Eine Kolumne von Jan Fleischhauer
Wer im kommenden September bei der Bundestagswahl die SPD wählt, votiert für eine Anhebung aller möglichen Spitzensteuersätze, eine deutliche Ausweitung des Sozialstaats, die Einführung eines Mindestlohns und die Aussetzung der Rente mit 67. Als Peer Steinbrück noch selbst denken durfte, hielt der Finanzfachmann noch ganz andere Dinge für notwendig.
Das nennt man dann wohl politische Selbstzüchtigung.
Aber sehen Sie selbst - eine Erinnerung an das Original in zwölf Zitaten, die das Zeug zum ewigen Kalenderspruch haben:
Januar
"Man darf die Starken in ihrer Leistungswilligkeit nicht so provozieren und so verprellen, dass sie den Solidarvertrag aufkündigen."
2011, auf ntv
Februar
"Die SPD muss auch auf die Interessen jener achten, die jeden Tag arbeiten gehen und das erwirtschaften, was verteilt werden kann."
2010, "Handelsblatt"
März
"Ich bin für die Rente mit 67, schlicht, weil es anders nicht geht. Die Demografielässt sich nicht überlisten."
2011, "Deutsche Handwerks Zeitung"
April
"Im übrigen bin ich skeptisch, was die Einführung eines gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlohns angeht. Ich sehe einfach nicht, wie der funktionieren soll."
2006, "Bild am Sonntag"
Mai
"Wir ziehen eine Flunsch wegen der Popularität der Kanzlerin. Wir klagen darüber, dass die Globalisierunguns erwischt, obwohl Deutschland davon profitiert. Wir heulen, weil wir Reformpolitik machen müssen. Wir heulen ein bisschen über Hartz IV und über die Agenda 2010. Da sagen die Menschen: Wenn die sich nicht vertrauen, warum soll ich ihnen vertrauen?"
2007, "Frankfurter Rundschau"
Juni
"25 Prozent Steuern auf einen Betrag von x sind besser als 42 Prozent auf gar nix."
2006, "Berliner Zeitung"
Juli
"Die Vorstellung aus der Sicht der SPD, sie würde Eindruck machen bei den Wählern durch ein Herumkritteln an der Kanzlerin, ist ein Irrtum."
2007, "Frankfurter Rundschau"
August
"Zurück zum Mythos der zu geringen Besteuerung der 'Reichen'. Auch er verliert seine Ausstrahlung durch trockene Statistik. Das oberste Einkommensfünftel leistet 68 Prozent aller Steuerzahlungen. Die unteren 50 Prozent aller Einkommensteuerpflichtigen tragen hingegen gerade einmal 6,5 Prozent und die untersten 20 Prozent lediglich 0,1 Prozent zum Steueraufkommen bei. Soll man das einen verteilungspolitischen Skandal nennen?"
2010, "Unterm Strich"
September
"Die Leute werden denken, was für ein Scheißtyp. Aber der steht wenigstens zu dem, was er für richtig hält."
2006, "Die Zeit"
Oktober
"Ich habe doch keine Lust, bis 70 in dieser Mühle zu stecken. Um Himmels willen, es gibt noch so viele Dinge außerhalb der Politik."
2008, "Park Avenue"
November
"Heute wäre die Werbung für eine Große Koalition keine Regelverletzung und könnte sich einer wärmeren Begrüßung gewiss sein. Hochverrat sei eine Frage des Datums, soll der französische Außenminister Talleyrand auf dem Wiener Kongress 1815 gesagt haben. Darin kannte er sich aus."
2010, "Unterm Strich"
Dezember
"Soziale Gerechtigkeit muss künftig heißen, eine Politik für jene zu machen, die etwas für die Zukunft unseres Landes tun, die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitsplätze schaffen, kurzum, die Leistung für sich und die Gesellschaft erbringen. Um die - und nur um sie - muss sich Politik kümmern."
2003, "Die Zeit"
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