Ehemaliger Bundesaußenminister Klaus Kinkel ist tot

Der ehemalige FDP-Vorsitzende und Bundesaußenminister Klaus Kinkel ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Kinkel legte Wert darauf, kein typischer Politiker zu sein. Er war bekannt für seine aufrechte, manchmal raue Art.


Der frühere Bundesaußenminister und FDP-Vorsitzende Klaus Kinkel ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren. FDP-Chef Christian Lindner würdigte ihn auf Twitter als "aufrechten und bescheidenen Mann mit Charakter". Kinkel war von 1992 bis 1998 Bundesaußenminister und zwischen 1993 und 1995 FDP-Vorsitzender.

Fotostrecke

12  Bilder
Klaus Kinkel: Genschers "politischer Ziehsohn" ist tot

Bevor er Minister wurde, gehörte Kinkel bereits lange Zeit zu den Spitzenbeamten der Republik. Den Regierungsapparat kannte er wie kaum jemand sonst. Trotzdem legte er großen Wert darauf, kein typischer Berufspolitiker zu sein. Auf Kritik an seinem Stil entgegnete er: "Ich habe nie verborgen, dass ich eine offene und manchmal auch schwäbisch-rabauzige Art habe."

Seine Karriere war aufs Engste mit der von Genscher verknüpft

Eigentlich wollte Kinkel - geboren 1936 in Metzingen, in der schwäbischen Provinz - Arzt werden. Genau wie der Vater. Nach den ersten beiden Semestern an der Universität wechselte er aber zur Juristerei. 1964 machte er seinen Doktor, ging zum Staat, ins "Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz", wie das damals hieß, einer Unterbehörde des Innenministeriums. 1970 wurde er vom seinerzeitigen Ressortchef Hans-Dietrich Genscher (FDP) entdeckt.

Die nächsten Jahre war seine Karriere aufs Engste mit Genscher verknüpft. Der Innenminister machte ihn zum persönlichen Referenten und Büroleiter. Zu Kinkels heikelsten Aufgaben gehörte es, dem SPD-Kanzler Willy Brandt ein Dossier zu übergeben, das die Nachrichtendienste über dessen Privatleben angelegt hatten. Der Inhalt trug 1974 dazu bei, dass Brandt seinen Rücktritt einreichte.

Kurz darauf wechselte Kinkel zusammen mit Genscher ins Auswärtige Amt, zunächst als Chef des Leitungs-, dann des Planungsstabs. Über die Jahre wurde er, was die beiden FDP-Aufsteiger Guido Westerwelle und Jürgen Möllemann bei allen Ambitionen nie schafften: Genschers "politischer Ziehsohn". Trotzdem blieben Kinkel und Genscher bis zum Schluss beim Sie.

1979 sorgte Genscher dafür, dass Kinkel als erster Zivilist Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) wurde. Fast vier Jahre lang leitete er den Geheimdienst ohne größere Skandale.

In seine Amtszeit fiel das Massaker an 8000 Bosniern in Srebrenica

1990 wurde er in das Kabinett von Helmut Kohl berufen, zunächst als Justizminister. 1992 beerbte er schließlich Genscher im Auswärtigen Amt. Er führte es bis 1998. Es waren die Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, die Jahre vor dem 11. September. Später sagte er einmal: "Die Welt war damals nicht in Ordnung. Aber sie schien es zu sein." In seine Amtsjahre fielen zum Beispiel der Völkermord in Ruanda und das Massaker an 8000 Bosniern in Srebrenica.

Zwei Jahre lang stand Kinkel auch an der Spitze der FDP, zwischen 1993 und 1995. Nach einer Serie von Wahlniederlagen ließ er es nach einer einzigen Amtszeit aber sein.

Nach der Abwahl von Schwarz-Gelb saß er noch bis 2002 im Bundestag. Später arbeitete er als Anwalt. Ein paar Jahre lang war Kinkel auch Vorsitzender der Stiftung der Deutschen Telekom. Bis ins hohe Alter spielte er Tennis, ging laufen oder fuhr Ski. Zuletzt lebte er in Sankt Augustin bei Bonn.

höh/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.