Rechte Hetze Wie die AfD die Übergriffe von Köln instrumentalisiert

Die AfD versucht, von den Kölner Übergriffen politisch zu profitieren: Mit massiven Angriffen gegen die Kanzlerin und Stimmungsmache gegen Flüchtlinge wollen die Rechtspopulisten punkten.

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Wahlkampfveranstaltung der AfD in Rheinland-Pfalz: Mit der Flüchtlingskrise punkten
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Wahlkampfveranstaltung der AfD in Rheinland-Pfalz: Mit der Flüchtlingskrise punkten


Die deutsche Frau, angeblich bedroht vom fremden Mann - mit diesem Vorurteil lässt sich bei der Anhängerschaft der AfD punkten. "Die Angsträume werden größer in unserem Land", rief Björn Höcke. "Gerade für blonde Frauen werden sie leider immer größer." Im Herbst war das, bei einer von ihm organisierten Kundgebung in Erfurt. Einige Tausend Teilnehmer jubelten dem Landes- und Fraktionschef der Thüringer "Alternative für Deutschland" zu.

Höcke, der jüngst mit Äußerungen über die "Reproduktionsfähigkeit" von Afrikanern von sich reden machte und dafür vom AfD-Bundesvorstand lediglich gerügt wurde, fühlt sich nach den Übergriffen auf Frauen in Köln bestätigt. Auf seiner Facebook-Seite hat er jetzt ein selbstgebasteltes Motiv des AfD-Landtagsabgeordneten Thomas Rudy geteilt. Es zeigt Höcke in Denkerpose, darunter steht: "Höcke hatte Recht." Höcke ist von der Komposition seines Parteifreundes angetan. "Danke, Thomas!", schreibt er.

Die AfD konnte seit Beginn der Zuwanderungsbewegung in Umfragen bundesweit auf neun, im Osten sogar auf 16 Prozent zulegen und sieht sich durch die Silvestervorfälle in Köln beflügelt. Im Internet, auf Facebook, auf Twitter, überall in den sozialen Medien wird das Thema in den Kreisen der Rechtspopulisten eifrig kommentiert. Die Nächte von Köln und Hamburg werden von vielen direkt mit der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel in Verbindung gebracht. Erste Berichte über polizeiliche Hinweise, wonach sich auch Flüchtlinge an Übergriffen beteiligt haben sollen, verbreiten sich rasch im Netz unter den AfD-Anhängern.

Petry vergleicht Köln mit 1945

Auch ganz oben wird eine direkte Linie von der Flüchtlingspolitik zu Köln gezogen. "Ist Ihnen nach der Welle an Straftaten und sexuellen Übergriffen Deutschland nun 'weltoffen und bunt' genug, Frau Merkel?", schrieb AfD-Vorstandssprecherin Frauke Petry auf Facebook. Wenig später brachte die Parteichefin die Vorgänge in einen Zusammenhang mit den Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Soldaten der Roten Armee im Frühjahr 1945. "Massenhafter Missbrauch in Köln erinnert an rechtlose Zustände zum Kriegsende", schrieb sie.

Auch der Thüringer Rechtsaußen Höcke hat auf Facebook noch einmal in den vergangenen Stunden nachgelegt: "Merkel ist schuld an Attacken des Einwanderer-Mobs auf Frauen in Köln und anderen deutschen Städten."

Massive Attacken gegen Merkel, Zuspitzungen, Übertreibungen, Unterstellungen, schiefe historische Vergleiche, hämische Angriffe auf den politischen Gegner - so versucht die AfD aus Köln Kapital zu schlagen. Der Sprecher der Bundespartei, Christian Lüth, twitterte ein Bild der Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, auf dem diese mit heruntergezogenen Mundwinkeln zu sehen ist. Dazu der Satz: "Ach wäre ich Neujahr nur nach Köln gefahren."

Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef löscht Tweet

Klar ist: Die AfD hofft auf Profite. In drei Landtagen - Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt - wird am 13. März gewählt, überall rechnet sie sich gute Chancen aus. Nachdem AfD-Vize Alexander Gauland schon die Flüchtlingskrise als solche jüngst als Geschenk für seine Partei bezeichnet hatte, könnten die Übergriffe von Köln noch einen zusätzlichen Schub geben - so das Kalkül.

Der sachsen-anhaltinische Landeschef André Poggenburg ging in diesen Tagen am weitesten. Auf Twitter postete der 40-Jährige ein Bild, auf dem drei weiße Mädchen ein Stoffbanner mit der Aufschrift "Refugees welcome" halten, darüber steht die Überschrift "Köln; Oktober 2015".

Gleich darunter ist das Bild einer vor Schreck zusammenzuckenden weißen Frau, die von einem schwarzen Mann in den Nacken gebissen wird, dazu die Überschrift "Köln, Januar 2016". Poggenburg schrieb: "Köln, Hamburg, Stuttgart und bald auch ganz in Ihrer Nähe? So ist das halt mit Multi-Kulti ohne Sinn und Verstand."

Das aber war auch der AfD zu starker Tobak. Und offenbar hatte die Partei, von deren Anhängern viele die Medien als "Lügenpresse" beschimpfen, Angst, selbst der Lüge bezichtigt zu werden - das Bild kursiert seit Jahren im Netz, seine Herkunft ist unklar.

Inzwischen hat Poggenburg, der mit Höcke eng zusammenarbeitet, seinen Tweet gelöscht.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 705 Beiträge
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Seite 1
syracusa 08.01.2016
1. Reichstagsbrand
AfD/Pegida mact diese Sache zu ihrem Reichstagsbrand. Man steht unfassbar vor dieser Welle an geifernder Hetze gegen alle demokratischen Institutionen und alle Grundwerte unseres Staates. Wir müssen DRINGEND zusehen, wie wir auf diese Flasche wieder einen Deckel kriegen können.
woidl 08.01.2016
2. Ach Gottchen
die pöse AfD wieder. Die AfD macht eigentlich so gut wie gar nix. Die kommt in keinem Bericht oder sonst was vor. Außer beim Spiegel, der wieder die gute alte Nazikeule rausholt. Als ehemaliger, langjähriger Grünwähler und Spiegelleser kann ich sagen, die AfD muss nur abwarten und nix tun. Die Medien und die Politik tun alles, aber wirklich alles um die Leute der AfD zuzutreiben. Was bleibt einem sonst auch übrig, wenn man gegen einen unbegrenzten, unkontrollierten Zuzug von größtenteils Wirtschaftsmigranten ist, die aus Deutschland, wenn sie erst mal hier sind, nicht wieder abschiebbar sind. Denn da gelten dann plötzlich wieder Gesetze. Welche Alternative hat so jemand? Oder darf man das einfach nicht, dagegen sein? Ist man dann schon Nazi und Rassist?
Mach999 08.01.2016
3.
Ist es wirklich eine Nachricht, dass die AfD sich über Verbrechen freut? Die wollen doch nicht wirklich, dass die Straftaten aufgeklärt, weitere Straftaten verhindert und den Frauen geholfen wird. Häme ist das einzige, was dieser Organisation einfällt. Realistische Lösungen hat sie nicht. Außer Zäune und Schießbefehle. (Wobei die ja nichts bringen, wie man in Ceuta regelmäßig feststellen kann. Aber auch das ist dieser Organisation egal.)
fatherted98 08.01.2016
4. hmm...
...natürlich werden hier nur die extremen Äußerungen/Entgleisungen aus der AfD kolportiert. Das Leute wie Höcke nicht wählbar sind, ist auch unter vielen AfD Anhängern nichts Neues. Das die meisten Mitglieder eigentlich nur ganz normale (Wert)-Konservative sind, denen gar nichts anderes übrig bleibt als sich politisch neu zu orientieren, da die "Konservative" Partei CDU ja im Prinzip nicht mehr existent ist...wird verschwiegen. Ich bin kein AfD Anhänger...aber letztlich sind viele oder sogar die meisten Positionen der AfD deckungsgleich mit denen der CSU...nur über die lese ich solche Kommentare hier nicht.
josho 08.01.2016
5. Gab es da nicht einmal....
....einen hessischen Wahlkampf, wo ein CDU Kandidat in den Fußgängerzonen dazu aufrief, "gegen Ausländer" zu unterschreiben? Er wurde zu einem erfolgreichen Ministerpräsidenten! Wer von den Wahlkämpfern will denn da wirklich den ersten Stein werfen?
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