Köln Muslimische Demonstration gegen Terror kleiner als erwartet

Statt 10.000 Menschen kamen nur 2000 bis 3000 zum Friedensmarsch von Muslimen in Köln. Der deutsch-türkische Islamverband Ditib hatte seine Teilnahme verweigert.

Friedensmarsch in Köln
DPA

Friedensmarsch in Köln


Einige Tausend Menschen haben in Köln bei einem Friedensmarsch von Muslimen gemeinsam gegen Gewalt und islamistischen Terror demonstriert. Nach den Anschlägen von Berlin, Manchester, London und in der islamischen Welt sei es Zeit, ein deutliches Zeichen zu setzen, sagte Islamwissenschaftlerin und Mitinitiatorin Lamya Kaddor bei der Kundgebung.

"Wir wollen niemanden in unseren Reihen wissen, der im Namen des Islam unschuldige Menschen tötet", so Kaddor. Die muslimische Zivilgesellschaft dürfe "nicht die Extremisten sprechen lassen".

Anfangs waren einige Hundert Menschen zu der Demonstration unter dem Motto "Nicht mit uns" in die Innenstadt gekommen. Dann stießen während des knapp zweistündigen Marsches weitere hinzu. Zunächst war von einer Gesamtteilnehmerzahl von gut tausend Menschen die Rede. Am Ende sprach Kaddor von 3000 bis 3500 Menschen. Aus Polizeikreisen hieß es, man gehe von 2000 Teilnehmern aus.

In jedem Fall blieb die Zahl weit hinter den Erwartungen der Organisatoren zurück. Die Veranstalter hatten bis zu 10.000 Teilnehmer angemeldet. Die Polizei sprach von einem ruhigen Verlauf.

Kritik an Ditib-Absage

Auf Transparenten war zu lesen: "Muslime sind nicht schuld" oder auch "Hass macht die Erde zur Hölle". Teilnehmerin Beyza Gürlevik aus Herne sagte: "Wir Muslime sind zweifach betroffen: von den Anschlägen selbst und weil die Schuld auf uns geschoben wird. Es ist wichtig, zu zeigen, dass wir gegen islamistischen Terror sind."

Unterstützt wurde die Demonstration in Köln unter anderem vom Zentralrat der Muslime in Deutschlandund der Türkischen Gemeinde, aber auch von christlichen Gruppen und deutschen Parteien.

Im Vorfeld der Demonstration hatten Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) den Islamverband Ditib kritisiert, da dieser seine Teilnahme abgesagt hatte. Die Organisation, die der Religionsbehörde in Ankara untersteht, hatte ihre Absage damit begründet, dass "muslimische Anti-Terror-Demos" die Muslime stigmatisierten. Die Aktion im Ramadan sei zudem unzumutbar für fastende Muslime. Der Ramadan ist für gläubige Muslime der Monat des Friedens.

fab/dop/dpa/AFP



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