Kölner Rizin-Fall Ermittler nehmen verdächtige Ehefrau fest

In Köln soll ein Mann an einer Rizin-Bombe gearbeitet haben. Nach SPIEGEL-Informationen wurde nun auch die Ehefrau des Islamisten Sief Allah H. festgenommen.

Feuerwehrleute beim Einsatz in Köln
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Feuerwehrleute beim Einsatz in Köln

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Im Fall eines möglicherweise vereitelten Anschlags mit dem biologischen Kampfstoff Rizin gerät nun die Ehefrau des festgenommenen Islamisten Sief Allah H., 30, in den Fokus der Ermittler. Nach SPIEGEL-Informationen wirft der Generalbundesanwalt ihr vor, ihrem Mann mehrfach bei der Bestellung von Materialien für eine Rizin-Bombe geholfen zu haben. Zudem soll sie ihn zweimal bei seinen letztlich gescheiterten Ausreiseversuchen nach Syrien unterstützt haben.

Die 42-jährige Yasmin H. gilt den Sicherheitsbehörden schon einige Zeit als Radikale. Die sechsfache Mutter soll schon in der Vergangenheit Kontakt zu Islamisten gesucht haben. Ihren jetzigen Mann, der aus Tunesien stammt, lernte sie nach eigenen Angaben über Facebook kennen, im Oktober 2015 trafen sich die beiden erstmals und heirateten umgehend. Sief Allah H. arbeitete damals als Praktikant in einem Postamt in Tunesien. Im Winter 2016 zog er zu seiner Frau nach Köln.

Nach SPIEGEL-Informationen informierte Yasmin H. Monate später zwei Nachbarinnen in einem Brief, dass ihr Mann sich dem "Islamischen Staat" (IS) anschließen wolle. Er pflege, so deuten die Ermittler das Schreiben, eine engere Beziehung zum IS als bekannt. Zudem soll Yasmin H. in dem Schriftstück eingeräumt haben, ihren Mann bei seinen Ausreiseplänen finanziell zu unterstützen.

Bestellungen über Amazon-Konto der Ehefrau

In einer ersten Befragung hatte Yasmin H. bestritten, von mutmaßlichen Anschlagsplanungen ihres Mannes etwas gewusst zu haben. Über ein kurzfristig angelegtes Amazon-Kundenkonto auf ihren Namen war nach SPIEGEL-Informationen gleichwohl unter anderem eine elektrische Kaffeemühle bestellt worden, von der die Ermittler annehmen, dass sie zur Herstellung des Giftes Rizin hätte verwendet werden sollen oder verwendet wurde.

Für die Bestellung weiterer Utensilien wie Metallkugeln und Kühlkompressen soll Yasmin H. ihrem Mann ihr Amazon-Konto zur Verfügung gestellt und die Bestellungen bezahlt haben. Als ihr Mann pyrotechnisches Material in Polen suchte, soll sie die Kommunikation übernommen haben.

Als Sief Allah H. Schwierigkeiten mit einem Lieferanten von Rizin-Samen hatte, soll seine Frau mit dem Lieferanten verhandelt und 1000 Samen extra herausgeschlagen haben. Zuletzt soll sie gemeinsam mit ihrem Mann einen Zwerghamster gekauft haben. Die Ermittler vermuten, dass an dem Nagetier die Wirksamkeit des von H. hergestellten Rizins getestet werden sollte.

Ermittler suchen nach Mitwissern

Sief Allah H. war im Juni in Köln festgenommen worden. Beamte entdeckten bei ihm insgesamt 3150 Rizinussamen und 84,3 Milligramm des Gifts Rizin. H. soll sich bei der Herstellung des Stoffes an einer Anleitung orientiert haben, die der IS im Internet verbreitet.

Der Islamist hatte bei einem Internetversandhändler zudem mehrere Chemikalien bestellt, die zum Bau einer Bombe geeignet gewesen wären. Auch soll der Tunesier eine Chemikalie gekauft haben, die man braucht, um aus Rizinussamen das hochgifte Rizin zu gewinnen. Rizin unterliegt als biologische Waffe dem Kriegswaffenkontrollgesetz.

Die Ermittler suchen zudem nach möglichen Mitwissern, die den Islamisten bei seinem mutmaßlichen Vorhaben, einen Anschlag mit einem biologischen Kampfstoff zu verüben, unterstützt oder sogar angeleitet haben könnten.



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