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Bürgermeisterwechsel in Berlin: Tschüs, Wowi

Von und

DPA

13 Jahre regierte Klaus Wowereit Berlin. An diesem Donnerstag tritt der Sozialdemokrat ab. Für die Hauptstadt eine Zäsur - aber auch für ihn. Rückblick auf einen sehr speziellen Politiker.

Berlin - Klaus Wowereit hat viele Fans, aber nirgends feiern sie ihn wie hier. Ein Abend im Dezember, der Regierende Bürgermeister ist ins Schwule Museum von Berlin gekommen. Er soll eine Ausstellung über sich selbst eröffnen, es gibt Sekt und Musik, der Ehrengast bestaunt die Exponate. Der Kurator flötet: "Sie sind eine schwule Ikone." Wowereit schmunzelt.

Wowereit weiß, dass es in diesen Tagen um sein Vermächtnis geht, da sind solche Sätze natürlich ganz hilfreich. Groß, größer, Wowereit. So sieht er es selbst ja auch ein bisschen. 13 Jahre regierte der SPD-Politiker die Hauptstadt. Er fiel, stand wieder auf, fiel, stand wieder auf - und nebenbei entwickelte sich Berlin zu einer der attraktivsten Städte Europas. An diesem Donnerstag ist Schluss. Wowereit tritt ab, mit 61 Jahren.

Eine Zäsur für Berlin, zweifellos. Und für ihn selbst. "In der Übergangsphase wird es mir nicht anders gehen wie anderen, die in Rente gehen", sagte Wowereit gerade im "B.Z".-Interview. "Da kann man schon mal in ein Loch fallen. Aber aus dem muss man sich dann auch wieder rausarbeiten." Wie gesagt, es wäre nicht das erste Loch, aus dem er sich herausarbeitet.

Keiner amtierte in Berlin länger am Stück als Wowereit

Wowereit hat Politik gemacht, seit er ein Junge im piefigen Westberliner Lichtenrade war, er hat sich herangeschlichen an die Macht und sie lange nicht mehr hergegeben: Noch kein Regierender, wie man in Berlin den Rathauschef nennt, amtierte länger am Stück als Wowereit.

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Wowereits Karriere in Bildern: Ein ungewöhnlicher Politiker tritt ab
Aber was bleibt von ihm? Außer einigen lässigen Sprüchen, wie der Berlin-Kenner Michael Sontheimer gerade in der "taz" schrieb? Und vielleicht noch seinen ständigen Sparbemühungen?

Wowereit war kein gewöhnlicher Politiker - er kümmerte sich auch um die kleineren, lokalen Fragen. Besuchte Schulen, eröffnete Altersheime, verlieh Orden. Zu Anfang seiner Karriere war er Finanzpolitiker, seine Pedanterie ist legendär, manchmal verbiss sich der Jurist Wowereit in Details. Aber sein Image bekam rasch eine andere Prägung: Wowereit war der Regierungschef, der aus einem Stöckelschuh Sekt trank. Der oberste Rote-Teppich-Sozi, der Party-Bürgermeister. Und mit seinem Outing-Satz "Ich bin schwul - und das ist gut so" wurde er zur Schwulenikone.

Aber es war für Wowereit nicht leicht zu Beginn. Als er zum ersten Mal mit seinem Partner Jörn Kubicki zu dessen Eltern aufs Land gefahren sei, habe er eine gewisse Reserviertheit im Dorf feststellen können, erzählt er bei seinem Besuch im Schwulen Museum. "Heute spielt da auch schon mal die Blaskapelle, wenn ich komme."

Wowereit war irgendwann eine Marke und Berlin seine Plattform. Politik als Kunst. Er machte die Stadt immer internationaler. Die Alltagsprobleme schienen irgendwann an ihm abzuperlen: Die S-Bahn fährt nicht? Die Baustellen nerven? Die Hundescheiße auf den Bürgersteigen? Wählt doch jemanden anders, war seine Haltung.

Wowereit und Berlin - eine Art Hassliebe

Für den Bürger kann eine solche Attitüde anstrengend sein. Es gibt ja einen Trend zum geräuschlosen Regieren. Den Deutschen rund um Berlin gefällt das, sie wollen möglichst in Ruhe gelassen werden, Hauptsache alles klappt irgendwie. Das Prinzip Angela Merkel. Und so schien Wowereit regelmäßig vor der Abwahl zu stehen - um am Ende doch wieder zu triumphieren. Seine letzte Gegenspielerin Renate Künast von den Grünen kann davon ein trauriges Liedchen singen. Wowi und seine Berliner, eine Art Hassliebe.

Außerhalb der Hauptstadt hätte das Prinzip Wowi wohl nicht funktioniert. Und deshalb war Wowereit auch nie ein ernsthafter Anwärter auf die Kanzlerkandidatur. SPD-Vize, mehr ging in der Partei nicht.

Politik, das war für ihn immer auch Kampf. Um Wähler, aber manchmal eben auch gegen Wähler. Er liebte die Polarisierung. Schimpfte auf die Union, nur um nachher mit ihr zu koalieren. So wie er zuvor mit der Linken und kurzzeitig mit den Grünen koaliert hatte. Wowi konnte mit allen. Aber manchmal wusste man bei ihm nicht mehr, was er nun ernst meint und wo seine Linie liegt.

"Seine Wurstigkeit ist am Ende doch noch zum Problem geworden. Denn das Debakel um den geplanten Berliner Großflughafen BER wurde auch zu Wowereits Desaster. Wie viel Verantwortung er nun wirklich dafür trägt - seine Partei nahm ihn wegen seiner BER-Rolle zunehmend als Belastung wahr. Das hat Wowereit im Sommer gemerkt und gerade noch so den Abgang aus eigenen Stücken geschafft. Am Donnerstagmorgen wird er noch einmal im Abgeordnetenhaus auf der Regierungsbank sitzen, dann wählen die Parlamentarier Michael Müller zu Wowereits Nachfolger.

Zumindest im Schwulen Museum mag man noch nicht daran denken, dass Wowereit bald nicht mehr im Amt ist. Sein Auftritt ist beendet, es gibt noch mal Musik. Carmen Underwater, eine lokale Sängerin, setzt sich ans Keyboard. "Stay" heißt ihr Song. "Das könnte man gewissermaßen übersetzen mit: Ach, bleib doch", sagt der Kurator in Richtung Wowereit.

Zu spät.

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1. Abgang in Schande
kraterpater 11.12.2014
Gratulation, Herr Wowereit. Mit dem Hauptstadtflughafen haben Sie sich Ihr eigenes Schandmal geschaffen. Hoffentlich werden Ihnen die Menschen dies so schnell nicht vergessen. Aber es warten bestimmt schon lukrative Aufträge aus der Privatwirtschaft auf Sie. Und wenn das nicht klappt können Sie immer noch über die Dörfer tingeln und Vorträge für 5-stellige Beträge halten.
2. Gut das es ihn gegeben hat - gut das er abgetreten ist!
Wassup 11.12.2014
Auf seinem Grabstein wird mal stehen: "Seine Partys waren cool"
3. Politiker?
gesell7890 11.12.2014
Das ist ein bißchen übertrieben. Schwätzer und Geld-anderer-Leute-Verbrenner, das kommt hin.
4. Danke für Nichts
till2010 11.12.2014
Ja er ist weg, UND DAS IST AUCH GUT SO. Schade das der ewige Karneval unter seiner Prinzregentschaft jetzt beendet ist, aber nach jeder wilden, exzessiven Party und unvorstellbaren Verwüstung gibt es wieder einen Neuanfang. Jetzt kann der Stillstand in der Stadtentwicklung und das Chaos beendet werden. Der Nachfolger muß auch keine Angst vor dem Erbe Wowereits haben, denn die Meßlatte hat dieser so niedrig angesetzt, daß man nicht einmal den Fuß heben muß um drüber zu steigen.
5. Wie bitte?
mesteiner 11.12.2014
Für die Hauptstadt eine Zäsur? Ich lese wohl nicht richtig. Dieser Rücktritt war seit Jahren überfällig. Ich habe noch nie einen Politker erlebt, der sich mit so schlechter Leistung so lange an der Spitze halten konnte (und das will etwas heißen, denn wir haben viele schlechte Politiker). Sorry, aber der gute Wowereit hat zu sehr auf Zuschüsse vom Bund und die Milliarden aus dem Länderfinanzausgleich geschielt, und es an Perspektiven für diesen Stadtstaat (der sich endlich mit Brandenburg zusammenschließen sollte) vermissen lassen.
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