Koalitionsverhandlungen Wer in der GroKo was werden könnte

Die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD laufen schleppend. Die Personalentscheidungen sollen erst ganz am Ende fallen. Aber wer könnte was werden, falls es mit einer neuen GroKo klappt?

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Eines ist klar: Sollten Union und SPD sich auf eine neue Koalition verständigen, wird Angela Merkel wieder Kanzlerin werden. Zurzeit ist die CDU-Chefin - wie die gesamte Bundesregierung - ja nur geschäftsführend im Amt.

Merkel ist als Kanzlerin gesetzt - aber das ist dann auch schon die einzige GroKo-Personalie, die bereits feststeht. Öffentlich redet ohnehin niemand bei den Verhandlern von CDU, CSU und SPD über Namen und Ministerien: Der Zuschnitt der Ressorts, ihre Verteilung und die Besetzung soll angeblich erst besprochen werden, wenn alles andere geklärt ist.

Und noch ist ja tatsächlich eine Menge zu klären. Beispielsweise die Frage, ob es überhaupt zu einer Neuauflage der Koalition von Union und SPD kommt. Darüber wird möglicherweise bis Mitte kommender Woche verhandelt, etliche Streitpunkte sind noch offen. Sollte man sich auf einen Koalitionsvertrag einigen, muss die SPD sich diesen anschließend von ihrer Basis absegnen lassen. Erst danach will man die sozialdemokratischen Minister bekannt geben.

Formate in Koalitionsverhandlungen
Dreier-Runde
CDU: Parteivorsitzende Angela Merkel
CSU: Parteivorsitzender Horst Seehofer
SPD: Parteivorsitzender Martin Schulz
Kleine Runde
CDU: Merkel, Unionsfraktionschef Volker Kauder, Kanzleramtschef Peter Altmaier, CDU-Vize und hessischer Ministerpräsident Volker Bouffier, Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer
CSU: Seehofer, Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Generalsekretär Andreas Scheuer, Vize-Generalsekretär Markus Blume
SPD: Schulz, Fraktionschefin Andrea Nahles, Generalsekretär Lars Klingbeil, rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, mecklenburg-vorpommerische Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Hamburger Erster Bürgermeister Olaf Scholz (alle drei Parteivizes)
Die 18 Arbeitsgruppen und ihre Chefverhandler
1. Europa: Martin Schulz (SPD), Peter Altmaier (CDU), Alexander Dobrindt (CSU)
2. Wirtschaft und Bürokratieabbau: Brigitte Zypries (SPD), Thomas Strobl (CDU), Alexander Dobrindt (CSU)
3. Verkehr und Infrastruktur: Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), Daniel Günther (CDU), Alexander Dobrindt (CSU)
4. Arbeit, Soziales und Rente: Andrea Nahles (SPD), Karl-Josef Laumann (CDU), Stephan Stracke (CSU)
5. Familien, Frauen, Jugend und Senioren, inklusive Demokratieförderung: Katarina Barley (SPD), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Angelika Niebler (CSU)
6. Bildung und Forschung: Manuela Schwesig (SPD), Michael Kretschmer (CDU), Stephan Müller (CSU)
7. Digitales: Lars Klingbeil (SPD), Helge Braun (CDU), Dorothee Bär (CSU)
8. Gesundheit und Pflege: Malu Dreyer (SPD), Hermann Gröhe (CDU), Georg Nüßlein (CSU)
9. Finanzen und Steuern: Finanzen und Steuern: Olaf Scholz (SPD), Peter Altmaier (CDU), Andreas Scheuer (CSU)
10. Innen, Recht und Verbraucherschutz: Heiko Maas (SPD), Thomas de Maizière (CDU), Stephan Mayer (CSU)
11. Migration, Integration: Ralf Stegner (SPD), Volker Bouffier (CDU), Joachim Herrmann (CSU)
12. Wohnungsbau, Mieten, Stadtentwicklung: Natascha Kohnen (SPD), Bernd Althusmann (CDU), Kurt Gribl (CSU)
13. Kommunen, ländlicher Raum: Michael Groschek (SPD), Reiner Haseloff (CDU), Kurt Gribl (CSU)
14. Landwirtschaft:: Anke Rehlinger (SPD), Julia Klöckner (CDU), Christian Schmidt (CSU)
15. Energie, Klimaschutz, Umwelt: Barbara Hendricks (SPD), Armin Laschet (CDU), Georg Nüßlein (CSU)
16. Außen, Entwicklung, Verteidigung und Menschenrechte: Sigmar Gabriel (SPD), Ursula von der Leyen (CDU), Gerd Müller (CSU)
17. Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft und Medien: Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft und Medien: Michael Roth (SPD), Monika Grütters (CDU), Dorothee Bär (CSU)
18. Arbeitsweise Regierung und Fraktionen: Andrea Nahles, Carsten Schneider (beide SPD), Volker Kauder, Michael Grosse-Brömer (beide CDU), Horst Seehofer, Alexander Dobrindt (beide CSU)
Steuerungsgruppe
CDU: Peter Altmaier/Helge Braun, Michael Grosse-Brömer
CSU: Andreas Scheuer, Stefan Müller
SPD: Lars Klingbeil, Carsten Schneider

In Wahrheit wird hinter den Kulissen in den drei Parteien natürlich längst über Ressorts und Minister diskutiert. Das muss auch so sein, schließlich hängt die Verhandlungsführung teilweise damit zusammen, welche Partei am Ende welche Häuser mit wem besetzt. Bisher verantwortete die Union acht Ressorts (fünf die CDU, drei die CSU), die SPD sechs.

Das Problem der Union: Im Wahlkampf hatte Merkel angekündigt, dass CDU und CSU in einer neuen Regierung die Hälfte ihrer Ministerien mit Frauen besetzen würden. Gleichzeitig wird die CDU-Chefin dazu gedrängt, jüngere Vertreter ihrer Partei ins Kabinett zu holen. Bei der begrenzten Anzahl der Posten dürfte es kniffelig werden, diese Ankündigung auch tatsächlich umzusetzen. Bei den Christsozialen wiederum dürfte der Vorsitzende Horst Seehofer als Minister gesetzt sein - falls er denn wirklich ins Kabinett will.

Auf SPD-Seite hängt alles von Martin Schulz ab. Der Vorsitzende ist angeschlagen - wegen des Kurswechsels nach dem Scheitern von Jamaika und wegen des lautstarken innerparteilichen Widerstands. Dennoch strebt Schulz nach SPIEGEL-Informationen ins Kabinett. Im Wahlkampf und auch kurz nach der Wahl hatte er dies noch ausgeschlossen. Dagegen dürfte Sigmar Gabriel, der sich als Außenminister zu einem der beliebtesten Politiker Deutschlands gemausert hat, leer ausgehen: Der Ex-Parteichef hat in der SPD kaum noch Fürsprecher.

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insgesamt 124 Beiträge
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Seite 1
keine-#-ahnung 01.02.2018
1. Wenn der Saarländer ...
... mit dem little man syndrom nochmal ein Bundesministerium anföhrrren darf, wird der negative Zugewinn an Wählerstimmen für die SPD allein aus diesem Grund vermutlich ein recht beachtlicher sein. Aber drauf kommt es dann wohl auch nicht mehr an ... :-)
ulrich_loose 01.02.2018
2. Aufbruch
sieht irgendwie anders aus... Zu viele "bekannte" Gesichter und - so scheint mir - zu viele Merkel Froinde...
53er 01.02.2018
3. Auch der Spiegel
sollte nicht das Fell des Bären verteilen bevor er erlegt ist. Am Schluss hat die Basis die Wahl und wie die ausfällt, steht in den Sternen. Und letztendlich ist bei DIESER Auswahl eh schon wurst wer welchen Posten kriegt.
enzio 01.02.2018
4. Gar nicht schleppend!
Die Groko-Verhandlungen verlaufen gar nicht schleppend sondern im Gegenteil sehr zügig, vor allem wenn man sie mit dem Zeitraum der Sondierungsgespräche zur Bildung einer sog. Jamaikakoalition vergleicht. Was sollen also derartige unsachliche Bewertungen?
drent 01.02.2018
5. Wer in der GroKo was werden könnte?
Nur höchstqualifizierte, in jedem x-beliebigenden Bereich versierte, für jede Verwendung geeignete Persönlichkeiten. Schwierig ist die Auswahl. Es gibt nur solche.
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