Köln: Krawalle bei Anti-Islam-Konferenz

Hetzjagd, Steinwürfe und Farbattacken: Schon zum Auftakt des umstrittenen Anti-Islamisierungskongresses in Köln gab es gewaltsame Proteste. Für Samstag werden Zehntausende Gegendemonstranten erwartet. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an.

Köln - Aus dem ersten Programmpunkt wurde nichts. Die rechtspopulistische Bürgerbewegung Pro Köln hatte am Freitagvormittag zum Auftakt des Kongresses zu einer "internationalen Pressekonferenz" in den Kölner Stadtteil Rodenkirchen eingeladen. Gegendemonstranten versuchten, die Veranstaltung gewaltsam zu verhindern. Zwei Vertreter der Bürgerbewegung wurden von den Demonstranten gejagt und mussten bei der Polizei Schutz suchen. Ein von Pro Köln für die Pressekonferenz gechartertes Rheinschiff wurde mit Steinen beworfen und musste ablegen, bevor Journalisten an Bord gelangten. Mehrere Glasscheiben gingen zu Bruch.

Protest in Köln: Demo gegen den Anti-Islamisierungskongress
DPA

Protest in Köln: Demo gegen den Anti-Islamisierungskongress

Die Polizei nahm sechs Gegendemonstranten vorläufig fest. Ein Strafverfahren wegen Körperverletzung wurde eingeleitet. Mit einem Großaufgebot von rund 3000 Polizisten will die Polizei am Wochenende gewaltsame Auseinandersetzungen nach Möglichkeit verhindern.

Katholiken kritisieren Pro Köln

Die Kritik an dem Anti-Islamisierungskongress nimmt weiter zu. "Wir sind der Auffassung, dass eine solche Veranstaltung von Populisten und Extremisten in Köln das gute Miteinander belastet, um das sich der Staat und muslimische Bürger bemüht haben", sagte die Sprecherin von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, Gabriele Hermani. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) warf Pro Köln vor, die Organisation schüre bewusst Ängste in Teilen der Bevölkerung und sabotiere in unverantwortlicher Weise die Bemühungen um ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen in Deutschland. Ausdrücklich betonte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer, die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit umfasse auch den Bau von Gebetsstätten.

Die vor allem durch ihren Widerstand gegen den Bau einer repräsentativen Moschee in der Domstadt bekannt gewordene Bürgerbewegung Pro Köln hatte zu dem Treffen Rechtspopulisten und Rechtsextremisten aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien und Italien eingeladen. Höhepunkt des Kongresses soll eine öffentliche Großkundgebung unter dem Motto "Nein zur Islamisierung" am Samstag auf dem Kölner Heumarkt sein, zu der 1500 Teilnehmer erwartet werden.

Menschenkette vor Moschee

Allerdings rechnet die Polizei auch mit mehreren zehntausend Gegendemonstranten. Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma rief die Bürger der Stadt zum friedlichen Protest auf. Die Gegendemonstranten haben angekündigt, die Pro-Köln-Kundgebung mit Blockaden verhindern zu wollen. In einer Menschenkette stellten sich bereits am Freitag rund 500 Menschen schützend vor das Gelände, auf dem die neue Moschee entstehen soll. Pro Köln will mit dem Kongress nach eigenen Aussagen eine engere Vernetzung der "europäischen, patriotischen, rechtpopulistischen Bewegungen" erreichen. Gleichzeitig diene die Veranstaltung als Startschuss für den Kommunalwahlkampf. Ziel von Pro Köln sei es, den Urnengang zu einer Volksabstimmung über den Moscheebau umzufunktionieren, sagte der Pro-Köln-Vorsitzende Markus Beisicht.

ler/AP

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