich jede Debatte über die Parteiführung.

ler/dpa/dapd



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ex rostocker 26.08.2011
1. Die Maske ist gefallen
Werter Herr "Genosse" Ernst, wieso bedauern Sie jetzt den unterthänigsten Glückwunsch an Fidel Castro? Schließlich hat die PDS/Linke-Vorsitzende Frau Genossin Lötzsch doch gerade angekündigt, die Partei sei auf dem Weg zum Kommunismus. Da ist der Jubelbrief an Castro doch nur konsequent. Übrigens, Muammar al Gaddhafi hatte am 7.6. Geburtstag. Welchen Glückwunsch hat Ihre Partei denn diesem Genossen geschickt?
makrizi 26.08.2011
2. Lieber Klaus...
Zitat von sysop"Es ist einfach ein Fehler passiert": Linken-Chef Klaus Ernst hadert mit dem umstrittenen Geburtstagsbrief an Fidel Castro. Der Inhalt hätte so nicht durchgehen dürfen, erklärte er in einem Interview. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,782518,00.html
Dürfen, Hätte, Anette....Das zeigt uns wiedereinmal, das die SED ääähhh die Linke alles andere als Demokratisch ist. Lieber Klaus! hätten Sie die selbe Erklärung abgegeben, wenn dieser Brief nicht bekannt geworden wäre ? Euere Heuchlerei und billigen Populismus haben wir Satt.
der_Pixelschubser 26.08.2011
3. Verantwortungsgefühl?
"Es ist einfach ein Fehler passiert." Einfach passiert? Nein, lieber Klaus Ernst, Fehler *passieren* nicht einfach, sie werden *begangen*! Das ist nicht nur ein terminologischer Unterschied, sondern auch ein inhaltlicher. Für Fehler, die "passieren" verweigert man jede Verantwortung. Wenn man Fehler "begeht", nimmt man die Verantwortung auf sich und zeigt seinen Wählern, dass sie einem weiter vertrauen dürfen. Reue? Auch hiervon keine Spur - abgesehen von der Überschrift. Gesagt hat er davon nichts. Er "bedauert" das Ganze - aber man bedauert ja auch den Urlauber, der schlechtes Wetter hat. Kann man aber nichts für. Auch hier gilt: Wer bereut, übernimmt Verantwortung, wer bedauert, tut das nicht. Prinz Klaus wäre gut beraten gewesen, die Verantwortung zu buckeln - das hätten ihm sogar die Gegner entsprechend angerechnet. Aber nein, er fällt wieder zurück in alte Verhaltensweisen und schiebt alle Last von sich - lebt sich ja auch einfacher so. Das Gesagte gilt im Übrigen genauso für Gesine Lötzsch. Ich bin gespannt, wer von den Mitarbeitern nun für diese Aktion den Kopf hinhalten darf.
Hubert Rudnick, 26.08.2011
4. Vorher überlegen
Zitat von sysop"Es ist einfach ein Fehler passiert": Linken-Chef Klaus Ernst hadert mit dem umstrittenen Geburtstagsbrief an Fidel Castro. Der Inhalt hätte so nicht durchgehen dürfen, erklärte er in einem Interview. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,782518,00.html
Imgrunde hätte man sich diesen Schritt voher überlegen sollen und nicht danach als die Entrüstung vieler einem um die Ohren flog. Aber diese Aufregung von vielen Bürgern ist auch nur der Sturm im Wasserglas gewesen, denn wem hatten denn nicht die Regierungen und Parteien alles schon Glückwünsche geschickt, obwohl sie es wissen müssten, dass sehr viel von der Empfängern nicht gerade Demokraten waren.
naivi 26.08.2011
5. Nachdenken
Zitat von sysop"Es ist einfach ein Fehler passiert": Linken-Chef Klaus Ernst hadert mit dem umstrittenen Geburtstagsbrief an Fidel Castro. Der Inhalt hätte so nicht durchgehen dürfen, erklärte er in einem Interview. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,782518,00.html
10% der deutschen Wähler sind der gleichen Meinung und weitere ca. 45% sympathisieren damit. Da sollte man schon langsam nachdenklich werden.
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