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Appell an den Westen: Europas Kurden fordern Intervention gegen den IS 

Demonstrationen in Deutschland: "Kobane ist nicht alleine" Fotos
DPA

Die Terrormiliz IS ist in Kobane eingedrungen - in ganz Europa rufen Kurden um Hilfe für die syrische Grenzstadt. Deutsche Kurden appellieren an die Bundesregierung, sich stärker zu engagieren.

Den Haag/Berlin - Kurdische Demonstranten machen in mehreren Städten Europas mit Protestaktionen und Besetzungen auf die verzweifelte Lage in der umkämpften syrischen Grenzstadt Kobane aufmerksam. Sie fordern mehr Unterstützung auch von Deutschland.

Am Brandenburger Tor in Berlin versammelten sích am frühen Dienstagmittag mehrere Dutzend Kurden und Friedensaktivisten, auf ihren Schildern standen Parolen wie "IS=Dunkelheit" oder "Schluss mit dem IS-Genozid". Bei der Kundgebung forderte eine Demonstrantin, die internationale Gemeinschaft müsse den Kampf gegen den IS global und nicht punktuell führen.

Die kurdischen Kämpfer und Menschen in Kobane würden unter Einsatz ihres Lebens Werte der Menschlichkeit für die ganze Welt verteidigen, so die Demonstrantin. Die Bevölkerung müsse auch militärisch unterstützt werden, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Der Türkei warf die Rednerin vor, den IS offensichtlich zu unterstützen, die internationale Gemeinschaft müsse dafür sorgen, dass das aufhöre.

Die Berliner Polizei erwartet für die Demonstration noch bis zu 300 Teilnehmer. Bereits am Montagabend waren 600 Kurden spontan vom Brandenburger Tor zur Weltzeituhr am Alexanderplatz marschiert.

Insgesamt demonstrierten am Montag mehrere tausend Kurden in deutschen Städten, allein in Nordrhein-Westfalen waren es nach Polizeiangaben 3000 Menschen. In Düsseldorf und Bonn drangen Demonstranten am Montagabend kurzzeitig in Gebäude des Westdeutschen Rundfunks und des Auslandssenders Deutsche Welle ein. Etwa 50 Kurden übergaben dort eine Deklaration, wie der Sender mitteilte. Bei den Aktivisten handelte es sich Angaben der Deutschen Welle zum Teil um Mitglieder des kurdischen Frauenbüros für Frieden e.V. und anderer Frauenvereine. Sie forderten in ihrer Deklaration humanitäre Hilfe für die vor den IS-Kämpfern geflohenen Frauen und Kinder und langfristige Projekte, um ihnen eine Überlebensperspektive zu bieten. Die Demonstranten zogen anschließend friedlich wieder ab.

Ausschreitungen bei Demonstration in Ankara

Auch aus Hamburg, Dortmund, Münster und Essen wurden spontane Demonstrationen gemeldet. Für den kommenden Samstag rufen zahlreiche kurdische Organisationen zu einer Großkundgebung in Düsseldorf auf.

Im niederländischen Den Haag drang am Montagabend eine große Gruppe kurdischer Demonstranten in das Parlament ein. Nach einem Gespräch mit der Vorsitzenden der Zweiten Parlamentskammer, Anouchka van Miltenburg, verließen die Protestierer am frühen Dienstagmorgen das Gebäude wieder, berichteten niederländische Medien.

An den Flughäfen in Brüssel und Paris riefen Kurden um Unterstützung. Sie forderten ein entschlossenes Vorgehen der internationalen Gemeinschaft gegen den IS und humanitäre und militärische Hilfe für die Einwohner von Kobane. Auch vor dem österreichischen Parlament in Wien gab es Solidaritätsaktionen. In Basel in der Schweiz blockierten etwa 250 Menschen für rund eine Stunde die Straßenbahngleise am Marktplatz. Im französischen Straßburg versammelten sich nach einem Medienbericht etwa 140 Kurden vor dem Sitz des Fernsehsenders France 3 Alsace.

In der türkischen Metropole Istanbul kam es bei Demonstrationen zu Zusammenstößen mit der Polizei. Auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal wurden in der Nacht zu Dienstag aus den Reihen mehrerer Hundert Demonstranten Steine geworfen. Die Auseinandersetzungen im Stadtzentrum dauerten demnach bis weit nach Mitternacht an. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, auch in anderen, meist kurdischen Vierteln Istanbuls sei es zu Zusammenstößen gekommen. Angaben über mögliche Festnahmen oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Die Lage in der umkämpften syrisch-kurdischen Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei hatte sich am Montag und in der Nacht zum Dienstag dramatisch zugespitzt. IS-Kämpfer sind dort inzwischen in mehrere Stadtviertel eingedrungen.

anr/dpa/AFP

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insgesamt 78 Beiträge
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1. Sieg der Zyniker
maniac_2k 07.10.2014
Das ist schon zynisch. Der IS mordet in unmittelbarer Nähe eines NATO Landes, das knapp eine Million Männer unter Waffen hat und über ein beträchtliches Militärarsenal verfügt. Dieses Land - die Türkei - schaut zu. Mit anderen Worten: das Schicksal der Kurden interessiert sie nicht. Und bei vielen anderen ist es nicht besser. Die Deutschen schicken ein paar ausrangierte Sturmgewehre und Raketenwerfer - mehr nicht. Einzig die Amis und ihre arabischen Verbündeten zeigen zarte Ansätze, indem sie hier und da mal eine Stellung aus der Luft angreifen. Um einen solchen Gegner entscheidend zu schwächen bedarf es aber sehr viel mehr als ein paar vereinzelte Luftangriffe. Alle wissen das, doch niemand tut was. Zynisch.
2. Ruf nach westlicher Hilfe ist verständlich, ...
mini-max12 07.10.2014
... dennoch hielte ich es im Gegenzug für angemessen, dass sich die hier im Westen lebenden wehrfähigen jungen Kurden bereitwilliger selbst ins Kampfgebiet begeben müssten, um ihr Volk auch aktiv militärisch zu unterstützen. Es ist ja nun mal ihr Volk, was dort von der IS angegriffen wird.
3. Hurrah, es ist Krieg!
Ganzgeber 07.10.2014
Es ist Krieg, und wir gehen hin! Die Pro-Kriegs-Propaganda geht unermüdlich weiter, die Aufrüstung wird medial unterstützt, die Säbel werden gerasselt. Wie schnell sich die Zeiten doch ändern. Die USA fachen ein Feuer nach dem nächsten in Nahost an, und jeder Löschversuch (sofern es denn welche sind) führt zu noch mehr Eskalation. Früher, zu Bush-Zeiten, war man sich in Deutschland noch einig, dass dies nicht der richtige Weg sein kann. Jetzt sind wir plötzlich dabei, ist alles ganz klasse. Bomben für die Menschenrechte. Ich verstehe das alles nicht mehr. Aber wahrscheinlich bin ich nur zu doof, meine weise Staatslenkerin hat das wahrscheinlich mir und "den Menschen in Deutschland nicht ausreichend erklärt", aber es hat alles seine Richtigkeit. Als guter Deutscher stelle ich nicht zu viele Fragen. :-(
4. falsches Spiel ?
nichzufassen 07.10.2014
Die Kämpfe um Kobane laufen jetzt schon seit mehreren Wochen, ohne dass die US- oder andere beteiligte westliche Streitkräfte groß etwas ausgerichtet haben, obwohl die Fronten bis gestern ziemlich klar voneinander unterscheidbar waren. Da kann es doch keine wirkliche Unterstützung für die Kurden in Kobane gegeben haben (trotz gegenteiliger Lippenbekenntnisse sogar der türkischen Regierung), sonst hätte die offen um die Stadt befindlichen Truppen des IS schon aus der Luft unproblematisch zerstört werden können. Ich nehme an, da läuft mal wieder ein falsches Spiel (wohl aus Rücksicht auf den NATO-Partner Türkei).
5. Nato und Usa
globalkritiker 07.10.2014
Wirklich verstehen kann ich nichts mehr. Während unten unzählige Menschen getötet werden und auf Hilfe warten wird bei der Nato nur Diskutiert. Das größte Problem ist doch das niemand mehr zahlen will, d.h geld steht vor Menschenleben. Man könnte schon heute 50.000 soldaten schicken und der Is wäre in 6 tagen verschwunden und verstreut. Aber nein nur dummes gefasel und man lässt die Menschen allein. Super Nato nur weiter so und euch wirds bald an den Kragen gehen. Ps: das volk ist nicht Dumm;)
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