Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Landtagswahl in Bayern: Schwarz-Gelb wackelt

Ein Kommentar von

DPA

Die Pleite der FDP in Bayern zeigt: In der letzten Woche vor der Bundestagswahl wird sich alles auf die Frage zuspitzen, ob die Wähler eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition wollen. Auf Hilfe von Angela Merkel können die Liberalen nicht hoffen.

Zunächst einmal: Diese Wahl kennt einen eindeutigen Sieger. Und der heißt Horst Seehofer. Dass er es geschafft hat, für seine CSU wieder die Alleinregierung in Bayern zu sichern, ist ein fulminanter Erfolg, den er mit viel Durchhaltevermögen, Schlitzohrigkeit und einer gehörigen Portion Populismus erreicht hat. Natürlich wird er jetzt auf Bundesebene den dicken Max machen. Aber ganz ehrlich: Ist das neu?

Auf der anderen Seite kennt diese Wahl einen eindeutigen Verlierer: Das ist die FDP. Die Liberalen sind seit fünf Jahren in Bayern an der Regierung und schaffen es nicht einmal über die Fünfprozenthürde. Erbärmlich. Eine Woche vor der Bundestagswahl beginnt für Philipp Rösler und die Seinen der politische Überlebenskampf. Wieder einmal. Wenigstens in dieser Hinsicht ist auf die Liberalen Verlass.

Es zeigt sich: Mit einer schwächelnden FDP kann es eng werden für Schwarz-Gelb am 22. September. In den letzten Tagen vor der Wahl werden wir ein großes politisches Theater erleben. Wie ein Ertrinkender wird die FDP gurgelnd und röchelnd die Gutmütigen unter den bürgerlichen Wählern um Hilfe rufen - es wird ein großen Flehen um jede Zweitstimme einsetzen.

Philipp Rösler wird - wie schon Sonntagabend unmittelbar nach der Bayern-Wahl - vor dem Untergang des Abendlandes warnen (mindestens!), sollte die FDP nicht über die Fünfprozenthürde kommen. Und der rührige FDP-Generalsekretär Patrick Döring, im Privatberuf Experte für Haustierversicherungen, dürfte den Deutschen die FDP als einzigen Vollkaskoschutz gegen die Unbill einer plötzlich hereinbrechenden Großen Koalition anpreisen. Alles natürlich verständlich. Denn wer fliegt schon gerne aus der Regierung? Klar.

Fotostrecke

6  Bilder
Leihstimmen: Merkel denkt zuerst an sich
Auf der anderen Seite wird die SPD ihre Chance nutzen und die FDP als Hauptgegner bearbeiten. Das Publikum darf sich schon jetzt freuen, auf eine Wiederaufführung der alten roten Gassenhauer über die Liberalen. Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel singen wahlweise das Lied von der "Kalten Pranke des Kapitalismus". Oder den Linken-Hit von der "Lobbyistentruppe ohne Gewissen und Ehre".

Kurzum, der Wahlkampf erfährt die Zuspitzung auf eine einzige Frage: Wollen die Deutschen noch einmal vier Jahre von Schwarz-Gelb regiert werden - ja oder nein?

Dieses Szenario war absehbar, seit feststand, dass die bayerische Wahl eine Woche vor der Bundestagswahl stattfinden würde. Die FDP kalkuliert wieder einmal, dass am Ende schon alles gutgehen wird mit Schwarz-Gelb. Dank reichlich Leihstimmen von der Union und Dank einer starken Kanzlerin.

Nur: Mit der Zuspitzung ist das so eine Sache. Das kann klappen. Doch es gibt eben auch Gefahren. So mancher bürgerliche Wähler wird sich nun die Frage stellen, was die FDP in den vergangenen vier Jahren in der Koalition eigentlich geleistet hat. Und selbst bei gutem Willen fällt einem da nicht viel ein außer Mövenpick und gebrochenen Steuerversprechen.

Überlebenskampf hin oder her: Es bleibt eine bittere Wahrheit, die FDP ist der größte Schwachpunkt dieser Koalition. Sie erscheint unscharf, ausgezehrt: programmatisch und personell. Daran dürfte sich manch einer nun erinnern.

Die FDP hat noch eine Woche Zeit zu erklären, wofür sie eigentlich gebraucht wird. Auf Hilfe von Angela Merkel können die Liberalen nicht hoffen, sie denkt klugerweise erst mal nur an sich. Denn Frau Merkel weiß zu genau: Schafft die FDP die Wende nicht, ist der Trend für die Bundestagswahl nach diesem bayerischen Abend klar. Er zeigt in Richtung Große Koalition. In dieser Lage wird sie nichts verleihen. Das Pfandhaus Merkel bleibt für den Problemfall FDP geschlossen.

Wahlergebnisse

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 328 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ROT-ROT-GRÜN verhindern
Immanuel Kraus 15.09.2013
ROT-ROT-GRÜN nicht vorstellbar? Einfach mal "R2G" googlen. So lautet der Plan. Hannelore Kraft, linkstolerierte und starke Frau der SPD, am 15.7.2013 im Spiegel-Interview auf die Frage nach ROT-ROT-GRÜN: "Ich halte nichts von Ausschließeritis" Also: Zweitstimme für die FDP
2. optional
guteronkel 15.09.2013
Als einziges positives Ergebnis aus der Bayern-Wahl kann man feststellen, dass die FDP rausgeschiss.. wurde. Jetzt das Selbe gleich nochmal im Bund, und die Welt sieht schon ein kleines Stück schöner aus.
3. Große Koalition
jan07 15.09.2013
Schwarz-Gelb mag wackeln, aber Rot-Grün ist dadurch keinen Deut wahrscheinlicher geworden. Mag sein, dass die FDP raus- und die AfD reinkommt. Der schlechteste Tausch wäre das nicht. Frau Merkel kann sich derweil auf die Große Koalition einstellen - und Herr Steinbrück auf seinen wohlverdienten Ruhestand.
4. Die Pleite der FDP
cccatch 15.09.2013
Zitat von sysopDPADie Pleite der FDP in Bayern zeigt: In der letzten Woche vor der Bundestagswahl wird sich alles auf die Frage zuspitzen, ob die Wähler eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition wollen. Auf Hilfe von Angela Merkel können die Liberalen nicht hoffen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kommentar-zur-bayern-wahl-es-wird-eng-fuer-schwarz-gelb-a-922370.html
Die Pleite der FDP ist vom Wahlvolk so gewollt und historisch auch richtig so . Wir wählen Mutti nächste Woche , ich zum ersten mal in meinem Leben . Ich möchte , dass die CDU / CSU 4 Jahre mal allein regiert , ohne Entschuldigungen für andere , nur so werden wir alle sehen , was wirklich hinter Mutti und der CDU / CSU steckt . Matthias
5. Schwarz-Gelb?
panzerknacker51, 15.09.2013
Zitat von sysopDPADie Pleite der FDP in Bayern zeigt: In der letzten Woche vor der Bundestagswahl wird sich alles auf die Frage zuspitzen, ob die Wähler eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition wollen. Auf Hilfe von Angela Merkel können die Liberalen nicht hoffen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kommentar-zur-bayern-wahl-es-wird-eng-fuer-schwarz-gelb-a-922370.html
Wer hat denn das noch auf der Agenda? Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün sind die Alternativen; alles andere ist Kokolores.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Wahl in Bayern: Triumph für Seehofer


Fotostrecke
Wahl in Bayern: Triumph für Seehofer


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: