Knappe Entscheidung Streit um Stammzellen-Forschung spaltet CDU-Parteitag

Heikles Thema, kontroverse Debatte, knappe Entscheidung: Beim CDU-Bundesparteitag in Hannover hat sich die Mehrheit dazu durchgerungen, weiterhin die Forschung mit embryonalen Stammzellen in Ausnahmefällen zuzulassen.


Hannover - Beim CDU-Parteitag in Hannover setzte sich die Parteiführung knapp mit ihrer Haltung zur Forschung an embryonalen Stammzellen durch. Nach heftiger Debatte und schriftlicher Auszählung stimmten am Montagabend letztlich 323 Delegierte für die weniger strenge Position der Antragskommission, 301 votierten dagegen, zehn enthielten sich der Stimme. Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Bundesbildungsministerin Annette Schavan hatten zuvor persönlich für die Formulierung geworben, die in Ausnahmefällen eine Forschung an embryonalen Stammzellen weiterhin ermöglichen soll. Der spektakuläre Erfolg von Stammzellforschern aus den USA und Japan hatte die Debatte um Änderungen an den strengen deutschen Gesetzen neu belebt.

Mehrere Delegierte hatten einen Initiativantrag in Hannover vorgelegt, in dem von der Unionsfraktion im Bundestag verlangt wurde, "sich weiterhin entschieden einer Ausweitung des Importes menschlicher embryonaler Stammzellen" entgegenzustellen. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die strikte Stichtagsregelung zum Verbrauch importierter, embryonaler Stammzellen in Deutschland aufgeweicht werden könnte. Die Antragskommission hatte hingegen eine deutlich schwächere Formulierung gewählt, wonach die Unionsfraktion dafür sorgen solle, "dass von Deutschland kein Anreiz für eine verbrauchende Embryonenforschung ausgehen darf".

Merkel hatte vor den Delegierten nachdrücklich für die Version der Antragskommission geworben. Sie verwies darauf, dass auch viele Wissenschaftler forderten, die Forschung zu ermöglichen. Sie selbst habe sich nach reiflicher Überlegung daher der Position von Schavan angeschlossen. Die Ministerin hatte zuvor ausgeführt, dass ein Durchbruch bei adulten Stammzellen nur möglich sei, wenn zuvor an embryonalen Stammzellen geforscht werden könne. Dies hätten ihr Wissenschaftler, darunter auch überzeugte Christen, berichtet. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass es Wissenschaftlern aus den USA und Japan erstmals gelungen war, Stammzellen aus menschlichen Hautzellen zu gewinnen.

reh/AFP/dpa/Reuters



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