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Nach Ausschreitungen: Polizei löst Pegida-Demo in Köln auf

Aus Köln berichten und

REUTERS

Nach Angriffen mit Böllern und Flaschen hat die Polizei eine Pegida-Demonstration in Köln aufgelöst. Der Aufmarsch war zunächst von Gegnern der Rechten blockiert worden. Die zuletzt heftig kritisierte Kölner Polizei konnte beide Seiten geschickt trennen.

Die Polizei hat eine Pegida-Demonstration in Köln vorzeitig beendet. Zuvor hatten Anhänger des rechten Bündnisses sich teilweise vermummt, Hitlergrüße gezeigt und wiederholt Polizisten und Pressevertreter mit Feuerwerkskörpern und Flaschen angegriffen. Die Polizei reagierte darauf auch mit dem Einsatz von Wasserwerfern. Die Demonstration unter dem Motto "Pegida schützt!" stand im Zusammenhang mit den Massenübergriffen auf Frauen in der Silvesternacht.

Nachdem sie nur etwa 300 Meter gekommen waren, wurden die Pegida-Anhänger von der Polizei zurück in Richtung des Hauptbahnhofs getrieben. Dort war zeitweise Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn vor wichtigen Zugängen postiert - offenbar aus Sorge, die Krawalle könnten sich in das Gebäude verlagern. Nach Abbruch der Demo wurden Pegida-Anhänger in kleineren Gruppen vom Bahnhof weg oder zu ihren Zügen geleitet.

Bei den Auseinandersetzungen sei ein Journalist verletzt worden, sagte eine Polizeisprecherin. Augenzeugen berichteten von weiteren Verletzten, die unter anderem Schnittwunden im Gesicht gehabt hätten. Es gab mehrere Festnahmen.

Zahlreiche Gegendemonstranten hatten den regulären Start des Pegida-Aufmarsches verhindert. Die Polizei eskortierte die Anhänger des rechten Bündnisses daraufhin über die Rückseite des Hauptbahnhofs zu ihrer geplanten Demonstrationsroute. Kurz darauf kam es aufgrund der Ausschreitungen zum Abbruch.

Die Gegendemonstranten hatten lange am Bahnhof ausgeharrt, brachen aber schließlich auch zu einem Protestmarsch auf. Dabei blieb es bis zum frühen Abend weitgehend friedlich, obwohl sich im Demozug auch Vertreter des autonomen schwarzen Blocks befanden.

Die Pegida-Gegner hatten den Platz vor dem Bahnhof in Absprache mit der Polizei geräumt - nur wenige Minuten, bevor die Rechten zum Bahnhof zurückkehrten. Die Abschlusskundgebung der Gegendemonstranten sollte nach Polizeiangaben entgegen der ursprünglichen Planungen am westlich gelegenen Hans-Böckler-Platz stattfinden. Der Kölner Polizei, die nach den Übergriffen von Silvester heftig in der Kritik steht, scheint damit eine geschickte Trennung beider Seiten gelungen zu sein.

"Sehr aufgeheizte Stimmung"

Unter den Pegida-Demonstranten war nach Behördenangaben auch eine Reihe polizeibekannter Hooligans. Rund 450 Teilnehmer der von Pegida NRW angemeldeten Demonstration seien mit Zügen aus dem Ruhrgebiet angereist und von der Polizei begleitet worden. Beamte beschrieben die Stimmung als "sehr aufgeheizt".

Die Polizei bezifferte die Zahl der Pegida-Demonstranten auf rund 1700 Menschen, davon sei etwa die Hälfte gewaltbereit gewesen. Ihnen standen ungefähr gleich viele Beamte der Landespolizei sowie mehrere Hundertschaften der Bundespolizei gegenüber. Die Zahl der Gegendemonstranten wurde offiziell auf etwa 1300 geschätzt.

Die Pegida-Anhänger wurden von den Gegendemonstranten am Bahnhof mit wütenden Parolen empfangen. Demonstranten aus dem linken Spektrum skandierten "Nazis raus", "Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda" und "Wir kriegen Euch alle".

Die Teilnehmerinnen trugen Transparente mit Aufschriften wie "Nein heißt Nein. Das ist unser Gesetz. Bleibt uns vom Leib" oder "Nein zu Gewalt gegen Frauen, egal ob in Köln, beim Oktoberfest oder im häuslichen Schlafzimmer".

Noch vor der Eskalation hatten sich mehrere Hundert Frauen am Hauptbahnhof versammelt und gegen gewaltsame Übergriffe protestiert. Zu dem Flashmob hatten Frauengruppen im Internet aufgerufen.

Mit Material von dpa

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