Pressestimmen zu Bautzen und Clausnitz Von Brandstiftern und Benzinlieferanten

Die fremdenfeindlichen Aktionen in Clausnitz und Bautzen dominieren die Kommentarspalten. Eine Auswahl der Reaktionen in den Medien.

Feuer in Bautzen: Ein Hotel, in dem Flüchtlinge einziehen sollten, ist ausgebrannt
DPA

Feuer in Bautzen: Ein Hotel, in dem Flüchtlinge einziehen sollten, ist ausgebrannt


In Clausnitz im Erzgebirge hetzten am Donnerstag bis zu hundert Menschen gegen 15 neu im Ort eingetroffene Flüchtlinge. Nur zwei Tage später brannte in der sächsischen Kleinstadt Bautzen ein Hotel, in dem Hilfesuchende einziehen sollten.

Lesen Sie hier Auszüge aus Kommentaren und Kolumnen in deutschen Medien zum Rechtsextremismus und zum Hass auf Geflohene:

In der "tageszeitung" kommentiert Nemi El-Hassan, die vor mehr als 20 Jahren wie einige der Clausnitzer Businsassen mit ihrer Familie aus dem Libanon floh, was sie bei den Bildern des rassistischen Mobs empfindet: "Ich bin auch so wütend, weil ich meine Eltern in dem Bus von Clausnitz sehe. Wenn ich eines weiß, dann, dass wir alle kollektiv dafür verantwortlich sind, dass Ausschreitungen wie die von Clausnitz ein für alle Mal der Vergangenheit angehören müssen. Sonst haben wir in 20 Jahren nichts gelernt."

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt zu den Gaffern von Bautzen und zum Mob in Clausnitz: "Die Gewalt wird auch befeuert von dem Bürgerkriegsgerede, das sich im Angesicht der Flüchtlingskrise im Land ausgebreitet hat. Wer von einer Invasion spricht, wer den Zorn anfachen und die Temperatur im Land erhöhen will, der darf sich nicht wundern, dass es brennt. Der hat den Brandstiftern das Benzin geliefert."

Die "Sächsische Zeitung" nimmt sich ihr Verbreitungsgebiet Sachsen vor, in dem die meisten rechten Straftaten in Deutschland begangen werden: "Sachsen hat mehr als ein Problem mit Ausländerfeindlichkeit. Es fehlt an politischer Führung, an Klarheit, an Haltung, die vermittelt werden muss. Auch dort, wo es nicht gefällt."

Und an die Adresse von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), der sich erst am Sonntag zu den Geschehnissen von Clausnitz und Bautzen meldete: "In diesen Tagen des Hasses hätte es mehr gebraucht als einen Landesvater, der erst nach zwei Tagen ein paar hilflose Worte dazu findet."

"Zeit Online" bezieht sich auf die "Wir sind das Volk"-Rufe vor der Clausnitzer Unterkunft, eigentlich der Slogan der Wendebewegung in der ehemaligen DDR: "25 Jahre später in Clausnitz, Dresden, Bautzen oder sonstwo in Deutschland ist der Ausruf mittlerweile zum Kampfschrei eines Verbitterungsmilieus geworden, das sich die Welt wieder auf Kleingartengröße wünscht, in der es zwar weiterhin weinerlich sein will, aber wenigstens unter sich: in einer vorpolitischen Schicksalsgemeinschaft, die sich bisweilen hinter Kultur, auf jeden Fall hinter ihrer Abstammung verschanzt hat und niemanden mehr reinlassen will."

Die "Welt" kommentiert : "Die fremdenfeindlichen Gewalttäter und Brandstifter von Clausnitz, Bautzen und anderswo spekulieren jedenfalls auf klammheimlichen Beifall aus Kreisen all jener derzeit politisch Unbehausten, die sich mit ihrer Kritik an der Flüchtlingspolitik ins 'dunkle' Deutschland abgeschoben sehen. Das macht diese Radikalen in der Tat so gefährlich. Weil sie eine Grenze zu verwischen drohen, die absolut und unverrückbar gezogen werden und erkennbar bleiben muss: Die Grenze zu Hass und Gewalt - wie am Wochenende im Clausnitz und Bautzen."

So kommentierte SPIEGEL ONLINE die Chaoten von Clausnitz, die Brandstiftung in Bautzen und die Reaktionen von Landesvater Stanislaw Tillich:

Mehr über das aktuelle Sachsen lesen Sie im neuen SPIEGEL.

cht

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