SPD Hallo Leute, aufwachen!

Was ist nur mit den Genossen los? Statt endlich den Kampf mit Angela Merkel aufzunehmen, beschäftigen sie sich lieber mit sich selbst. Sektierer führen das große Wort. Dabei ist ein SPD-Erfolg bei der Bundestagswahl möglich. Peer Steinbrück weist den richtigen Weg.

SPD-Troika Steinbrück, Gabriel, Steinmeier: Die SPD könnte es schaffen
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SPD-Troika Steinbrück, Gabriel, Steinmeier: Die SPD könnte es schaffen

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Peer Steinbrück will die Deutsche Bank zerschlagen. Da kann man nur sagen: Gute Idee. Peer Steinbrück will einen europäischen Bankenrettungsfonds einführen, damit die Banken und ihre Eigentümer für ihre Zockereien selbst bezahlen müssen. Richtig so. Und Peer Steinbrück will den Hochfrequenzhandel verbieten. Bravo. Applaus.

Bis vor kurzem hat derselbe Steinbrück noch für Vorträge bei Bankern hohe Honorare kassiert. Das kann ja dann wohl nur als erste subversive Aktion gedacht gewesen sein. Oder wie? Ach ja, und wer hat eigentlich die Finanzmärkte in Deutschland dereguliert? Zufällig waren das auch Steinbrücks Genossen. Aber geschenkt. Viel wichtiger ist: Einige in der SPD haben endlich wieder einmal eine Idee, ein Thema zum Angriff.

Bekanntlich ist zu befürchten, dass der nächste Bundestagswahlkampf wieder vom Merkelschen Mehltau bedeckt werden könnte. Es droht eine Wahlkampf-Farce: langweilig, blutleer, nichts also für Leute, die Politik als leidenschaftliches Ringen um klare Alternativen verstehen. Dank Steinbrück darf wieder gehofft werden. Es könnte doch noch ein echter Wahlkampf werden, mit unterscheidbaren Lagern, mit einer klaren Wahl also für die Bürger. Auf der einen Seite: die grimmige SPD, die gegen das Großkapital zu Felde zieht, auf der anderen Seite die schwarz-gelbe Koalition als entschlossene Hüterin von freier Wirtschaft und freiem Kapitalverkehr. So muss es sein in der Demokratie.

Schwupp, und schon ist ein Genosse Kanzler

In einem Bundestag mit vier, fünf oder sogar sechs Parteien ist alles möglich. Die SPD muss gar nicht unbedingt stärker als Merkels Union werden. Womöglich reicht es für sie am Ende sogar zur Regierungsbildung, wenn sie eine Ampelkoalition mit der FDP eingeht. Schwupp, und schon ist ein Genosse Kanzler.

Die SPD könnte also gewinnen. Mit Steinbrück oder Frank-Walter Steinmeier. Aber will sie es auch? Warum bekommen in der SPD immer die Sektierer so viel Raum?

Kennt jemand Klaus Barthel? Das ist einer jener Genossen vom linken SPD-Flügel, die glauben, sie könnten den Deutschen trotz einer rapide alternden Gesellschaft für ewige Zeiten das Rentenparadies versprechen. Damit quälen Barthel und Co. seit Wochen die Parteiführung - wider jede Vernunft. Dieser Klaus Barthel hat in seinem Leben noch nie sein Bundestagsmandat direkt gewonnen. Bei der letzten Wahl 2009 kam er gerade einmal auf schlappe 15,8 Prozent der Erststimmen. Und der soll jetzt den Kurs der SPD bestimmen. Lachhaft.

Die Kandidaten schauen zu

Oder: Warum schafft es diese Partei nicht, ohne Blessuren und kleinliches Hickhack einen Kandidaten zu benennen? Die Genossen sind eigentlich in einer komfortablen Situation. Sie haben zwei mehr oder weniger passable Kanzlerkandidaten-Kandidaten: Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier sind erfahrene Politiker. Einer ist so gut wie der andere. Man muss sich nur endlich einmal entscheiden, wen man will. Stattdessen wird taktiert. Büchsenspanner verbreiten im Hintergrund Gerüchte, wann wer ausgerufen wird. Die Kandidaten schauen zu. So werden beide beschädigt.

Manchmal erinnert die SPD an einen alten Boxer nach vielen Kämpfen. Sie kann eigentlich aufstehen. Aber sie verkriecht sich depressiv in einem dunklen Loch und grübelt über ihr Leben nach. Da kann man nur sagen: Hallo Leute, aufwachen!

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insgesamt 157 Beiträge
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Seite 1
ADie 25.09.2012
1. Steinbrück oder Merkel
Was ist der Unterschied?
tea-rex 25.09.2012
2. oops
Ich dachte Klartext sei eine tote Sprache.
sabaro4711 25.09.2012
3. nix Titel
Zitat von sysopDPAWas ist nur mit den Genossen los? Statt endlich den Kampf mit Angela Merkel aufzunehmen, beschäftigen sie sich lieber mit sich selbst. Sektierer führen das große Wort. Dabei ist ein SPD-Erfolg bei der Bundestagswahl möglich. Bankenschreck Steinbrück weist den richtigen Weg. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kommentar-zur-lage-in-der-spd-und-zu-peer-steinbrueck-a-857822.html
Wieso Kampf? Welchen...gegen Mutti? Wollen sie doch gar nicht. Da sie sich sicher sind, eh nicht die Mehrheit zu gewinnen haben sie sich doch schon längst mit der GroKo abgefunden als williger Juniorpartner. Hauptsache an die Fleichtröge, und je weniger Energie dazu nötig ist, umso besser. Das Hauen und Stechen kommt danach wenn partei-intern um die Ministerposten geschachert wird.
bartholomew_simpson 25.09.2012
4. Werte Genossen!
So wird das nichts.
stanislaus2 25.09.2012
5. Kann sein
"Dabei ist ein SPD-Erfolg bei der Bundestagswahl möglich." Dem Stimmvieh wird wieder ein neues Scheunentor vorgehalten.
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