Klimagipfel Aktivisten stoppen Zug der deutschen Delegation

Demonstranten haben den deutschen Sonderzug zum Klimagipfel nach Paris gestoppt. In Frankfurt ließen sich Aktivisten mit Seilen auf das Dach des ICE herab. Im Zug befand sich auch Umweltministerin Hendricks.

Festnahme auf ICE-Dach: Klimaaktivisten in Frankfurt
DPA

Festnahme auf ICE-Dach: Klimaaktivisten in Frankfurt


Während eines planmäßigen Stopps im Frankfurter Hauptbahnhof haben Klimaaktivisten den Sonderzug der deutschen Delegation zum Klimagipfel in Paris aufgehalten. Am Samstag ließen sich drei Aktivisten unter Lebensgefahr von einer Wartungsbrücke mit Seilen auf das Dach des ICE herab. Polizisten und Bahn-Mitarbeiter, die auf dem Bahnsteig standen, riefen ihnen zu: "Passt auf die Leitungen auf, da ist Strom drauf!" Die Bahn schaltete den Strom der Leitungen ab. Zwei weitere Aktivisten ketteten sich vor dem Zug an den Gleisen fest.

Die jungen Aktivisten rollten ein Transparent aus, auf dem stand: "Klimaschutz statt Scheingipfel". Vom Dach des Zuges verlasen die linken Protestler eine vorbereitete Erklärung: Die Teilnehmer des Klimagipfels seien "nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems". Umweltministerin Barbara Hendricks versuchte, die Demonstranten auf dem Zug zum Einlenken zu bewegen. Etwa eine Stunde nach Beginn der Aktion kletterten Polizisten auf den Zug, um die Kapitalismuskritiker vom Dach herunterzuholen. Die Feuerwehr baute neben dem Zug ein Sprungkissen auf.

Wie lange sich die Weiterfahrt der deutschen Delegation verzögern würde, war zunächst unklar. Der deutsche Klima-Sonderzug sollte ursprünglich am frühen Samstagabend in Paris eintreffen. Auch die Grünen-Vorsitzende Simone Peter und Bahn-Vorstand Ronald Pofalla waren auf der Reise nach Paris mit dabei, außerdem NGO-, Kirchen-, Wirtschafts- und Medienvertreter.

Der Vorfall ist für die Bahn mehr als unangenehm. Sie wird sich fragen lassen müssen, wie es möglich ist, dass sich in Zeiten anhaltender Terrorgefahren auf einem der zentralen Bahnhöfe Deutschlands Aktivisten ungehindert auf einen Sonderzug abseilen können. Pofalla wollte die Sicherheitslücke nicht kommentieren: "Wir werden die Sache in alle Ruhe überprüfen."

Vor der Abfahrt hatten führende Grünen-Politiker Hendricks aufgefordert, sich für einen schnelleren Ausstieg aus der Kohleverstromung einzusetzen, die für einen großen Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Pofalla erklärte, die Deutsche Bahn werde bald beschließen, in Zukunft noch mehr Energie aus erneuerbaren Quellen zu verwenden. Die Zugfahrt der Delegation ist Teil der Kampagne "Train to Paris" des Internationalen Eisenbahnverbandes. Auch aus anderen Städten fahren Klima-Sonderzüge nach Paris.

Von Montag an sollen Delegierte aus 195 Ländern in zwei Plenarsälen über ein Abkommen zum Klimaschutz verhandeln.

kn/cpa/dpa



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