Köln Moscheebau entzweit CDU

Äußerst umstritten sei der Bau der Moschee in seiner Partei, sagt Kölns CDU-Chef. Eine neue Position soll jetzt auf einem Parteitag geklärt werden. Unterdessen kämpfen Politiker aus SPD und CDU mit einer gemeinsamen Erklärung für den unbedingten Bau der Moschee.


Berlin - "Voll und ganz" stünden sie hinter dem geplanten Bau der Moschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld, verkünden die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün, Lothar Theodor Lemper, CDU-Vorsitzender des Kulturausschusses im Rat der Stadt Köln und der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, Hans Georg Bögner (SPD). Der Bau-Entwurf könne in "vollem Umfang für sich in Anspruch nehmen, in Köln ein Stück Baukultur zu sein".

Die drei Politiker rufen in ihrem Schreiben die demokratischen Parteien in Köln dazu auf, stärker für den Bau des muslimischen Gotteshauses zu werben. "Das ist eine politische Führungsaufgabe" und habe etwas mit dem "Ansehen der Stadt Köln" zu tun. "Köln ist eine Stadt der Weltoffenheit", in dieser Hinsicht müsse sich die Rheinmetropole treu bleiben, fordern die Politiker.

Bereits getroffene Entscheidungen über die Höhe der Minarette dürften nicht wieder angezweifelt werden, fordern sie. "Es gibt keinen sachlichen Grund, Maße und Höhe wieder in Frage zu stellen."

CDU will ihre Position klären

Mit ihrem Schreiben reagieren Akgün, Lemper und Bögner auch auf aktuelle Diskussionen innerhalb der Kölner CDU. Auf einem Parteitag wollen die Christdemokraten morgen ihre Haltung zur geplanten Moschee im Stadtteil Ehrenfeld neu erörtern. Ein Antrag der Parteibasis macht die Zustimmung von weitreichenden Zugeständnissen seitens der Bauherrin Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) abhängig. So soll der Bau deutlich kleiner ausfallen. Der bislang geplante Kuppelbau mit den zwei 55 Meter hohen Minaretten sei für die Kölner CDU nicht akzeptabel. Kölns CDU-Vorsitzender Walter Reinarz räumte ein, dass das Thema in der Partei äußerst umstritten sei.

CDU, Grüne, SPD, FDP und Linke hatten dem Entwurf des katholischen Kirchenbauers Paul Böhm im Stadtrat zunächst zugestimmt. Allein die rechtsextreme Bürgerbewegung "Pro Köln" lehnte ab.

Laut einer Umfrage des "Kölner Stadt-Anzeigers" sind 35,6 Prozent der Kölner uneingeschränkt für die Errichtung der Moschee. 31,4 Prozent lehnen den Neubau danach rundheraus ab. Weitere 27 Prozent wären mit der Moschee einverstanden, wenden sich aber gegen die Größe des Entwurfs mit seiner 35 Meter hohen Kuppel und zwei 55 Meter hohen Minaretten.

Giordano: "Integration ist gescheitert"

Der größte Teil der Stadtgemeinschaft würde den Bau aber akzeptieren, wenn die damit verbundenen Verkehrsprobleme praktisch gelöst würden, argumentieren Akgün, Bögner und Lemper nun. Zudem: Je näher die Menschen am Standort der geplanten Moschee wohnen, umso eher würden sie den Bau bejahen. Mit einer räumlichen Entfernung würden die ideologischen Vorurteile wachsen. Diese müsse auch die Ditib auszuräumen versuchen, und die nicht-muslimische "Bevölkerung stärker in das Leben der Moschee einbinden", heißt es.

Unabhängig von "Pro Köln" hatte es in den vergangenen Monaten heftige Diskussionen um den geplanten Bau gegeben - insbesondere um die Höhe der Minarette. Der Schriftsteller Ralph Giordano und die Publizistin Necla Kelek hatten vor dem Bau gewarnt. Giordano begründete seine Ablehnung der Großmoschee mit dem Argument, die Integration in Deutschland sei gescheitert. Die rechtsextreme Bürgerbewegung "Pro Köln" hatte daraufhin Giordanos Äußerungen für sich missbraucht.

Erst gestern hatte Ralph Giordano erneut in einem umfangreichen Artikel für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" gegen den Bau der Moschee argumentiert.

anr



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