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06. Januar 2016, 15:42 Uhr

Übergriffe von Köln

Jäger weist de Maizières Polizeischelte zurück

"So kann Polizei nicht arbeiten": Mit diesen Worten hatte Thomas de Maizière die Kölner Polizei kritisiert. Nun schlägt NRW-Innenminister Ralf Jäger zurück. Er wirft dem CDU-Politiker fehlende Detailkenntnisse vor.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger spricht nach den massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln von schwierigen Ermittlungen. "Manchmal braucht der Rechtsstaat Zeit. Diese Zeit müssen wir ihm geben", sagte der SPD-Politiker. Bislang seien drei Verdächtige ermittelt worden.

Jäger nahm die örtlichen Sicherheitskräfte in Schutz: Die Kölner Polizei sei mit größerer Präsenz als in den Vorjahren vor Ort gewesen, habe aber mit diesen massiven Übergriffen nicht gerechnet. "Die Polizei in Köln, aber auch die Bundespolizei, müssen im Detail erklären, wie es zu diesen Taten kommen konnte", sagte der NRW-Innenminister. "Ich erwarte einen Bericht noch in dieser Woche. So etwas darf nicht wieder vorkommen."

Die Kritik von Bundesinnenminister Thomas de Maizière an der Kölner Polizei wies Jäger scharf zurück. Stattdessen erinnerte er den CDU-Politiker an dessen eigene Verantwortung: "Es gab Übergriffe sowohl im Zuständigkeitsbereich der Kölner Polizei, aber auch der Bundespolizei." Die Bundespolizei untersteht dem Bundesinnenminister.

Jäger distanziert sich von Reker

"Es eine Frage des Stils, ob man ohne Detailkenntnisse, bei eigener Verantwortung, Polizeieinsätze in anderer Zuständigkeit beurteilt. Wie ich dies empfinde, habe ich Herrn de Maizière schon mitgeteilt", sagte Jäger.

De Maizière hatte gesagt, erst den Platz zu räumen und dann abzuwarten, bis Anzeigen kämen - so dürfe die Polizei nicht arbeiten.

Jäger ging auch auf Distanz zu den Empfehlungen der parteilosen Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die Frauen geraten hatte, Abstand zu Fremden zu halten. "Das verkehrt ein bisschen die Rolle von Opfer und Täter", sagte Jäger. Es sei nicht Aufgabe der Frauen, solche Taten zu verhindern. Frauen hätten einen Anspruch darauf, sich sicher in der Öffentlichkeit zu bewegen.

syd/dpa

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