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Koalitionskrise in Bayern Seehofer verteidigt gekaufte Studien

Bayerns Ministerpräsident Seehofer: "Was in der Staatskanzlei geschieht, verantworte ich"Zur Großansicht
dpa

Bayerns Ministerpräsident Seehofer: "Was in der Staatskanzlei geschieht, verantworte ich"

Der Bündnispartner FDP ist verärgert, die Opposition spricht von Rücktritt: Bayerns Ministerpräsident Seehofer ist unter Druck, weil seine Staatskanzlei mit Steuergeld umstrittene Umfragen bezahlt hat. Nun prüft auch noch der Bundestag, ob die CSU gegen das Parteiengesetz verstoßen hat.

München - "Vertrauen auf Bayern!", so lautete das Motto des CSU-Parteitags im Juni. Zuversichtlich zeigte man sich in den vergangenen Monaten in der schwarz-gelben Koalition im Freistaat. Die Zusammenarbeit laufe gut, betonte Ministerpräsident Horst Seehofer gerne. Doch nun gerät er immer stärker in Erklärungsnot - wegen parteipolitisch motivierter Umfragen der Staatskanzlei. Der Bündnispartner FDP ist verärgert und fordert schnelle Aufklärung. Und die Bundestagsverwaltung prüft nun, ob die CSU gegen das Parteiengesetz verstoßen hat. Man gehe den Hinweisen nach, sagte ein Sprecher der Bundestagsverwaltung.

Doch anstatt sich zu distanzieren, erklärt Parteichef Horst Seehofer: "Was in der Staatskanzlei geschieht, verantworte ich." Es seien "keine Fehler" gemacht worden.

In dieser Woche ist herausgekommen, dass die Staatskanzlei in den vergangenen Jahren Meinungsumfragen in Auftrag gegeben hat, in denen unter anderem auch die Wahlaussichten der CSU analysiert wurden. Eine Vermischung von Partei und Staat. Das Hamburger Meinungsforschungsinstitut GMS analysierte, dass die absolute Mehrheit in Bayern für die CSU höchstens mittelfristig erreichbar sei. GMS empfahl Auseinandersetzungen mit SPD, Grünen und eventuell der FDP - obwohl die mit am Münchner Kabinettstisch sitzt.

Seehofer verteidigt sich nun: Nicht die Staatskanzlei soll schuld sein - sondern die Meinungsforscher. "Die Schlussfolgerungen aus der Studie zieht das Institut - und nicht die Staatskanzlei", sagte der CSU-Chef. Er würde eine solche Umfrage jederzeit wieder machen lassen. "Ich sehe dabei nichts Unrechtes", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Seehofer sieht die Schuld bei den Meinungsforschern

Doch die Empörung bei den Liberalen ist groß - vor der FDP wurde die Umfrage verheimlicht. Die Partei übt weiter scharfe Kritik am Koalitionspartner. "Die Staatskanzlei ist nicht das Privatvergnügen von Horst Seehofer und der CSU", sagte FDP-Fraktionschef Thomas Hacker dem "Münchner Merkur".

Am Donnerstag hatten der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Martin Zeil und der Fraktionsvorsitzende Thomas Hacker (beide FDP) in einem offenen Brief an Seehofer die sogenannten Resonanzstudien angegriffen. Unter anderem schrieben sie, sie sähen "die Grundlage unserer Zusammenarbeit in der bayerischen Regierungskoalition berührt" und forderten für den Fall, dass sich die Vorwürfe bestätigten, die Rückzahlung der Kosten für die Studie durch die CSU und personelle Konsequenzen.

Auch die SPD ist verärgert. Falls die CSU tatsächlich gegen das Parteiengesetz verstoßen habe, solle Seehofer zurücktreten, sagte SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher. "Seehofer ist doppelter Nutznießer der Umfragen: Als Regierungschef erhielt er Tipps, wie er an der Macht bleiben kann. Als CSU-Chef konnte er seine Parteikasse schonen, weil der Steuerzahler die Umfragen finanzieren musste", so Rinderspacher in der "Welt".

Die bayerische Linke erklärte in München: "Die CSU instrumentalisiert die Staatskanzlei, um ihre Wiederwahl sicherzustellen." Allerdings sei sie dabei nicht sehr erfolgreich, so Vorstandsmitglied Nicole Gohlke mit Blick auf das Umfragetief der Christsozialen.

kgp/dpa/apn/Reuters

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insgesamt 4 Beiträge
Stefanie Bach 06.08.2010
Wenn die Union nicht mehr in der Lage ist, eine öffentliche Verwaltung ordnungsgemäß zu führen, dann muss man sich nicht nur um CDU und CSU Sorgen machen, dann steht der Staat selbst auf dem Spiel. Schauen wir nach Bayern und [...]
Zitat von sysop..., weil seine Staatskanzlei mit Steuergeld umstrittene Umfragen bezahlt hat. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,710607,00.html
Wenn die Union nicht mehr in der Lage ist, eine öffentliche Verwaltung ordnungsgemäß zu führen, dann muss man sich nicht nur um CDU und CSU Sorgen machen, dann steht der Staat selbst auf dem Spiel. Schauen wir nach Bayern und Duisburg, dann packt einen ja das blanke Entsetzen. In einem Brief an seine Mitarbeiter schreibt der Duisburger Baudezernent: "Gleichzeitig sehe ich jedoch nicht, dass derzeit von einer geordneten Verwaltungsführung ausgegangen werden kann." (Duisburger Baudezernent erhebt massive Vorwürfe gegen den Oberbürgermeister (http://www.kumran.de/))
evolut 06.08.2010
---Zitat--- Seehofer sieht die Schuld bei den Meinungsforschern ---Zitatende--- Welch hirnrissiges Argument. Jeder Schuhplattler hätte denselben Sachverhalt wie die "Meinungsforscher" mit einem Augenzwinkern [...]
Zitat von sysopDer Bündnispartner FDP ist verärgert, die Opposition spricht von Rücktritt: Bayerns Ministerpräsident Seehofer ist unter Druck, weil seine Staatskanzlei mit Steuergeld umstrittene Umfragen bezahlt hat. Nun prüft auch noch der Bundestag, ob die CSU gegen das Parteiengesetz verstoßen hat. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,710607,00.html
---Zitat--- Seehofer sieht die Schuld bei den Meinungsforschern ---Zitatende--- Welch hirnrissiges Argument. Jeder Schuhplattler hätte denselben Sachverhalt wie die "Meinungsforscher" mit einem Augenzwinkern festgestellt. Sogar auf der Basis des eigenen Echos. Wäre auf jeden Fall billiger gewesen.
peter1000 06.08.2010
so etwas nennt man eine Chuzpe ... frei interpretiert ... der wegen Elternmordes Angeklagte bringt im Hinblick auf Strafmilderung vor, dass er ja als Vollwaise besondere Milde in der Strafzumessung erwarten dürfe ...
Zitat von sysopDer Bündnispartner FDP ist verärgert, die Opposition spricht von Rücktritt: Bayerns Ministerpräsident Seehofer ist unter Druck, weil seine Staatskanzlei mit Steuergeld umstrittene Umfragen bezahlt hat. Nun prüft auch noch der Bundestag, ob die CSU gegen das Parteiengesetz verstoßen hat. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,710607,00.html
so etwas nennt man eine Chuzpe ... frei interpretiert ... der wegen Elternmordes Angeklagte bringt im Hinblick auf Strafmilderung vor, dass er ja als Vollwaise besondere Milde in der Strafzumessung erwarten dürfe ...
Monsieur Rainer 07.08.2010
Wenn unser hochverehrter Kurt Tucholsky noch leben würde und dieses Schlamassel in Deutschland im allgemeinen und in Bayern im besonderen mitansehen müsste,¨hätte auch er seine Sprachgewalt verloren und wäre noch einmal nach [...]
Zitat von peter1000so etwas nennt man eine Chuzpe ... frei interpretiert ... der wegen Elternmordes Angeklagte bringt im Hinblick auf Strafmilderung vor, dass er ja als Vollwaise besondere Milde in der Strafzumessung erwarten dürfe ...
Wenn unser hochverehrter Kurt Tucholsky noch leben würde und dieses Schlamassel in Deutschland im allgemeinen und in Bayern im besonderen mitansehen müsste,¨hätte auch er seine Sprachgewalt verloren und wäre noch einmal nach Schweden ausgewandert. Dieser Abgrund an Inkomptenz, Frechheit, Korruption und Durchstechereien in ganz Deutschland stellt jede Bananenrepublik in den Schatten. Es ist auch sinnlos, Herrn Seehofer zum Teufel zu jagen, die Kanzlerin abzuwählen, den Duisburger Oberbürgermeister samt Sessel und Ordenskette aus dem Rathausfenster zu werfen, wie weiland in Prag beim Fenstersturz zu sehen war, die nächste Generation der Politiker oder gar die Opposition ist noch schauriger anzusehen. Da hilft nur eine Radikalkur durch Gründung einer neuen Republik, mit neuen Wahlgesetzen, mit Direktmandaten, mit Volksentscheiden und harter Kontrolle der Politiker, der Entschlackung des überbordenden Staates und seiner überbordenen Parteienmacht, die sich diesen Staat längst zur Beute gemacht haben. Nur, welcher Politiker schafft sich schon gerne selbst ab? Es muss noch viel schlimmer kommen, die Leidensfähigkeit der Deutschen ist unermesslich !
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