Terroralarm in Köln Hinweise aus Bevölkerung halfen Verfassungsschutz

Die Behörden haben möglicherweise einen Anschlag mit einem biologischen Kampfstoff verhindert. Tipps von ausländischen Nachrichtendiensten und aus der Bevölkerung halfen, Islamist Sief Allah H. zu fassen.

Polizeieinsatz in Köln-Chorweiler
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Polizeieinsatz in Köln-Chorweiler

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Im Fall eines möglicherweise verhinderten Terrorangriffs mit dem hochgiftigen Stoff Rizin halfen Hinweise aus der Bevölkerung den Sicherheitsbehörden.

Nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) trugen Tipps der Öffentlichkeit dazu bei, den inzwischen tatverdächtigen Islamisten Sief Allah H., 29, zu identifizieren. "Erst das Zusammenspiel aufmerksamer Bürger mit der nachrichtendienstlichen Erkenntnislage hat uns in die Lage versetzt, den Gefährdungssachverhalt zu konkretisieren", so BfV-Chef Hans-Georg Maaßen. Seine Behörde war mit dem Tunesier seit dem Herbst 2017 befasst.

Der Islamist Sief Allah H. war im November 2016 nach Deutschland gekommen, nachdem er eine deutsche Konvertitin geheiratet hatte. Etwa ein Jahr später erhielt der Verfassungsschutz die ersten Informationen zu dem Extremisten, nachdem dieser versucht hatte, nach Syrien in den Dschihad zu ziehen. Einige Zeit später erreichten das BfV Tipps aus der Bevölkerung, die über das sogenannte Hinweistelefon islamistischer Terrorismus eingingen.

Als H. dann im Frühjahr im Internet Chemikalien und mehr als 1000 Samen bestellte, aus denen sich das hochgiftige Rizin gewinnen lässt, alarmierten auch US-Behörden den deutschen Nachrichtendienst. Der observierte H. daraufhin über Wochen und hörte sein Telefon ab. Schließlich schaltete das BfV die Kölner Polizei ein, die am vergangenen Dienstag zugriff. Ein Spezialeinsatzkommando stürmte die Wohnung im Stadtteil Chorweiler, in der H. mit seiner Frau und Kindern lebte.

"Ein absolutes Horrorszenario"

Die Beamten fanden wohl neben einer giftigen Rizin-Paste auch Metallstifte und Bleikugeln, die als Schrapnelle einer Bombe hätten eingesetzt werden können. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll H. an einer Splitterbombe gearbeitet haben, die zusätzlich mit dem biologischen Kampfstoff Rizin hätte versetzt werden können. "Ein absolutes Horrorszenario", sagt ein Staatsschützer.

Dabei könnte sich H. an einer Anleitung aus dem Internet orientiert haben, die die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) vor einiger Zeit verbreitet hat. In einer ersten Befragung bestritt H. nach SPIEGEL-Informationen die Vorwürfe.

Die Bundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt ermitteln gegen H. unter anderem wegen des Verdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Der Bundesgerichtshof erließ in der vergangenen Woche einen Haftbefehl.

Der IS hat nach Erkenntnissen der Nachrichtendienste in der Vergangenheit schon mit Rizin experimentiert und es in mindestens drei Fällen auch erfolgreich hergestellt. 2016 wurde der hochgiftige Stoff demnach an der irakisch-syrischen Grenze gefunden.

Nach Einschätzung der Behörden sind Anschläge mit toxischen Substanzen jederzeit auch in Deutschland möglich. "Die Verhinderung eines möglichen Anschlags ist ein Erfolg der Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden auf nationaler und internationaler Ebene", so BfV-Chef Maaßen.

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