Von Philipp Wittrock
Berlin - Horst Seehofer kann sich selten einen Kommentar verkneifen, wenn er an Journalisten vorbeikommt. "The work is done", ruft der CSU-Chef den Reportern in süddeutsch gefärbtem Englisch zu, als er am Donnerstagabend nach Ende des Koalitionsgipfels aus dem Berliner Kanzleramt schlendert. Dann grinst er und wechselt wieder in die vertraute Mundart: "Passt scho'!".
Die gute Laune des Ministerpräsidenten mag vor allem damit zu tun haben, dass sich die Spitzen der schwarz-gelben Koalition nicht wie sonst den heiligen Sonntag und die anschließende Nacht um die Ohren geschlagen haben. Ganze zwei Stunden am späten Donnerstagnachmittag hat man diesmal unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) getagt. Die Ergebnisse des Treffens aber können es weniger sein, die Seehofer so zufrieden stimmten - denn die sind mau. Obwohl die Zeit drängt, um vor der Wahl noch Gesetze auf den Weg zu bringen, haben Union und FDP die strittigen Fragen zu Rente und Energie einmal mehr vertagt.
Damit kam es, wie es sich angedeutet hatte. Schließlich hatten selbst Teilnehmer der Runde im Vorfeld mit den Schultern gezuckt, als sie nach dem Sinn der Zusammenkunft gefragt wurden. Immerhin, einen Beschluss, bei dem man fest davon ausgehen kann, dass er am Ende umgesetzt wird, konnten die drei Generalsekretäre Hermann Gröhe (CDU), Alexander Dobrindt (CSU) und Patrick Döring (FDP) am Abend verkünden: den Termin für die Bundestagswahl. Wie erwartet wollen auch Union und FDP die Deutschen am 22. September zur Urne rufen. Der Bundespräsident wird dem wohl seinen Segen geben. Damit setze die Koalition ihren Scheidungstermin fest, spottete die SPD schon vor dem Koalitionsausschuss. Das Regieren aber habe Schwarz-Gelb schon aufgegeben.
Diesen Vorwurf weist man in der Koalition naturgemäß weit von sich. Es gebe noch viel zu tun, versicherte CDU-General Gröhe. Und sein Amtskollege Döring von der FDP betonte mit Blick auf mögliche noch anstehende Entscheidungen zur Energiewende mit einem Schuss unfreiwilliger Komik: "Wir wollen an dieser Stelle weiterregieren." Wie, das blieb am Donnerstag offen.
So sieht der schwarz-gelbe Fahrplan für die nächsten Wochen aus:
Der letzte Punkt zeigt: Ein kleines bisschen geht also doch. Dass es nicht mehr ist, das begründet man in der Koalition seit der Schlappe in Niedersachsen gern mit dem Bundesrat. Dort kann Rot-Grün alle Pläne der Koalition verhindern. Schwarz-Gelb aber will in der Länderkammer nicht wiederholt gegen die Wand rennen - aus Sorge, vom Wähler als handlungsunfähig wahrgenommen zu werden. Also wolle man sich genau überlegen, von welchen Plänen man auch die SPD- oder grün-regierten Länder noch überzeugen kann, heißt es.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich Union und FDP in vielen noch offenen Fragen schlicht nicht einig werden. Die drohende Blockade im Bundesrat taugt da schon mal als willkommene Ausrede. Dennoch wollen Angela Merkel und Co. im Wahljahr dem Anschein von Untätigkeit entgegentreten. So soll der Koalitionsausschuss von nun an am Vorabend jeder Bundesratssitzung in Berlin zusammenkommen. Bis zur Sommerpause bedeutet das noch fünf Treffen im Monatsrhythmus, das nächste am 28. Februar.
Diese Frequenz ist bemerkenswert. Schließlich waren die Spitzenrunden unter Schwarz-Gelb entgegen der Vereinbarung im Koalitionsvertrag nur noch sporadisch einberufen worden - was viel über das Klima im Bündnis aussagte. Der letzte Koalitionsausschuss ist drei Monate her, davor gab es eine noch längere Pause.
Nun aber, acht Monate vor der Wahl, wird plötzlich koalitionäre Betriebsamkeit simuliert. Warum jetzt? Diese Frage beantwortete CSU-Generalsekretär Dobrindt vielsagend: "Wir stellen jetzt gerade fest, wie schön das sein kann."
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