Koma-Trinken Drogenbeauftragte fordert Anti-Sauf-Unterricht

Die Zahlen sind dramatisch: Mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche landen jährlich nach Alkoholexzessen im Krankenhaus. Nun will die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, mittels Schulunterricht gegen das Koma-Saufen vorgehen. Ihr Vorbild ist England.


Berlin - Es ist eine regelrechte Mode unter Jugendlichen geworden: das Koma-Trinken. Zehntausende junge Bundesbürger greifen regelmäßig zur Flasche - und es werden jährlich mehr. Dagegen will die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, nun mit Schulunterricht vorgehen. Sie schlägt flächendeckende Stunden für gesundes Leben vor. "Wir können so etwas beginnen in den Schulen", sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag in Berlin. "Ziel wäre es, dass alle Kinder in den Genuss der Präventionsarbeit kommen."

Ein Glas Whiskey an der Bar: Die Drogenbeauftragte Bätzing will Unterricht gegen Alkohol
DPA

Ein Glas Whiskey an der Bar: Die Drogenbeauftragte Bätzing will Unterricht gegen Alkohol

Angesichts der dramatischen Zahlen zum Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen sagte die SPD-Politikerin: "In der neunten Klasse im Biounterricht über Alkohol zu sprechen, ist eindeutig zu spät." Die Prävention müsse schon in der Grundschule beginnen und sich "wie ein roter Faden" durch die Ausbildung ziehen.

"Wir können uns in dieser Frage auch an Großbritannien orientieren", sagte Bätzing in Berlin. Dort werde in einem speziellen Fach "Lebenskompetenz" vermittelt, nicht nur in Sachen Alkoholkonsum, sondern auch bei Ernährung und bei sozialen Problemen. Jugendliche trinken laut Bätzing nicht zuletzt wegen der Preise weniger in Gaststätten oder Discotheken - sie beschaffen sich den Alkohol vorab und trinken ihn zum Beispiel vor dem Discobesuch zu Hause.

Der Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen hat laut Bätzing "dramatische Ausmaße" angenommen. Ein Fünftel der 12- bis 17-Jährigen praktiziert nach bereits im Frühjahr veröffentlichten Zahlen "exzessives Rauschtrinken". Bätzing zufolge ist der Alkoholkonsum von Jugendlichen in den Jahren 2000 bis 2007 um 143 Prozent gestiegen. Zuletzt kamen mehr als 23.000 Kinder und Jugendliche nach Koma-Besäufnissen ins Krankenhaus - ein trauriger Rekord.

Erst Anfang Juli war ein Berliner Wirt wegen Körperverletzung zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil er einem 16-Jährigen mehr als 45 Tequilas verabreicht hatte. Der Junge war ins Koma gefallen und später gestorben.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund unterstützte die Forderung nach einem Schulfach für mehr Lebenskompetenz und Alkoholvorbeugung. "Wenn die Elternhäuser das offenbar nicht mehr leisten können, muss der Staat das teilweise übernehmen", sagte Geschäftsführer Gerd Landsberg.

Massiv griff Landsberg die Krankenkassen an. Sie gäben nur 18 Cent pro Jahr und Versicherten für Alkoholprävention aus - viel zu wenig, wie er meint. Bätzing und Landsberg sprachen sich für mehr Kooperation im Kampf gegen das Koma-Saufen aus. Notwendig sei in den Kommunen eine Zusammenarbeit aller Akteure von der Verwaltung bis zu Vereinen, Schulen, Kindergärten, Jugendgruppen, dem Einzelhandel und Gaststätten, erklärten Bätzing und Landsberg am Donnerstag in Berlin.

ler/dpa



Forum - Komasaufen - was muss getan werden?
insgesamt 824 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Adran, 11.04.2009
1.
Zitat von sysopImmer mehr Kinder und Jugendliche betrinken sich maßlos. Brauchen wir strengere Kontrollen beim Verkauf von Alkohol? Oder sind die Eltern in der Pflicht?
Ähm.. Die Kinder machen das einzig richtige.. Sich dieses Land schön saufen. Das es so verrückt ist, dass man sich ins Koma saufen muss, dafür können die Kinder nichts..
Mars05 11.04.2009
2.
Was fehlt sind Aufklärungskampagnen. Raucher werden in der Schule mittlerweile belächelt und die meisten Mädchen wünschen sich einen Nichtraucher als Freund. Das war vor einigen Jahren anders. Alkohol finde ich persönlich weitaus schlimmer als das Rauchen, da es die kognitiven, sensorischen und motorischen Leistungen heftigst beeinflusst. Als solches ist es außerdem schwieriger, sämtliche alkoholbedingte Opfer in Statistiken aufzuführen (gehören Gewalttaten nach Sauforgien dazu? Was ist mit Leberkarzinomen? Autounfällen nach Alkohol am Steuer? Häusliche Gewalt?). Verbote sind sinnlos, da sie nicht eingehalten werden. Aufklärungskampagnen sind weitaus effektiver.
Gertrud Stamm-Holz 11.04.2009
3.
Zitat von sysopImmer mehr Kinder und Jugendliche betrinken sich maßlos. Brauchen wir strengere Kontrollen beim Verkauf von Alkohol? Oder sind die Eltern in der Pflicht?
Aber ich bitte Sie, die Eltern in der Pflicht. Wer verlangt denn sowas? Da saufen sich ein paar Zwölfjährige unter den Tisch und die Eltern sollen dafür verantwortlich sein? Niemals. Kinder kriegen gefälligst nirgends Alkohol zu kaufen. Das hilft allerdings nicht beim bestehenden Kontingent in heimatlichen Gemäuern. Wenn hier die Eltern keine Klarheiten schaffen "ein Schluck Erdbeersekt zu Silvester und Schluss ist", dann hilft alles andere auch nicht. Der Exzess im Alkohol ist nur Ausdruck eines lebenslangen erzieherischen Nichterfolges. Falls Erziehung im eigentlichen Sinn überhaupt jemals stattgefunden hat. Die Kassierin im Supermarkt wird das aber mit Sicherheit richten.
bonjour tristesse 11.04.2009
4. kontrollen
Ich bin gegen Kontrollen. Man sollte die medizinische Behandlung selber zahlen müssen. Volljährige aus der eigenen Tasche und Eltern für ihre Kids. Im generellen sollten auch Brüche, Verletzungen +Alk im Blut zu Eigenbeteilgung führen... und plötlich muss man selbst die finazielle Verantwortung übernehmen, was bis jetzt die Allgemeinheit zu tragen hatte... Man kann ja Promillgrenzen festlegen. ab 2,0 zahlt man z.b. voll.
Fensterladen 11.04.2009
5. Natürlich sind die Eltern in der Pflicht! Wofür erhalten die eigentlich
Zitat von sysopImmer mehr Kinder und Jugendliche betrinken sich maßlos. Brauchen wir strengere Kontrollen beim Verkauf von Alkohol? Oder sind die Eltern in der Pflicht?
Kindergeld etc? Fürs ERZIEHREN anscheinend nicht! Solche REttungswageneinsätze (wieviel kostet so ein einziger Einsatz eigentlich? Ich meine da einen 4-stelligen(!) Betrag im Gedächtnis zu haben!) sowie Behandlungkosten sollten NICHT die Beitragszahler der Krankenversicheurngen tragen müssen, sondern die Eltern, die ihre Erziehungs- und Aufsichtspflicht verletzt haben! Vielleicht fällt einigen Eltern ja dann sogar wieder ein, was die meisten inzwischen vergessen zu haben scheinen: Dass sie VERANTWORTLICH für die Erziehung ihrer Kinder sind! Wer sich dazu nicht in der Lage sieht, sollte eben keine bekommen! Ein wenig finanzieller Schmerz koennte da durchaus hilfreich sein...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.