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Pegida-Ableger in Köln: Hooligans mischen sich unter Kögida-Demo

Kögida und die Gegendemo: "Pegida? Läuft in Köln nicht" Fotos
DPA

Das Aufgebot war mickrig: Zur Kundgebung des Pegida-Ablegers Kögida kamen in Köln gerade mal 150 Leute - darunter auch Anhänger der "Hooligans gegen Salafisten". An der Gegendemo nahmen 40-mal mehr Menschen teil.

Köln - Köln hat sich am Mittwochabend quer gestellt: Einer Demonstration von 150 "Kölnern gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Kögida) standen laut Angaben der Polizei 6500 Gegendemonstranten gegenüber. Unter die wenigen Kögida-Anhänger hätten sich auch Hogesa-Anhänger gemischt, berichtet der "Kölner Stadtanzeiger". Während es bei den Protesten der Hogesa ("Hooligans gegen Salafisten") im November zu Ausschreitungen kam, blieb es am Mittwochabend laut dem Bericht ruhig.

Viel größer fiel die Gegendemonstration aus: Das Bündnis "Köln stellt sich quer" hatte zu einer Kundgebung am Appellhofplatz aufgerufen. Auch Autor Navid Kermani hielt zum Motto "Pegida? Läuft nicht in Köln" eine Ansprache: "Die Terroristen wollen einen Keil zwischen uns treiben", zitiert ihn der "Kölner Stadtanzeiger". "Auch in Europa haben wir Konflikte. Aber wir sind uns einig, dass wie diese niemals wieder durch Kriege lösen wollen."

Mit Blick auf das Attentat vor einer Woche in Paris, bei dem neun Mitarbeiter der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" getötet wurden, sagte Kermani: "Die letzten Tage haben uns daran erinnert, dass wir bei allen politischen Rechten und gesetzlichen Regeln immer auch das Moment der Brüderlichkeit im Blick haben müssen, der Empathie, des Einstehens für den Schwächeren, der Gastfreundschaft gegenüber dem Fremden, der Solidarität mit dem Verfolgten", zitiert ihn der Westdeutsche Rundfunk.

Es reiche nicht zu sagen, dass die Gewalt nichts mit dem Islam zu tun habe: "Wir müssen die Auseinandersetzung mit der Lehre suchen, die heute weltweit Menschen gegeneinander aufhetzt und Andersgläubige ermordet oder erniedrigt."

Dass die Kögida-Anhänger überhaupt durch die Kölner City marschieren konnten, beruht laut dem WDR-Bericht auf einem Entscheid des Oberverwaltungsgerichts Münster. Es hob die Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichts vom Dienstag auf, wonach die Islamgegner nur auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz hätten demonstrieren dürfen. Die Polizei als zuständige Versammlungsbehörde hätte die Kögida-Teilnehmer sogar auf eine weiter abseits gelegene Straße verbannen wollen, berichtet der WDR.

Anders als vor zehn Tagen blieb der Kölner Dom beleuchtet, berichtet die "Rheinische Post". Am 5. Januar hatten in Köln einige Hundert Kögida-Anhänger demonstriert, während mehrere Tausend Menschen dem Aufruf von "Köln stellt sich quer" folgten und vor rechtem Gedankengut warnten. Als Zeichen des Protests gegen Islam- und Ausländerfeindlichkeit war das Licht am Dom abgeschaltet worden. Das bleibe aber ein einmaliges Signal, hatte das Domkapitel zuvor mitgeteilt. Man wolle Kögida nicht unnötig aufwerten.

vek

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