Nach der Petry-Wahl Die AfD, eine deutsche Parallelwelt

Die AfD hat sich mit Frauke Petry eine neue Vorsitzende gewählt. Sie führt die Partei weiter nach rechts - in eine Welt, in der sich Eurokritik mit Wut auf Amerika und Ablehnung von Muslimen mischt.

Petry und Lucke: Sie erkannte seine Schwächen
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Petry und Lucke: Sie erkannte seine Schwächen

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Ihre Wahl, hat Frauke Petry in Essen gesagt, sei "kein Sieg der Konservativen". Doch, genau das ist es. Die Gemäßigten in der AfD, die einst aus Sorge um die Europolitik in die Partei gingen, haben ausgespielt. Ob der gedemütigte Bernd Lucke und seine Getreuen bleiben, wird sich erst noch zeigen. Ihre Niederlage war deutlich.

Die Mehrheit der AfD-Mitglieder hat sich in Essen entschieden: Mit Petry an der Spitze wird die Partei weiter nach rechts gerückt. Da mag ihr ebenfalls gewählter Co-Vorsitzender Jörg Meuthen, Professor für Volkswirtschaft, ein gemäßigter Vertreter sein - aber kaum mehr als ein Feigenblatt.

Die starke Frau aus Sachsen hat keinen Zweifel an ihrem Kurs gelassen. Sie verteidigte ihre Kontakte zu den Islamfeinden von Pegida - man müsse von dort nicht alles übernehmen, aber es seien jene Bürger, für die die AfD "primär" Politik machen wolle. Was das konkret heißt, war in der Grugahalle zu sehen und zu hören: Hass und Aggressionen schlugen Bernd Lucke entgegen. Vielleicht wurde dem AfD-Mitbegründer und beurlaubten Wirtschaftsprofessor erst da so richtig bewusst, was sein einst begonnener Flirt mit rechten Themen an Mitgliedern in die Partei gespült hat.

Video: Abwahl von Bernd Lucke - "Er war den Tränen nahe"

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Rechts verortet war die AfD bereits unter Lucke. Aber Essen zeigte, wie dumpf es im tiefen Kern der AfD wirklich zugeht: Den größten Jubel erhielt Petry mit einem pauschalen Angriff auf den Islam, und es gab ohrenbetäubende Widerrufe, als Lucke vor einer Ausgrenzung deutscher Muslime warnte.

Petry erkannte Luckes Schwächen

Petry ist klug. Sie hat gesehen, wie sich Lucke in der AfD durch seinen Umgang mit Getreuen und taktische Fehler immer mehr isolierte. Sie hat seine Schwächen erkannt und hart gespielt, jetzt muss sie auch die Verantwortung für die Ausrichtung der Partei tragen. Mehr noch als Lucke hat sie erkannt, wen die AfD repräsentiert: Es waren in Essen überwiegend ältere Männer (das Publikum 60 plus stellte unter den 3400 Mitgliedern eine deutliche Mehrheit). Unter denen sind viele, denen nicht nur der Euro, sondern irgendwie die ganze Richtung in dieser Republik nicht passt.

Es ist ein wildes Weltbild, das sich da offenbart: Angst vor Muslimen, vor der angeblichen Allmacht der USA, vor der Homo-Ehe, vor dem Aussterben der (weißen, christlichen) Deutschen. In der AfD hat sich längst eine deutsche Parallelwelt formiert. Dieser ganz eigene Kosmos, ähnlich dem von Internetforen, hat sich weitgehend immunisiert gegenüber einer sich rasant wandelnden Gesellschaft.

Ist die Partei unter Petry, wie andere Rechtsausleger zuvor, auf dem Weg ins sichere Aus? Zweifel sind angebracht. Bislang zeigten sich die AfD-Anhänger (nicht nur frühere CDU- und FDP-Wähler, sondern im Osten auch vormalige Anhänger von SPD und Linke) vom Streit an der Spitze unbeeindruckt. Die Wut "auf die da oben", auf die "Lügenpresse" und vieles mehr war bislang eine starke Triebkraft, um die AfD ins Europaparlament und in fünf Landtage zu hieven. Die künftigen Umfragen, aber vor allem die Landtagswahlen 2016 werden zeigen, ob dieses Milieu groß genug ist, um auch der Petry-AfD zu folgen.

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Jeannette Corbeau
Severin Weiland, Jahrgang 1963, ist Politikredakteur und Politischer Korrespondent im Berliner Büro von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Severin_Weiland@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
eternalchii 05.07.2015
1.
Noch eine NPD? Die braucht niemand.
Morrison 05.07.2015
2. Parallelwelten
Na ja! Parallelwelten findet man heutzutage ja in jeder Partei. Da macht die AFD halt keine Ausnahme! Und das mit dem Ängste schüren ist auch nicht neu! Die CDU hat in Deutschland zB Angst vor Tsunamis und schaltet vorsichtshalber schon mal unsere Kernkraftwerke ab! Die SPD hat Angst vor Paternostern! Und die Grünen haben eigentlich Angst vor allem! Vor dem Waldsterben, vor Feinstaub, vor dem Ozonloch, vor zu vielen Männern in Führungspositionen, vor dem angeblichen Klimawandel, vor Fleischessern, vor dem Nato-Doppelbeschluß u.v.a.m. Man sich also nur, dass die AFD in der deutschen Parteienlandschaft angekommen ist! Nicht mehr und nicht weniger...
infonetz 05.07.2015
3.
in eine Welt, in der sich Eurokritik mit Wut auf Amerika und Ablehnung von Muslimen mischt. JA und! Darf man nicht anderer Meinung sein? Ist man wenn man gegen den Euro ist ein RECHTER? Ist man wenn man die USA Kritisiert und wütent auf deren Abhören ist ein RECHTER? Ist man wenn man gegen Muslime ist ein RECHTER? NEIN Warum stellt man die AfD in die RECHTE ECKE wenn aus der CDU SPD und doer CSU gleiche Töne kommen? Sind diese dann auch RECHTS? "Die multikulturelle Gesellschaft ist grandios gescheitert." A. Merkel CDU "Wer unser Gastrecht missbraucht, für den gibt es nur eins: Raus, und zwar schnell." G. Schröder SPD "Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren - bis zur letzten Patrone" H. Seehofer CSU Würden diese Sprüche (Propaganda) jetzt aus der AfD kommen was würde man für einen Aufschrei hören.
tomkey 05.07.2015
4.
Wenn ich hier in verschiedenen Foren von ostdeutschen Zeitungen, bspw. der Thüringer Allgemeinen oder Ostthüringer Zeitung, die Beiträge der ganzen Wut- und Frustbürger lese, dann ist man hier der vollen Überzeugung, dass jetzt los geht und der Spuk mit dem "liberalen Scheiß " eines Herrn Lucke zu Ende ist. Die Deppen meinen wirklich, dass alle Nichtwähler nun die AfD wählen und der Islam aus Deutschland entfernt werden muss. Besonders im Osten macht sich ein krudes Gebräu aus Islamhassern, Rassisten, Homophoben und Ultranationalen breit. Insofern wird die AfD nicht nur weit rechts sein, sie wird/ist die neue NPD.
ich_bin_der_martin 05.07.2015
5. Neo-NPD...
Die politische Klasse schafft sich ein Ventil. Während vorneherum die NPD mit untauglichen jedoch Schlagzeilen produzierenden Mitteln "verboten" werden soll, wird hinten-untenherum eine modernisierte Fassung davon ettabliert. Man könnte meinen das wäre alles aus Versehen und zufällig geschehen. Es ist aber (für die Neo-Nazis) zu genial um dem Zufall zugeschrieben werden zu können. Hoffentlich schießen sie über das Ziel hinaus. Denn sonst haben wir eine hardcore-csu Bundesweit... Reich dem Seehofer doch mal schnell nen Brechbeutel...
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