Königsteiner Schlüssel So werden Flüchtlinge auf die Bundesländer verteilt

Welches deutsche Bundesland muss wie viele Flüchtlinge aufnehmen? Darüber entscheidet der "Königsteiner Schlüssel".


Wie werden Asylsuchende in Deutschland verteilt? Sobald sich Asylsuchende nach ihrer Ankunft in Deutschland asylsuchend melden, werden sie mit Hilfe des Computersystems Easy auf die Bundesländer verteilt. Das geschieht nicht zufällig, sondern nach Quoten, jährlich neu ermittelt im sogenannten Königsteiner Schlüssel.

Grundlage der Berechnung sind Steuereinnahmen (mit Zwei-Drittel-Anteil bewertet) und Bevölkerungszahl (mit einem Drittel Anteil bewertet) der Länder. Die Fläche spielt dabei keine Rolle - auch deshalb ist in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg die Unterbringung von Flüchtlingen besonders schwierig, sie leben hier häufiger in Notunterkünften wie Turnhallen. Auch innerhalb der jeweiligen Bundesländer gibt es häufig noch einmal einen eigenen Verteilmechanismus für die Städte und Kommunen.

Für das Jahr 2016 soll die Verteilung der Asylsuchenden auf die Bundesländer nach dem Königsteiner Schlüssel wie folgt funktionieren: Nordrhein-Westfalen muss von allen Bundesländern die meisten Asylsuchenden aufnehmen, nämlich rund 21 Prozent von ihnen, Bremen am wenigsten mit einer Quote von unter einem Prozent. Die Quoten für die anderen Bundesländer finden Sie in dieser Grafik:



Besonders im September 2015, nachdem Flüchtlinge aus Ungarn mit Sonderzügen nach Deutschland kamen, geriet das Verteilsystem kurzzeitig vollkommen aus den Fugen. Aber auch danach kam es, das zeigen Daten, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, zeitweise zu Abweichungen - die sich aber meist schnell wieder austarierten: So hatte etwa Bayern seine Quote zum Stichtag 31. Dezember 2015 nicht erfüllt und 7.593 Flüchtlinge zu wenig aufgenommen. Ende Februar 2016 hingegen waren es dann nur noch 362 zu wenig. Im Falle des Freistaats kommt dessen besondere Lage hinzu: Das Land musste an seinen Grenzen besonders viele ankommende Flüchtlinge registrieren und versorgen, deshalb durfte es zum Jahreswechsel einmalig 10.000 Personen weniger aufnehmen.

Wie genau die Abweichungen vom System des Königsteiner Schlüssels in der Aufnahme waren, zeigt folgende Grafik:


Dies ist ein Auszug aus unserem ausführlichen Spezial Endlich verständlich "Fakten zur Flüchtlingskrise". Wer darf überhaupt in Deutschland bleiben? Wie funktioniert ein Asylverfahren? Antworten auf diese und alle weiteren wichtigen Fragen finden Sie dort.



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