Steinbrück-Kür: Ein bisschen Aufbruch

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Nach Pleiten, Pech und Pannen versuchen Peer Steinbrück und die SPD in Hannover den Neustart. Dank einer ordentlichen Rede des Kandidaten und einer gehörigen Portion Selbsthypnose der Genossen ist dies gelungen.

Parteitag: SPD kürt Steinbrück Fotos
REUTERS

Wer glaubte, Peer Steinbrück werde bald durchdrehen und alles hinschmeißen, wird nun eines besseren belehrt. Der Kandidat Steinbrück will es wirklich wissen, er lässt sich von der Aufregung um seine Rednerhonorare nicht verrückt machen, sondern er kämpft.

Das ist auch bitter nötig. Die SPD liegt in allen Umfragen weit abgeschlagen hinter der Union. Die Genossen sind verunsichert. Es muss etwas passieren.

Steinbrücks Parteitagsrede in Hannover konnte es von der Länge her locker mit Ansprachen von Fidel Castro oder Kurt Beck aufnehmen. Ein rhetorisches Feuerwerk war sie nicht. Und Menschen mitzureißen, geht ganz klar anders. Aber Steinbrück präsentierte sich durchaus kanzlertauglich, gut vorbereitet - und selbstironisch. Steinbrück ist noch da. Und er hat sich erstmals klar als Anführer der SPD präsentiert. Das ist eine wichtige Botschaft des SPD-Krönungsparteitags.

Die zweite Botschaft dieses Parteitags ist, auch die SPD will es mit diesem Kandidaten wagen - trotz aller Peer-Pannen der vergangenen Wochen. Sie jubelt ihm zu und versetzt sich in jenen Zustand der Selbsthypnose, den Parteien brauchen, wenn sie im Wahlwettstreit etwas reißen wollen.

Opposition ist Mist, finden die Genossen. Selbst die Linken und der ewig quirlige Parteichef Gabriel schaffen es, den Krönungsparteitag nicht mit eigenen Profilierungsversuchen zu vermurksen. Sie alle ordnen sich dem einen großen Ziel unter, diese Wahl zu gewinnen. Das ist schon viel Wert in einer Partei, die sonst eher zur Selbstzerfleischung neigt.

Steinbrücks Gegner ist die Koalition, nicht Angela Merkel

Klar ist nun: Steinbrücks Gegner ist nicht die beliebte Angela Merkel, sondern die schwarz-gelbe Koalition. Sein Ziel ist es, das tief sitzende Unbehagen vieler Bürger mit dem erratischen Regierungsstil dieser Koalition zu verstärken. Das wird den Wahlkampf bestimmen. Sollen doch Angela Merkel und die Union ein gutes Ergebnis erzielen, finden Steinbrück und seine Strategen. Hauptsache die FDP schneidet miserabel ab, dann kann die SPD regieren.

Die Aussicht, die Koalition ablösen zu können, ist für Steinbrück entscheidend. Anders als im aussichtslosen Wahlkampf 2009 hat die SPD eine Regierungsperspektive. Damit kann er Wähler mobilisieren - und vor allem die eigenen Anhänger ins Laufen bringen. Wenn die Genossen vor Ort wissen, dass sich ein Wahlkampf lohnt, sind sie auch bereit zu kämpfen.

Warten auf das Erfolgserlebnis

Europa, das Thema bei dem Angela Merkel unschlagbar ist, soll in seiner Kampagne nur eine Nebenrolle spielen. Statt dessen soll es um Gerechtigkeit, um eine andere Gesellschaftspolitik gehen - bessere Löhne, sichere Rente, erschwingliche Mieten, Eindämmung von Leiharbeit, Frauen-Quote. Es sind die sozialdemokratischen Gassenhauer, die Steinbrück jetzt lauthals singt. Der Einzelkämpfer und Agenda-2010-Fan flauscht mit den eigenen Truppen. Wenn er gewinnen will, hat er ohnehin keine andere Wahl.

Steinbrück schafft in Hannover einen kleinen Neustart, jetzt brauchen er und die SPD bald ein Erfolgserlebnis. Die Wahl in Niedersachsen kann das sein. Sonst wird der Aufbruch-Effekt bald wieder verpuffen.

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insgesamt 86 Beiträge
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1.
XXYYZZ 09.12.2012
MURKS-MERKEL ist gerade beim Thema Europa zu schlagen: den deutschen Steuerzahler anlügen was das Zeug hält hat sie schon 8%-Punkte persönliher Zustimmung gekostet - und das ist erst der Anfang.
2. SPD zahlt ja alles
ein-berliner 09.12.2012
Zitat von XXYYZZMURKS-MERKEL ist gerade beim Thema Europa zu schlagen: den deutschen Steuerzahler anlügen was das Zeug hält hat sie schon 8%-Punkte persönliher Zustimmung gekostet - und das ist erst der Anfang.
Wenn ich den Steinbrück richtig verstanden habe wird dieser Haufen mit ALLEN Mitteln den deutschen Steuerzahler ausnehmen. Selbst für "Europa" ist nichts zu teuer. Diese Bande verspricht alles und wird grandios die Pleite einleiten.
3. Gerechtigkeit...
kenterziege 09.12.2012
Zitat von sysopNach Pleiten, Pech und Pannen versuchen Peer Steinbrück und die SPD in Hannover den Neustart. Dank einer ordentlichen Rede des Kandidaten und einer gehörigen Portion Selbsthypnose der Genossen ist dies gelungen. Kommentar zur Steinbrück-Rede beim SPD-Parteitag in Hannover - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kommentar-zur-steinbrueck-rede-beim-spd-parteitag-in-hannover-a-871833.html)
Gerechtigkeit --- Was ist denn das? Erschwingliche Mieten: Wie will er das denn regeln, wenn alle an den gleichen Ort ziehen wollen? Gegn Merkel hätte es nur ein Alternativ-Thema gegeben: Wie halten wir unsere Kassen vor dem Zugriff des Club-Med sauber! Aber offensichtlich ist das ein Tabu-Thema!
4. Erst der Genosse der Bosse ...
unixv 09.12.2012
und jetzt der Knecht des Kapitals! Neee, SPD, so wird das nichts, das ihr überhaupt von Gerechtigkeit sprecht ist schon der blanke Hohn und ein Schlag ins Gesicht von Arbeiter, Angestellten "vor allem mit Zeit/Leih/Werksvetrag!" und Rentner! Steinbrück sollte weiterhin kluge reden vor Bankstern schwingen, dort gibt es sicher auch ein Glas Wein für 20€! ;-)
5. Macht & Arroganz
Pinin 09.12.2012
Nach dem Verfolgen der Parteitage von CDU und SPD ergibt sich: Die Bürger sind BEIDEN Parteien sowas von egal, ALLES was zählt ist die eigene Macht und das eigene Ego. Man spürt keinerlei Ringen mit den Problemen und sieht keinerlei echte Konzepte, nur pure Arroganz, Selbstbeweihräucherung und Dauerklatschen für die großen Anführer.
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