Kölner Rizin-Fall Islamist soll sich um Aufnahme beim IS bemüht haben

Der Islamist Sief Allah H., der in Köln an einer Rizinbombe gearbeitet haben soll, hatte laut Ermittlern Kontakt zu mutmaßlichen IS-Kämpfern. Ihnen gegenüber soll er einen Treueeid abgelegt haben.

Ermittler in Köln
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Ehe er versucht haben soll, eine mit dem biologischen Kampfstoff Rizin versetzte Bombe zu bauen, hatte der Islamist Sief Allah H. offenbar vor, in den Dschihad zu ziehen. Zweimal versuchte der Tunesier laut Generalbundesanwalt, nach Syrien zu gelangen, zweimal endete die Reise bereits in der Türkei. Dann scheinen sich seine Pläne geändert zu haben.

Vom Kölner Stadtteil Chorweiler aus, wo er mit seiner Frau und mehreren Kindern in einer Sozialwohnung lebte, soll H. über soziale Medien Kontakt zur Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) gesucht und gefunden haben. Die Dschihadisten schlugen ihm demnach vor, in Deutschland aktiv zu werden. Das war nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamts im Herbst 2017. Nach SPIEGEL-Informationen wurde einer dieser möglichen Kontaktleute inzwischen in Tunesien festgenommen. Ein anderer dort gefasster Islamist soll nach Angaben der örtlichen Behörden H. versprochen haben, ihm nach seiner Tat in Deutschland mit falschen Papieren zur Flucht zu verhelfen.

Laut Generalbundesanwalt entschied sich H. im Frühjahr 2018 schließlich, eine mit Rizin präparierte Splitterbombe herzustellen und sie an einem geschlossenen und belebten Ort zu zünden. Ein konkretes Ziel hatte er allerdings bis zu seiner Festnahme im Juni noch nicht ausgesucht.

Chatpartner gaben Tipps

Im Mai soll sich H. über den verschlüsselten Messenger Telegram mit zwei bislang unbekannten Personen darüber ausgetauscht haben, wie sich Rizin gewinnen und sich zudem eine Bombe herstellen ließe. Beide Chatpartner, bei denen es sich um Kader des IS handeln könnte, unterstützten H. mit Anleitungen und praktischen Tipps. Aus den im Internet bestellten Rizinussamen entstanden schließlich 84 Milligramm des Gifts, die Kriminaltechniker bei der Durchsuchung schließlich sicherstellen konnten.

In Telegram-Chats soll Sief Allah H. zu erkennen gegeben haben, dass er sich dem IS anschließen wollte, um an der Propaganda der Organisation mitzuwirken. Er nahm nach Erkenntnissen der Ermittler in der Kommunikation auch Bezug darauf, einen entsprechenden Treueeid geleistet zu haben. Die Bundesanwaltschaft ermittelt daher inzwischen auch wegen der versuchten Mitgliedschaft in einer Terrororganisation gegen H. Zugleich haben die Strafverfolger den Haftbefehl erweitern lassen: Dem 30-Jährigen wird nun zudem die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen, bislang ging es bei ihm unter anderem um Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Die Ehefrau von Sief Allah H. verdächtigt der Generalbundesanwalt, ihrem Mann mehrfach bei der Bestellung von Materialien für eine Rizinbombe geholfen zu haben. Zudem soll sie ihn zweimal bei seinen letztlich gescheiterten Ausreiseversuchen nach Syrien unterstützt haben.

Die 42-jährige Yasmin H. gilt den Sicherheitsbehörden schon einige Zeit als Radikale. Die sechsfache Mutter soll schon in der Vergangenheit Kontakt zu Islamisten gesucht haben. Ihren jetzigen Mann, der aus Tunesien stammt, lernte sie nach eigenen Angaben über Facebook kennen, im Oktober 2015 trafen sich die beiden erstmals und heirateten umgehend. Sief Allah H. arbeitete damals als Praktikant in einem Postamt in Tunesien. Im Winter 2016 zog er zu seiner Frau nach Köln.

Inside "IS": Krieg im Namen Allahs

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