Konservatismus-Debatte Union ohne Kompass

Wie hält die CDU es mit den konservativen Werten? So schnell wird Angela Merkel diese Debatte nicht los. Die Partei hat ihre Orientierung verloren und damit viele Wähler, meint der Politologe Franz Walter.

Kanzlerin Merkel: Politische Orientierungswerte der Partei verflüchtigt
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Kanzlerin Merkel: Politische Orientierungswerte der Partei verflüchtigt


Die deutschen Christdemokraten taumeln. Ihr früher europaweit einzigartiger großer Rückhalt in der Bevölkerung schmilzt furios hinweg. Und die über Jahrzehnte so stabilen politischen Orientierungswerte der Partei Adenauers und Kohls haben sich ebenfalls in alle Richtungen verflüchtigt. Die Partei ist sich der eigenen Normen, Ziele und Maßstäbe nicht mehr gewiss. Die CDU ist verunsichert wie wohl noch nie in ihrer Geschichte.

Und so mehren sich die Gerüchte, dass die nunmehr heimatlos und frustriert geworden Altkonservativen auf dem Sprung zu einer neuen Partei sind.

Lange wurde die CDU als konservative Partei bezeichnet. Doch gerade in dieser Charakterisierung liegt alles Ach und Weh der deutschen "C"-Parteien. Denn die Christdemokraten sind seit Jahren nicht mehr sicher, ob sie überhaupt noch konservativ sein mögen. Vor allem: Sie können weder sich noch anderen plausibel erklären, was im Jahr 2010 die Leitideen eines zeitgemäßen Konservatismus sind.

Vor allem fragten sie sich in den Jahren des fröhlichen Anything goes, mindestens still und heimlich, ob konservative Politik überhaupt noch erstrebenswert sei, auf Bedarf stoße.

Kurzum: Der Konservatismus ist in der großen Partei des deutschen Bürgertums zur Leerstelle geworden.

Natürlich, die Krise des Konservatismus der Rechten begann nicht erst mit dem Abgang von Kohl und dem Entree von Merkel. Sie liegt weit länger zurück. Schon in den gesellschaftlich aufgewühlten Jahrzehnten zwischen 1870 und 1945 hatte es der Konservatismus schwer, sich als Idee und Konzept im rechtsbürgerlichen Spektrum zu behaupten. Die Nation war jung; und auch in der Gesellschaft dominierten jahrzehntelang die jungerwachsenen Kohorten. Aus dieser Konstellation nährten sich die Massenbewegungen mit ihrem Heilsverlangen: radikale Sozialisten, wüste Nationalisten, aggressive Alldeutsche und Antisemiten, exzentrische Lebensreformer. Und so weiter.

Verstaubt, altväterlich, behäbig

Demgegenüber wirkte der Konservatismus verstaubt, altväterlich, behäbig, lahm. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war die bürgerliche Jugend nationalimperialistisch, dann radikalfaschistisch, keineswegs aber konservativ. Und da die Konservativen fürchteten, den Zug der Zeit zu verpassen und den eigenen Nachwuchs zu verlieren, wandelten sie sich der nationalen Erhebung an und verliehen ihr nach 1933 die Legitimation des traditionellen Deutschlands.

Das hatte den Konservatismus als Ideologie der deutschnationalen Rechten anhaltend diskreditiert; und das machte seither jeden Versuch der Renaissance rechts von der Mitte schwer, ja rasch zunichte.

Nun mag man einwenden, dass ja unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus die beste Zeit des Konservatismus in Deutschland während des 20. Jahrhunderts erst begann. In der Tat: Gerade die fünfziger Jahre waren das Jahrzehnt einer breiten konservativen Basismentalität.

Mentaler Konservatismus eines ruhebedürftigen Volkes

Die Deutschen waren müde, waren der Versprechen überdrüssig, zu politischen Aufbrüchen ganz und gar unwillig. Sie suchten vielmehr nach Entlastung. Deshalb überantworteten sie sich dem Patriarchen im Bundeskanzleramt, Konrad Adenauer, der Ruhe, Sicherheit, Experimentenlosigkeit und die christliche Gnade der Vergebung für schuldhaftes Verhalten versprach.

Zwei Jahrzehnte später jedoch hatte der neuliberale Einstellungswechsel in der CDU und im gewerblichen Bürgertum die altkonservativen Fundamente ins Wanken gebracht. Es waren, spätestens seit 1989, nicht die sozialistischen Feinde des Konservatismus von ehedem, welche die konservative Lebens- und Wertewelt unter Beschuss nahmen. Jetzt waren es vielmehr die Avantgardeure des wirtschaftlichen Liberalismus im bürgerlichen Lager selbst, die den überlieferten Institutionen und Bräuchen den Garaus bereiteten.

Der bürgerliche Neuliberalismus untergrub die altkonservativen Bindungen.

insgesamt 1024 Beiträge
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Seite 1
ewspapst 13.09.2010
1.
Zitat von sysopEine Partei ringt um ihren Kurs: Nach dem Rückzug von Vertriebenen-Präsidentin Steinbach kommt die CDU nicht zur Ruhe - führende Politiker betonen nun demonstrativ den Konservatismus in der Union. Verliert die CDU ihr konservatives Profil?
Wenn Sie uns nun noch sagen, was mit "Konservatismus" der CDU gemeint ist, dann könnte man darauf autworten.
kdshp 13.09.2010
2.
Verliert die CDU ihr konservatives Profil? Hallo, die frage ist doch falsch! Es müßt eheißen "HAT die CDU noch ein konservatives Profil?
MonaM 13.09.2010
3. Was heißt das?
Zitat von sysopEine Partei ringt um ihren Kurs: Nach dem Rückzug von Vertriebenen-Präsidentin Steinbach kommt die CDU nicht zur Ruhe - führende Politiker betonen nun demonstrativ den Konservatismus in der Union. Verliert die CDU ihr konservatives Profil?
Es wird dauernd davon geredet. Ich wüsste gerne mal konkret, wie und wodurch dieses "konservative Profil" beschädigt oder gar verloren gegangen sein soll.
Dino, 13.09.2010
4.
Zitat von sysopEine Partei ringt um ihren Kurs: Nach dem Rückzug von Vertriebenen-Präsidentin Steinbach kommt die CDU nicht zur Ruhe - führende Politiker betonen nun demonstrativ den Konservatismus in der Union. Verliert die CDU ihr konservatives Profil?
Netter Versuch diese Problematik gleich wieder mit geschichtlichem Revanchismus zu verunglimpfen. Die Frage dieses Forums ist schon falsch gestellt und sollte besser lauten: Warum hat die CDU ihr konservatives Profil verloren und warum hat Frau Steinbach damit überhaupt nichts zu tun? Inwieweit die CDU innerparteilich um einen konservativen Kurs ringt, ist mir bisher verborgen geblieben. Sollte diese Diskussion in der CDU jemals ernsthaft geführt werden, wäre ich froh. Leider wird es, wenn überhaupt, nur um Machterhalt gehen.
sysop 13.09.2010
5. # 4
Verfolgen Sie die aktuelle Berichterstattung in den Medien: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,717107,00.html
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