Haushaltsüberschuss: Kommunen befreien sich aus Finanzkrise
Die deutschen Städte und Gemeinden erzielen erstmals seit vier Jahren wieder einen Überschuss. Die generelle Finanzlage bleibe aber dramatisch, warnt der Städtetag - arme und reiche Kommunen drifteten immer stärker auseinander.
Berlin - Die deutschen Kommunen werden in diesem Jahr erstmals wieder mehr Geld einnehmen als sie ausgeben. Das war zuletzt 2008 der Fall. Sie rechnen für 2012 mit einem Überschuss von 2,3 Milliarden Euro. Dies geht aus dem Gemeindefinanzierungsbericht des Deutschen Städtetags hervor. Viele Städte konnten demnach im Vergleich zu den "desaströsen Vorjahren" ihre finanzielle Lage verbessern.
Im letzten Jahr gab es noch ein Defizit von 1,7 Milliarden Euro. Hauptursache für die positive Entwicklung sind laut dem Bericht vor allem stark gewachsene Zuflüsse aus der Gewerbesteuer. Für 2012 wird insgesamt mit Einnahmen von 189,7 Milliarden gerechnet. Die Ausgaben werden auf 187,4 Milliarden veranschlagt.
Nach Ansicht des Städtetags besteht jedoch kein Grund zur Entwarnung. "Die strukturellen Probleme vieler Städte bestehen weiter und sind teilweise besorgniserregend", sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus. Die Sozialausgaben stiegen, für notwendige Investitionen sei kein Geld da. "Zu viele Städte müssen ihre laufenden Kosten mit Kassenkrediten finanzieren", so Articus.
Nach Angaben seines Stellvertreters Helmut Dedy gibt es ein deutliches Auseinanderdriften von armen und reichen Städten. Dies zeige sich auch an dem rasanten Anstieg der Kassenkredite, über die laufende Ausgaben finanziert werden. Sie hätten 2011 um fast fünf Milliarden zugenommen. Allein im ersten Halbjahr 2012 hätten sich diese Kredite um weitere 2,9 auf fast 48 Milliarden erhöht.
Angesichts dieser Entwicklung warnte Articus: "Wer den Städten neue Aufgaben überträgt, ob Bund oder Land, der muss auch für den finanziellen Ausgleich sorgen." Die städtischen Etats seien längst zu Sozialhaushalten geworden. Erste Entlastungen wie die Übernahme der Grundsicherung im Alter durch den Bund wirkten sich zwar positiv aus. Weitere Schritte wie ein Leistungsgesetz für die Eingliederung von Behinderten müssten folgen.
fab/dpa/dapd
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- Dienstag, 23.10.2012 – 13:49 Uhr
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- Solidaritätspakt II
Der Solidarpakt ist eine Transferleistung von Bund und Ländern an die neuen Bundesländer. Die zweite Auflage dieser Vereinbarungen trat 2005 in Kraft, läuft bis 2019 und garantiert den neuen Ländern insgesamt 156,6 Milliarden Euro. Der Pakt besteht aus zwei Körben. Mit den 105 Milliarden Euro aus Korb I sollen teilungsbedingte Rückstände in der Infrastruktur beseitigt und die Finanzkraft der Kommunen gestärkt werden. Von 2020 an soll die frühere DDR ohne Subventionen auskommen. Experten halten eine Angleichung auf 100 Prozent des West-Niveaus bis dahin jedoch für unwahrscheinlich. - Solidaritätszuschlag
Der Solidaritätszuschlag wurde kurz nach der Einheit von Juli 1991 an für ein Jahr eingeführt. Der Aufschlag von 3,75 Prozent auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer sollte damals den Aufbau Ost mitfinanzieren helfen. Die schwarz-gelbe Regierung unter Helmut Kohl führte den Zuschlag 1995 wieder ein - diesmal unbefristet und mit einem Satz von 7,5 Prozent. Seit 1998 liegt er bundeseinheitlich bei 5,5 Prozent. Das Geld von heute, um die 13 Milliarden Euro, geht komplett an den Bund und fließt in den allgemeinen Etat. Es ist also mittlerweile eine allgemeine Steuer, die von allen Steuerzahlern in Ost und West entrichtet werden muss. Trotzdem gehen viele Bundesbürger weiterhin davon aus, dass der Soli an den Aufbau Ost gebunden sei.
Der Länderfinanzausgleich regelt die Verteilung der Einnahmen zwischen Bund, Ländern und Kommunen und ist eigentlich schon seit seiner Einführung umstritten. Bisher sind es vor allem Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, die Front gegen das Ausgleichssystem machen. Die Geberländer ärgern sich, dass finanzschwache Nehmerländer mit dem Geld üppige Abgeordnetensaläre, beitragsfreie Kindergartenjahre oder ein gebührenfreies Studium finanzieren - ein Luxus, den sich die Geberländer nicht leisten. Geberländer waren neben den dreien auch Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Diesen fünf Ländern standen elf Nehmerländer gegenüber. Das mit Abstand meiste Geld erhielt Berlin. 2010 wurde Nordrhein-Westfalen wieder Nehmerland.
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