Koalitionskrise Das sind die acht grünen Abweichler

Es sind acht bundesweit mehrheitlich unbekannte Grünen-Abgeordnete gewesen, die die rot-grüne Koalition in ihre tiefste Krise gestürzt haben. Sie hatten am vergangenen Wochenende erklärt, die Bereitstellung von Bundeswehr-Soldaten im Afghanistan-Konflikt definitiv abzulehnen. Der Krieg gegen Afghanistan sei politisch falsch, hieß es in dem Positionspapier. Die meisten der Abweichler haben bereits durch Ablehnung früherer Bundeswehr-Einsatz im Ausland von sich reden gemacht. Diese Abgeordnete haben das Positionspapier unterzeichnet:


Annelie Buntenbach:

Die 46-jährige Setzerin aus Bielefeld hat sich - wie andere in der Abweichler-Gruppe - bereits prominent gegen den Einsatz der Bundeswehr auf dem Balkan engagiert. Seit 1982 ist sie Mitglied der Grünen, im Bundestag sitzt sie seit 1994. Ihr Schwerpunkt im Bundestag ist die Sozialpolitik.

Windfried Hermann: Für das "Schwäbische Tagblatt" aus Tübingen - dort hat Hermann sein Wahlkreisbüro - ist der 49-Jährige wegen seines Engagements bereits zur "Symbolfigur der Kriegsgegner" geworden. Der frühere Kriegsdienstverweigerer war von 1992 bis 1997 Grünen-Chef in Baden-Württemberg und 1984 bis 1988 Mitglied des Stuttgarter Landtags. Im Bundestag sitzt der Lehrer seit 1998. Er ist Vizevorsitzender des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Monika Knoche: Die 47-jährige Verwaltungsangestellte war von 1985 bis 1995 Kommunalpolitikerin, Mitglied des Bundestages für die Grünen ist sie seit 1994. Ihr Wahlkreisbüro hat sie in Karlsruhe. 1998 hatte sie sich vergeblich Hoffnungen gemacht, Bundesgesundheitsministerin zu werden.

Steffi Lemke: Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion begrüßt Besucher auf ihrer Homepage mit dem Tucholsky-Zitat: "Jubel über militärische Schauspiele ist eine Reklame für den nächsten Krieg." Die 33 Jahre alte Dessauerin kam bereits 1994 in den Bundestag. Die Diplomagraringenieurin arbeitet vor allem in der Landwirtschafts- und Verbraucherpolitik. Zuvor war sie unter anderem zur Zootechnikerin ausgebildet worden und hatte zwei Jahre als Briefträgerin gearbeitet.

Irmingard Schewe-Gerigk: Sie ist die frauen- und familienpolitische Sprecherin der Fraktion. Die 53 Jahre alte Journalistin und frühere Regierungsangestellte in Nordrhein-Westfalen hat ihr Wahlkreisbüro in Herdecke. 1976 trat sie zunächst in die FDP ein, die sie 1982 wieder verließ. Seit 1986 ist sie Mitglied der Grünen. Im Bundestag sitzt sie seit 1994.

Christian Simmert: Über den 28-Jährigen schreibt "grün&bündig", die Zeitung der Fraktion, er habe seinen Beitritt zu den Grünen in der Kneipe auf einem Bierdeckel unterschrieben: "aus Trotz und spontaner Solidarität". An diesem Tag, kurz vor Simmerts 18. Geburtstag, flog die Partei bei der Bundestagswahl 1990 aus dem Parlament. Der Werbeassistent hat sein Wahlkreisbüro in Warendorf. Mitglied des Bundestages ist er seit 1998 und hat sich schnell einen Namen als Jugendpolitiker gemacht.

Hans-Christian Ströbele: Er ist der bekannteste Abgeordnete der Abweichler-Gruppe. Der heute 62-jährige Anwalt in Berlin ist seit 30 Jahren Verteidiger in politischen Strafverfahren. In den siebziger Jahren machte er besonders als Anwalt von RAF-Terroristen von sich reden. Von 1970 bis 1974 war Ströbele Mitglied in der SPD. Später wirkte er bei der Gründung der Berliner Alternativen Liste, die dann zum Landesverband der Grünen wurde, mit. Zeitweise war er Vorsitzender der Bundespartei. Ströbele leistete seinen Wehrdienst bei der Luftwaffe. Von 1985 bis 1987 saß er bereits im Bundestag, seit 1998 ist er wieder im Parlament. Er spielt eine wesentliche Rolle im Parteispenden-Untersuchungsausschuss.

Sylvia Voß: Die 47 Jahre alte Ärztin aus Brandenburg hat bereits in der DDR mit Naturschutzarbeit begonnen. Den Grünen gehört sie seit 1993 an. Im Bundestag sitzt sie seit 1998.



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