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Köln: Polizei nimmt mutmaßliche Terroristen im Flugzeug fest

Anti-Terror-Einsatz auf dem Flughafen Köln-Bonn: In einer Maschine der niederländischen Fluglinie KLM Richtung Amsterdam wurden zwei mutmaßliche Terroristen festgenommen. Beide werden verdächtigt, dass sie sich an Anschlägen beteiligen wollten.

Köln - Polizisten holten die beiden Männer um 6.55 Uhr kurz vor dem Start aus der KLM-Maschine und nahmen sie fest. Es handelt sich nach Angaben des Landeskriminalamts um einen 23-jährigen Somalier und um einen in Somalia geborenen 24-jährigen Deutschen.

Flughafen Köln-Bonn: Festnahmen in der KLM-Maschine
DPA

Flughafen Köln-Bonn: Festnahmen in der KLM-Maschine

Beide wollten sich offenbar an möglichen Anschlägen beteiligen und im "Heiligen Krieg" (Dschihad) sterben, sagte LKA-Sprecher Frank Scheulen SPIEGEL ONLINE. Es bestehe aber nicht der Verdacht, dass sie das Flugzeug entführen wollten. In der Wohnung der Festgenommenen soll die Polizei entsprechende Abschiedsbriefe gefunden haben. Die beiden Männer standen offenbar seit Längerem unter Beobachtung - und werden nun vernommen.

Sowohl das LKA als auch ein Sprecher des Flughafens widersprachen Berichten, wonach das Flugzeug gestürmt worden sei. Vielmehr sei die Festnahme der beiden Männer an Bord "völlig unspektakulär" verlaufen. "Es wurden definitiv keine Spezialkräfte eingesetzt", so Scheulen. Die Männer hätten auch keinen Widerstand geleistet.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE war die Bundespolizei an der Festnahme beteiligt. Mit den Verdächtigen sei auch deren Gepäck aus der Maschine geholt worden, sagte der stellvertretende Pressesprecher des Flughafens Köln/Bonn, Alexander Weise. Der geplante Abflug der Maschine sei um 7.05 Uhr gewesen, wegen der Polizeiaktion sei sie aber erst um 8.24 Uhr gestartet.

Startfreigabe war bereits erteilt

Auch Weise betonte, es könne keine Rede davon sein, dass das Flugzeug erstürmt worden sei. Vielmehr seien Polizeibeamte in die Maschine gegangen und hätten die beiden Männer nach draußen begleitet. Zu allen weiteren Details - etwa dem Grund der Festnahme, der Identität der Verdächtigen - verwies der Sprecher auf das Landeskriminalamt.

Die Maschine hatte nach Angaben der niederländischen Fluggesellschaft schon die Startfreigabe erhalten. Unmittelbar danach sei die Starterlaubnis für den Flug KL1804 auf Anweisung der Polizei aber wieder zurückgenommen worden, sagte eine KLM-Sprecherin in Amsterdam.

Alle Passagiere hätten nach der Festnahme der beiden Verdächtigen das Flugzeug wieder verlassen und ihr Gepäck identifizieren müssen. Die Gepäckstücke der Festgenommenen seien fortgebracht worden. Schließlich habe die Maschine mit einer Verspätung von einer Stunde und zehn Minuten Richtung Amsterdam abheben können.

Das LKA wollte nicht bekanntgeben, wie der Verdacht auf die beiden Männer gefallen ist. Unter Verweis auf die andauernden Ermittlungen wollte Scheulen keine weiteren Details mitteilen.

Öffentlichkeitsfahndung des BKA

"Es handelte sich um ein eigenständiges Ermittlungsverfahren des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts", sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA) SPIEGEL ONLINE. "Wir sind darüber im Zuge des polizeilichen Informationsaustausch in Kenntnis gesetzt worden." Zu der Frage, ob die beiden Festgenommenen dem BKA bekannt gewesen seien, wollte sich die Kriminalbeamtin aus "ermittlungstaktischen Gründen" nicht äußern.

Erst am Donnerstag hatte das BKA eine Öffentlichkeitsfahndung nach zwei Terrorverdächtigen eingeleitet, die auf dem Weg nach Deutschland sein sollen. Der Saarländer Eric Breininger und der gebürtige Libanese Houssain al-Malla könnten in Deutschland Anschläge planen, hieß es. Konkrete Hinweise auf Attentatsvorbereitungen oder Ziele gebe es aber nicht, betonten die Sicherheitsbehörden.

Breininger hatte in Videos im Internet mehrfach gedroht, ein Selbstmordattentat begehen zu wollen. Zuletzt waren Breininger und Malla nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Pakistan vermutet worden. Beide haben nach Erkenntnissen der Behörden Ausbildungen in Terrorlagern im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet absolviert.

als/jdl/dpa/ddp/AP

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