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04. April 2016, 10:54 Uhr

Ungarns Regierungschef

Kohl will sich mit Orbán treffen

Er schätzt den ungarischen Ministerpräsidenten als "Europäer mit Herzblut": Altkanzler Kohl will sich mit Viktor Orbán treffen - und könnte die innerparteiliche Diskussion um Merkels Kurs in der Flüchtlingskrise erneut anfachen.

Altkanzler Helmut Kohl (CDU) mischt sich zu seinem 86. Geburtstag noch einmal in die Politik ein: Der einstige Mentor der europäischen Einigung will sich mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán treffen. Das sagte Kohl in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Über einen genauen Termin ist noch nichts bekannt.

Orbán ist der wohl entschiedenste Gegner Angela Merkels in der europäischen Flüchtlingskrise. Erst vor wenigen Wochen hatte dieser anlässlich des ungarischen Nationalfeiertages gegen die EU und Deutschland ausgeteilt. "Wenn wir die Völkerwanderung stoppen wollen, müssen wir vor allem Brüssel bremsen", sagte Orbán. Flüchtlinge bezeichnete er als Verbrecher.

Auch CSU-Chef Horst Seehofer hatte sich vor wenigen Wochen mit dem umstrittenen Ungar in Budapest getroffen und so für Unruhe im Merkel-Lager gesorgt. Beide sprachen sich dabei für eine Sicherung der Außengrenzen aus; Seehofer sagte im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise sei es das Wichtigste, Recht und Ordnung wieder herzustellen. Gleichzeitig versicherten beide Politiker, sie betrieben mitnichten den Sturz der Kanzlerin.

Auch Kohl verteidigte Orbán nun ausdrücklich gegen die internationale Kritik an dessen politischem Kurs, wie die "Bild" weiter schreibt. Er schätzt Orbán als "Europäer mit Herzblut". Auch sei der Altkanzler unglücklich über den aktuellen Zustand der europäischen Politik und schüttele nur den Kopf über den Konflikt zwischen CDU und CSU.

Zu den Umständen des geplanten Treffens mit Orbán äußerte sich Kohl nicht. Es ist zu vermuten, dass der ungarische Premier Kohl in dessen Privathaus in Ludwigshafen-Oggersheim besuchen wird. Dort hatte Kohl, wie er ebenfalls in dem "Bild"-Interview sagte, auch schon den kroatischen Außenminister Miro Kovac empfangen, ebenfalls ein Verfechter einer rigideren Flüchtlingspolitik.

vks/dpa

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