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10. September 2018, 21:34 Uhr

AfD-Aufruf zum "Trauermarsch"

Mehrere Hundert Menschen bei Kundgebung in Köthen

Unter dem Motto "Wir trauern" hatte die AfD für Montagabend zu einer Zusammenkunft in der Stadt Köthen auf gerufen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, die Kundgebung verlief friedlich.

Nach dem Streit zwischen zwei Männergruppen und dem Tod eines Deutschen haben sich im sachsen-anhaltischen Köthen bis zu 550 Menschen an einem weiteren sogenannten Trauermarsch beteiligt. Die AfD hatte zu der Zusammenkunft unter dem Motto "Wir trauern" aufgerufen.

Nach einer Schweigeminute und einer kurzen Kundgebung auf dem Markt zogen die Teilnehmer durch die Innenstadt zu dem Spielplatz, wo sich der Streit ereignet hatte. Dort wurde ein Kranz der AfD Sachsen-Anhalt im Gedenken an einen 22 Jahre alten Deutschen niedergelegt.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot inklusive Wasserwerfer und Reiterstaffel vor Ort, sprach nach ersten Erkenntnissen aber von einem eher friedlichem Verlauf.

Nach einer kurzen Ansprache und einer Schweigeminute für den Toten versammelten sich mehrere Hundert Teilnehmer und machten sich auf den Weg Richtung Karlsplatz. Auf einem Transparent stand "Karlsplatz - Merkelsche Integrationspolitik".

Unter den Anwesenden waren auch einige, die kurz zuvor bei einer dritten Veranstaltung unweit des Marktplatzes alle Strophen des Deutschlandliedes gesungen hatten.

Bei der Demonstration am Sonntag waren in der Stadt rund 2500 Menschen zusammengekommen. Unter den Demonstranten waren nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden zwischen 400 und 500 Rechtsextreme.

Der Umzug der Rechten im Video

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler war es in der Nacht zu Sonntag an einem Spielplatz in Köthen zu einem Streit zwischen mindestens zwei afghanischen Männern und mindestens zwei Deutschen gekommen. Ein 22-jähriger Deutscher starb. Nach Behördenangaben war die Todesursache Herzversagen.

Dem Obduktionsergebnis zufolge seien seine Verletzungen nicht der Grund gewesen, sagte Landesjustizministerin Anne-Marie Keding (CDU). Auch Verletzungen, die von Tritten oder Schlägen gegen den Kopf herrührten, hätten nicht festgestellt werden können. Der Staatsanwaltschaft zufolge sind die Ermittlungen noch nicht weit genug, um Details zum Geschehen bekannt zu geben.

Im sächsischen Chemnitz hatte auf den Tag genau zwei Wochen zuvor ein ähnlicher Fall zwei Tage lang zu Spontandemos mit rechtsextremer Beteiligung und Gewaltausbrüchen geführt.

cop/dpa

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