ThemaCDURSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Konservatismus-Debatte Herzschmerz bei der CDU

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Partei ist unruhigZur Großansicht
AP

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Partei ist unruhig

2. Teil: Kriterien konservativer Politik - eine Standortbestimmung

Die Konservativen in der Union tun sich schwer, überhaupt eine inhaltliche Konservatismus-Debatte zu entfachen. Denn die Theoriearmut ist mit ein Charakteristikum des deutschen Konservatismus der Gegenwart. Wenn Frau Steinbach, der frühere Innenminister Jörg Schönbohm und andere der Union konservatives Profil weitgehend absprechen, dann hält das aber einer näheren Prüfung nicht stand. Die CDU ist keine rein konservative Partei, sie hat aber von allen politischen Parteien der Gegenwart am ehesten eine konservative Standortbestimmung, die sich an folgenden Beispielen belegen lässt:

  • Rolle der Nation: Die CDU profilierte sich von Adenauer bis Kohl als "Europapartei" - und betont dennoch immer die besondere Rolle der Nation. Es war die Union, wie sich auch Frau Steinbach erinnern dürfte, die sich bis zur Deutschen Einheit am intensivsten am Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes orientiert hat und auch völkerrechtlich die "Deutsche Frage" bis zum Abschluss von Friedensverhandlungen als "offen" erklärt hat. Helmut Kohl war allerdings klar, dass die Einheit nur möglich ist, wenn das wiedervereinigte Deutschland die bestehende Westgrenze Polens akzeptierte.
  • Westbindung: Diese war für die Identität der Union im Nachkriegsdeutschland besonders wichtig. Europäische Integration und das Verteidigungsbündnis der Nato sollten den Deutschen Schutz vor einem "sowjetischen Imperialismus" geben. Keine Partei zeigt auch heute noch eine solche Nähe zum atlantischen Bündnispartner USA wie die CDU.
  • Bundeswehr: Von allen im Bundestag vertretenen Parteien ist die CDU diejenige, die besonders konsequent die Notwendigkeit einer Landesverteidigung betont. Die faktische Abschaffung der Wehrpflicht muss zwar für eine "konservative" Partei schmerzlich sein, aber das relativiert nicht die Einschätzung, dass die Union nach wie vor der Institution Bundeswehr eine besonders hohe Wertschätzung entgegenbringt.
  • Europäische Leitkultur: Im CDU-Grundsatzprogramm wird von einer "europäischen Leitkultur" gesprochen, und die Union erhebt die Forderung nach Festschreibung der deutschen Sprache als Amts- und Schulsprache - für die Konservativen sind diese Signale der Abgrenzung gegen einen fundamentalen Islam besonders wichtig.
  • Innere Sicherheit: Es war - trotz der zeitweiligen Ministertätigkeit Otto Schilys - bislang ein Alleinstellungsmerkmal der Union, dass sie für eine konsequente Bekämpfung der Gefährdung der inneren Sicherheit eintrat.
  • Bildungspolitik: Konservative orientieren sich am dreigliedrigen Schulsystem und wehren alle Angriffe auf das Gymnasium ab, weshalb die schärfste Unterstützung für ein Plebiszit gegen die schwarz-grüne Schulpolitik gerade aus der Unionswählerschaft in Hamburg kam.
  • Familienpolitik: Hier sehen viele Konservative die Gefahr, dass das Elternrecht ausgehöhlt wird und Kinder zu früh in die Obhut des Staates gegeben werden. Andererseits zeigen Umfragen auch bei einer Mehrheit der Unionsanhänger, dass der Staat mehr für die Betreuung der unter Dreijährigen tun sollte.
  • Marktwirtschaft: Während Konservative für einen starken Staat nach innen wie nach außen sind, so sind sie sich mit den Liberalen in der Befürwortung des privaten Eigentums und des Marktes einig. Aber im Gegensatz zu den Liberalen haben sie ein eher paternalistisches Staatsverständnis. Gerade in sozialpolitischen Fragen befürworten sie einen intervenierenden Staat.

Warum viele Konservative Merkel misstrauen

Von all diesen Kriterien für "konservative" Politik ist in den Debatten der Gegenwart überhaupt nicht die Rede.

Das Misstrauen vieler Konservativer in der Union gegenüber Merkel kommt aber auch daher, dass Merkel im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Helmut Kohl kein wirkliches Verhältnis zur Geschichte erkennen lässt. Kohl war hingegen ein Geschichtsdeuter. Seine Hinweise auf die Geschichte rührten konservative Seelen an.

Merkel erscheint vielen als eine Hier-und-Jetzt-Kanzlerin, die auf geschichtliche Deutungen verzichtet.

Auch ihre Ankündigung nach dem Rauswurf des erzkonservativen Abgeordneten Martin Hohmann, sie wolle in ihrer Partei eine Debatte über Patriotismus führen, blieb folgenlos. Es müsse "eine breite Diskussion über Patriotismus und Liebe zum Vaterland" geben, meinte sie noch im November 2003. Doch gemerkt hat man davon nichts. Alles Emotionale ist der Naturwissenschaftlerin fremd.

Und so fremdeln die Konservativen in der Partei weiter mit ihr.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 37 Beiträge
Hilfskraft 19.09.2010
Merkel spielt Squash und hält das für Politik. So, wie der Ball auftitscht, so knallt sie ihn zurück. Die Richtung ist egal. Hauptsache, sie hat ihn getroffen. H.
Zitat von sysopWie konservativ ist die Union? Hinter der Debatte verbirgt sich konkreter Unmut auch prominenter Parteimitglieder - über den kühlen Führungsstil von Kanzlerin Merkel. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,717516,00.html
Merkel spielt Squash und hält das für Politik. So, wie der Ball auftitscht, so knallt sie ihn zurück. Die Richtung ist egal. Hauptsache, sie hat ihn getroffen. H.
NormanR 19.09.2010
Ich fand heute mittag schon die Diskussion im Presseclub sowas von abgehoben. Wen interessiert das Wort "konservativ"? Ist das wichtig? Sollte es nicht um Inhalte gehen? Mein Gott, wie weit sind alle Mann [...]
Ich fand heute mittag schon die Diskussion im Presseclub sowas von abgehoben. Wen interessiert das Wort "konservativ"? Ist das wichtig? Sollte es nicht um Inhalte gehen? Mein Gott, wie weit sind alle Mann entfernt vom Bürger!
prologo1 19.09.2010
....ihren Machterhalt zu sichern und das mit allen Mitteln, die sie beherrscht wie sontst niemand. Intrigieren, vertuschen, mauscheln und verschweigen, das kann sie, aber das Land und das Volk ist dieser Person offensichtlich [...]
....ihren Machterhalt zu sichern und das mit allen Mitteln, die sie beherrscht wie sontst niemand. Intrigieren, vertuschen, mauscheln und verschweigen, das kann sie, aber das Land und das Volk ist dieser Person offensichtlich egal. Denn wie sonst kann man ein Sparpaket betreiben, das nur die Ärmsten noch ärmer macht, und die Vermögenden schützt?? Merkel ist ein schaden für das Land, und nicht nur für die CDU, denn Politik war noch nie so abweisend und kalt, wie seit Merkel, ....oder? Merkel ist in einer anderen politischen Welt aufgewachsen, und da soll sie hingehen. Die Ossis konnten wenigstens noch in den Westen fliehen, aber wohin können wir jetzt noch fliehen, mir einer Merkel als Kanzlerin???? MfG, T.
benn01 19.09.2010
...zeichnet sich in erster Linie durch Feigheit aus. Seit dem zugelassenen Einzug der Grünen in den Bundestag, liefert sie eine zahllose Folge von Rückzugsgefechten ab. Als Beispiele dazu der "Kampf" gegen SED/PDS nach [...]
...zeichnet sich in erster Linie durch Feigheit aus. Seit dem zugelassenen Einzug der Grünen in den Bundestag, liefert sie eine zahllose Folge von Rückzugsgefechten ab. Als Beispiele dazu der "Kampf" gegen SED/PDS nach dem Mauerfall / Deutschland ist kein Einwanderungsland / Kinder statt Inder. Die personifizierte Feigheit ist Merkel. Aber "wie der Herr, so's Gescherr", denn es findet sich in den eigenen Reihen niemand, der Mutti an die Arbeit schickt oder gar vom Thron verjagt. Lieber zieht man sich ins Privatleben zurück und gibt sich aktuell ganz hanseatisch seiner jungen Liebe hin.
woscho 19.09.2010
"Mal bin ich liberal, mal bin ich konservativ, mal bin ich christlich-sozial - und das macht die CDU aus." Dies sagt doch wohl alles über diese wolkige Kanzlerin. Die CDU täte gut daran, endlich eine sofortige Abwahl [...]
Zitat von sysopWie konservativ ist die Union? Hinter der Debatte verbirgt sich konkreter Unmut auch prominenter Parteimitglieder - über den kühlen Führungsstil von Kanzlerin Merkel. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,717516,00.html
"Mal bin ich liberal, mal bin ich konservativ, mal bin ich christlich-sozial - und das macht die CDU aus." Dies sagt doch wohl alles über diese wolkige Kanzlerin. Die CDU täte gut daran, endlich eine sofortige Abwahl ihrer "Gallionsfigur" einzuleiten. Ihr Führungsstil soll auch noch *kühl* sein? Unvermögend wäre die richtige Bezeichnung. Wenn schon Bosbach, Kauder und sonstige Merkel-Schmeichler vor den Kameras auftauchen. Wie lange will diese Kölner-Karneval-Combo die Wähler noch veräppeln?
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema CDU

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Schwarz-gelbe Baustellen
dpa
Bis 2014 wollen Union und FDP im Bundeshaushalt 81,6 Milliarden Euro einsparen, vor allem bei Arbeitslosen, Familien und im Öffentlichen Dienst. Auch die Wirtschaft soll zur Kasse gebeten werden. Aus der Union gibt es aber Forderungen, Spitzenverdiener stärker zu belasten, weil das Paket zu unsozial sei.





TOP



TOP