Kommentar: Beleidigter Oskar

Von Stefan Berg

Das war's: Oskar Lafontaine ist mit seinem Versuch, die Linkspartei zurückzuerobern, endgültig gescheitert. Damit ist das Projekt einer gesamtdeutschen Linken tot - der Saarländer hinterlässt eine ratlose Partei mit einer erledigten Führung.

Parteivorsitz der Linkspartei: Lafontaine zieht Kandidatur zurück Fotos
dapd

Was hatte er gebettelt, gebeten zu werden. Oskar Lafontaine wollte noch einmal richtig gewollt sein. Eine umjubelte Rede, ein furioses Ergebnis auf dem Parteitag der Linken, ein Wahlerfolg 2013 und dann die Übergabe an die Lebensgefährtin. Ach ja, und dann ins Geschichtsbuch.

So und nicht anders sollte sein letzter großer Auftritt aussehen. Altmännerphantasien halt.

Ein politisches Schwergewicht verlässt beleidigt die Politik-Arena. Ein paar Ostdeutsche haben ihn aus der Bahn geworfen, haben sich nicht verneigt und verbeugt. Sie wollten zeigen, dass sie nicht mehr die SED sind. Die Botschaft ist angekommen.

Für den politischen Lebensweg Lafontaines ist das durchaus eine kuriose Pointe. Er, der eine schnelle deutsche Wiedervereinigung ablehnte, der 1990 schon ein "Viertes Reich" kommen sah, wird nun von Ossis in sein kleines Saarländchen geschickt, in dem er weiter gegen sein Vergessen rumpeln und pumpeln kann. Die politische Klasse kann sich beim Ost-Linken Dietmar Bartsch bedanken. Er hat einen penetranten Besserwisser vom Feld gestellt.

Was aus dem Spielzeug wird, das der Saarländer nun nicht mehr mag, ist ungewiss. Nach der Pleite in NRW und Lafontaines Ausstieg ist das Projekt "Gesamtdeutsche Linke" tot. Der Rückzug in die ostdeutschen Reservate ist am wahrscheinlichsten. In Brandenburg oder Thüringen werden weiter zwei sozialdemokratische Parteien miteinander konkurrieren und regieren - und womöglich irgendwann fusionieren.

Ob die Linke aber als Bundespartei überleben wird? Ob sie es in den nächsten Bundestag schafft? Zweifel sind angebracht, denn in Wahrheit ist die gesamte Führung der Partei erledigt, Gregor Gysi inklusive. Nicht auszuschließen, dass der Fraktionschef als Nächster hinwirft.

Ein zweites Mal in seinem Leben hinterlässt Oskar Lafontaine eine Partei weitgehend ratlos. Die SPD brauchte Jahre für die Genesung, die Linke hat diese Zeit nicht.

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insgesamt 73 Beiträge
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1. 1²³
cp³ 22.05.2012
Zitat von sysopDas war's: Oskar Lafontaine ist mit seinem Versuch, die Linkspartei zurückzuerobern, endgültig gescheitert. Damit ist das Projekt einer gesamtdeutschen Linken tot - der Saarländer hinterlässt einen Trümmerhaufen. Kommentar: Lafontaine verzichtet auf Kandidatur für Linken-Vorsitz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,834585,00.html)
KfW-Pleitier-Gehaltsempfänger Linder hochschreiben, die Linke kaputt schreiben. Alles klar, weiter so - Springer & Bertelsmann.
2. Mal was Inhaltliches?
Guillermo Emmark 22.05.2012
Ob die Linke gsamtdeutsch eine Chance hat, hängt weniger von Oskar Lafontaine und seinen Eitelkeiten ab, als von der Frage, ob diese Partei langfristig irgendwelche linken Perspektiven entwickeln und vermitteln kann, die über die Hartz-IV-Interessenvertretung und den Abzug aus Afghanistan hinausreichen.
3. Wein, Weib und Abgesang
o5alive 22.05.2012
mir entfährt ein Stoßseufzer der Erleichterung. Der Napoleon von der Saar, der gerne Wasser predigte und in der schicken Villa residierte, wird die Welt nicht mehr mit einfachen Wahrheiten beglücken. Unvergessen der Spruch: Die deutsche Wirtschaft, sagte er, gleiche einem Motor, an dem viele Experten rumfummeln, Experten für Zündkerzen, Experten für Vergaser. Aber keiner außer ihm habe begriffen, dass der Motor Benzin brauche, um zu laufen - also Geld, viel Geld - and Lafo als Tankwart. Lafo konnte mitreißend reden, unbestritten, und jetzt kommt die Zeit der Langeweiler. Aber mir sind Langeweiler, die mit Argumenten überzeugen müssen, allemal lieber.
4. So ein Unfug
pablo1 22.05.2012
ich bim kein Sympathisant von Oskar Lafontaine. Aber in diesem Kommentar wird wieder einmal die alte Journalisten-Denkschablone vom alternden Politiker und seiner angeblich verletzten Eitelkeit herunter genudelt. Wenn man den Weg von Lafontaine verfolgt hat, kann diese Entscheidung doch nicht überraschen. Er ist der Typ Mensch, der eben nicht alles mitmacht und sich nicht um jeden Preis verbiegt, so auch dieses Mal. Und damit sollte man es einfach belassen und auch respektieren.
5. Es ist wirklich
eisbaerchen 22.05.2012
ein Trauerspiel. Die Linken haben wirklich fähige Leute in der Basis die sich um Dinge kümmern die mich wirklich betreffen (und hier geht es nicht um die untere Skala der Lohnempfänger, um mal konkret ein Beispiel zu nennen worüber die sich Gedanken machen: die prekären befristeten Beschäftigungsverhältnisse in der Wissenschaft in Deutschland die für viele Akademiker Altersarmut bedeuten, Anfrage der Linken im Bundestag, bisher von keiner anderen Partei aufgegriffen...!). Aber so wie die sich darstellen in der Führungsetage sind die einfach nicht wählbar, leider, sehr schade, und das sage ich als langjähriges SPD Parteimitglied der mit seiner Partei seit Gerhard Schröder nichts mehr anzufangen weiss).
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