Konservative K-Frage "FAZ" spekuliert über Merkels Karriere-Ende

Schwarz-Gelb steckt im Umfragetief, die Wahl in Baden-Württemberg droht verloren zu gehen. Jetzt spekuliert sogar die in konservativen Kreisen verwurzelte "Frankfurter Allgemeine" über eine Ablösung von Kanzlerin Merkel - Guttenberg oder Koch könnten ihre Nachfolger sein.

Kanzlerin Merkel, CSU-Star Guttenberg: "Weitreichende Folgen"
dpa

Kanzlerin Merkel, CSU-Star Guttenberg: "Weitreichende Folgen"


Berlin - Politisch steckt Angela Merkel gerade mitten im selbst ausgerufenen "Herbst der Entscheidungen". Wichtiger für die persönliche Zukunft der Kanzlerin dürfte das Frühjahr werden: Im März stehen Landtagswahlen in Baden-Württemberg an. Und im CDU-Stammland sind die Werte der Union abgesackt, das umkämpfte Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 lastet wie ein Alpdruck auf der Partei.

Die Landtagswahl werde zur Befragung über Stuttgart 21 und Zukunftsprojekte im Allgemeinen, hat Merkel gesagt und die Regionalwahl zu einer national bedeutsamen Abstimmung über sich selbst gemacht. Was, wenn die Wahl danebengeht? Schon seit längerem diskutiert man in CDU und CSU über dieses Horrorszenario für die Parteien - und Merkels mögliches Ende, ob als Parteichefin oder Bundeskanzlerin. Die Union stellt sich allmählich ihre K-Frage.

Nun berichtet die in konservativen Kreisen gut unterrichtete und gelesene "Frankfurter Allgemeine Zeitung" von unionsinternen Spekulationen über "weitreichende Folgen". Es sei die Rede davon, dass eine Niederlage in Baden-Württemberg zu einer "explosionsartigen Situation führen" könne, in der Merkel und auch ihr Vize-Kanzler Guido Westerwelle (FDP) "hinweggefegt" würden. Freilich schränkt die Zeitung ein, dass nach Stand der Dinge nicht zu erkennen sei, "ob es sich schon um reale Machtkämpfe handelt, bei denen sich potentielle Nachfolger in Stellung bringen, oder um noch unverbindliche Was-wäre-wenn-Hinweise". Aber dann werden Szenarien ausführlich durchgespielt.

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Karl-Theodor zu Guttenberg: Vom Party- zum Kriegsminister
Die "FAZ" hält die Bundestagsfraktion von CDU und CSU für den zentralen Spieler in einem möglichen Machtkampf. Die vielen direkt gewählten Abgeordneten könnten versuchen, ihre Position durch einen schnellen Schnitt zu erhalten - sprich, die Konsequenzen ziehen und Merkel ablösen, bevor die Macht im Bund verloren geht. Ein führender Vertreter der Union sagte SPIEGEL ONLINE: Wenn man in Baden-Württemberg scheitere, sei Merkel weg.

Wer könnte Merkel im Falle des Falles im Kanzleramt ersetzen? "Im Zentrum der personalpolitischen Spekulationen" stehe Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, schreibt die Zeitung. Der 38-jährige CSU-Politiker, der regelmäßig als Nachfolger von Parteichef Horst Seehofer gehandelt wird, sei wegen seiner Beliebtheit in der Bevölkerung im Spiel. Ihm werde zugetraut, die Union rasch wieder über die 40-Prozent-Marke zu hieven. Er komme sowohl bei der Stammwählerschaft als auch bei Jüngeren und den Frauen gut an. Außerdem habe er bei Bundeswehrreform und Wehrpflicht-Aussetzung bewiesen, "dass er nicht in Kategorien der Starrheit" denke.

Guttenberg im Zentrum der Spekulationen

Im Politikerranking des "Stern", in dem die Bürger ausgewählten Politikern Vertrauenspunkte auf einer Skala von 0 (kein Vertrauen) bis 100 (sehr großes Vertrauen) geben können, bleibt Guttenberg der populärste deutsche Politiker. Er erhielt im Schnitt 63 Punkte, zwei mehr als im letzten Ranking Ende Juli. Mit 55 Punkten folgte auf Platz zwei die Kanzlerin, die einen Punkt einbüßte.

Wer, wenn nicht er? Die "FAZ" schreibt, für jene, die Guttenberg wegen seines relativ jungen Alters und seiner geringeren Erfahrung ablehnen, sei der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) im Gespräch. Gerade hat der 52-Jährige ein Buch unter dem programmatischen Titel "Konservativ. Ohne Werte und Prinzipien ist kein Staat zu machen" veröffentlicht. Dass er seinen Rückzug aus der Politik rückgängig machen würde, wenn er in einer Drucksituation gefordert würde, wird als selbstverständlich hingenommen.

Sind die Gedankenspiele realistisch? Tatsächlich gibt es - wie üblich bei Spekulationen - einigen Widerspruch. Zum Beispiel stellt sich die Frage, wie lange Guttenberg sein Superstar-Image noch aufrecht erhalten kann. Zu den Grundregeln des politischen Geschäfts gehört, dass jedem Überflieger irgendwann der Absturz droht. Spekulationen über eine mögliche Kanzlerschaft Guttenbergs dürften die Zahl seiner Feinde und Fallensteller nur noch vergrößern.

Schwarz-Gelb ist im Tief

Klar ist, dass die Union unter Druck ist wie seit langem nicht mehr. Nach einem neuen Wahltrend von "Stern" und "RTL" kommen CDU, CSU und FDP zusammen sogar nur noch auf 33 Prozent. Die Union rutscht in der Forsa-Umfrage um zwei Punkte auf 29 Prozent ab, die Liberalen verlieren einen Punkt und könnten nur mit vier Prozent rechnen. Zur Erinnerung: Bei der Bundestagswahl vor einem Jahr hatten sie 14,6 Prozent. Die Grünen werden auf 25 Prozent taxiert, ein neuer Bestwert noch vor der SPD (23 Prozent). Das bedeutet 15 Punkte Vorsprung für Grüne und SPD vor Schwarz-Gelb. Die Linke verbesserte sich um zwei Punkte auf zwölf Prozent.

Natürlich ist das nur ein einzelnes Stimmungsbild - aber die Thesen von Forsa-Chef Manfred Güllner sind in Deutschlands Parteien inzwischen durchaus mehrheitsfähig. Mittlerweile würden sich auch "bürgerliche" Wähler für die Grünen entscheiden, sagt er. Es seien "Leute aus der Mitte, die einen Rechtsruck der Union ablehnen". Die FDP sei für sie keine Alternative mehr. Die Proteste um das Bahnprojekt Stuttgart 21 würden zeigen, dass sich viele Bürger im Land in dem Gefühl bestärkt sehen, dass sich die Politik um die Menschen zu wenig kümmere.

Merkel muss sich kümmern, wenn sie aus dem Tief will - das ist die Botschaft.

sef/dapd



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insgesamt 128 Beiträge
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Seite 1
sic tacuisses 13.10.2010
1. Wenn nur die "Tapete" gewechselt werden sollte,
Zitat von sysopSchwarz-Gelb steckt im Umfragetief, die Wahl in Baden-Württemberg droht verloren zu gehen. Jetzt spekuliert sogar die in konservativen Kreisen verwurzelte "Frankfurter Allgemeine" über eine Ablösung von Kanzlerin Merkel - Guttenberg oder Koch könnten ihre Nachfolger sein. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,722830,00.html
ist das noch lange keine grundlegende Renovierung. Nicht die Visagen müssen sich ändern ! Die Denke muß eine andere werden. Für das deutsche Volk. Gegen alles was sich gegen dieses Volk richtet. Nur dem Wohl des Volkes sind die demokratisch gewählten verpflichtet. Und dem Frieden. Das ist das Credo das der Wähler hören, sehen und vor allem spüren will. Sonst dauert es nicht lange und es gibt wieder Ohrfeigen. Für Koch, Gutti oder wie immer sie heißen mögen.
creativefinancial 13.10.2010
2. nächste Regierung
Zitat von sysopSchwarz-Gelb steckt im Umfragetief, die Wahl in Baden-Württemberg droht verloren zu gehen. Jetzt spekuliert sogar die in konservativen Kreisen verwurzelte "Frankfurter Allgemeine" über eine Ablösung von Kanzlerin Merkel - Guttenberg oder Koch könnten ihre Nachfolger sein. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,722830,00.html
Ob Koch oder Guttenberg - als Oppositionsführer ? Denn die nächste Bundesregierung scheint GRÜNE-SPD zu sein. Bundeskanzler Trittin ? Ich freue mich.
chagall1985 13.10.2010
3. Merkel ist unwählbar
Das heisst dann wohl, dass Sie die nächsten 15 Jahre unsere Kanzlerin bleibt. Irgendwie scheinen die Deutschen ein faible für Politiker zu haben die nicht erreichen wollen und keine Ziele haben außer an der Macht zu sein und auf Veränderungen zu reagieren. Kohl ist lebendiger als jeh zuvor. Quasi regiert er mit seiner Art Deutschland weiter. Denn viele Unterschiede sind da nicht zu erkennen. Wobei Kohl vielleicht etwas idealistischer war als Merkel und ein wesentlich loyaler als diese Frau.
Dominik Menakker, 13.10.2010
4. Tschüss Mutti
Huch, vielleicht wirds ja doch noch wahr. Wenn schon die FAZ darüber spekuliert .... ?!? Merkel war der Supergau für die CDU, das war jedem spätestens nach 4 wochen Großer Koalition klar. Jetzt, mitten in der Wahlperiode wäre wohl für die Partei der optimale Zeitpunkt, Mutti endlich in Rente zu schicken und jemanden ranzulassen, der es auch kann. Die CDU hat schon zu viele gute Leute verloren.
mitbürger 13.10.2010
5. ...
Sinnvoll wäre eine politische Umkehr vor den Wahlen in BW. Wartet man dort noch auf ein Wunder von Stuttgart? Mir wäre F. Merz am liebsten als Nachfolger. Guttenberg ist noch zu jung.
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