Von Sebastian Fischer und Florian Gathmann
Die Äußerung im Radiointerview war nicht Köhlers einziger Fauxpas während der Afghanistan-Reise. So ließ das Staatsoberhaupt seinen Präsidentenkollegen Hamid Karzai diplomatisch links liegen, machte ihm keine Aufwartung. Die Afghanen waren nicht amüsiert. Auch die deutschen Soldaten irritierte Köhler, als er nach deren Zuversicht fragte, diese aber nicht antworteten. Der Präsident fragte einen US-Soldaten. Dessen Antwort: "Ich glaube, wir können das gewinnen." Köhler darauf zu den Deutschen: "Warum höre ich das nicht von Ihnen?"
Daheim rumorte es schon seit Monaten im Präsidialamt, der Personalverschleiß ist hoch: Referatsleiter und bereits zwei Planungschefs sind gegangen. In Köhlers Amt herrschte Misstrauen, der Chef galt als leicht reizbar. Jeder seiner Reden gingen unzählige Mitarbeiterentwürfe voraus. Köhler strebte immer nach dem Besten.
Trotz seiner rhetorischen Schwächen kam Köhler beim Volk an. In der Beliebtheit rangierte er ganz oben. Die Politik hingegen zeigte sich zunehmend genervt vom "Bürgerpräsidenten" in Schloss Bellevue, der so oft wie kein anderer zuvor Gesetzesvorlagen der Regierung die nötige Unterschrift verweigerte. "Notfalls unbequem" wolle er sein, kündigte Köhler zu Beginn seiner ersten Amtszeit 2004 an.
Viele erhofften sich vom Staatsoberhaupt geistige Führung in der Wirtschafts- und Finanzkrise. Köhler, der gelernte Ökonom - war er nicht der richtige Mann zur rechten Zeit? Einmal bezeichnete er die internationalen Finanzmärkte als "Monster". Das war es dann aber auch. Die große Rede à la Richard von Weizsäcker blieb aus. Der 67-Jährige verstrickte sich im Klein-Klein, zuletzt machte er sich gar Gedanken über den Benzinpreis, der doch "tendenziell höher als tendenziell niedriger sein sollte". Sogar im eigenen Haus verglichen sie Köhler in letzter Zeit mit Heinrich Lübke, dem Pannen-Präsidenten der sechziger Jahre.
Dabei war Köhler mit Vorschusslorbeeren gestartet. Damals im Mai 2004, als die CDU-Vorsitzende Merkel und der FDP-Chef Guido Westerwelle den reformfreudigen Ökonomen zum Präsidenten machten, da feierten sie ihn als Vorboten künftigen schwarz-gelben Glücks. Schon bald erklärte ihn die "Bild"-Zeitung zum "Super-Horst".
Daraus ist nichts geworden. Horst Köhler verlässt das Amt als ein Gekränkter. Er will nur noch weg. Keine zehn Minuten nach seiner Rückzugsankündigung braust schon der schwarze Präsidenten-Mercedes vom Schlossareal.
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