Kontakte zu Geert Wilders: Berliner CDU-Fraktion schließt Islamkritiker aus

Der umstrittene Islamkritiker René Stadtkewitz darf nicht in der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus bleiben. Er weigerte sich, eine Einladung an den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders zurückzuziehen - und wurde mit großer Mehrheit aus der Fraktion ausgeschlossen.

Berliner Abgeordneter René Stadtkewitz: Das Mandat bis Herbst 2011 behalten Zur Großansicht
dapd

Berliner Abgeordneter René Stadtkewitz: Das Mandat bis Herbst 2011 behalten

Berlin - Die Kontakte zu dem holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders haben René Stadtkewitz seinen Sitz in der Berliner CDU-Fraktion gekostet. Die Fraktion schloss ihn am Dienstag mit klarer Mehrheit aus: Mit 27 Ja-Stimmen von 34 abgegebenen Stimmzetteln wurde die notwendige Zweidrittelmehrheit deutlich übertroffen.

CDU-Fraktionschef Frank Henkel hatte den Ausschluss beantragt, als die Kontakte zu dem Islamgegner Geert Wilders bekannt wurden. Stadtkewitz hatte es abgelehnt, Wilders von einer Veranstaltung in Berlin wieder auszuladen.

Der 45 Jahre alte Stadtkewitz hatte sich wiederholt kritisch gegen islamische Einflüsse ausgesprochen. Aufsehen erregte er durch seinen Einsatz gegen den Bau einer Moschee in Heinersdorf. Er sitzt außerdem im Vorstand der islamkritischen "Bürgerbewegung Pax Europa", die auf ihrer Website von einer "schleichenden Islamisierung Europas" spricht.

Stadtewitz war 2009 aus der CDU ausgetreten, aber in der Abgeordnetenhausfraktion verblieben. Sein Parlamentsmandat will er nun bis zur Wahl im Herbst 2011 behalten und künftig als Fraktionsloser im Abgeordnetenhaus arbeiten.

Offenbar plant Stadtkewitz, eine eigene Partei zu gründen. Er deutete an, dass er den Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (SPD) für die neue Partei gewinnen möchte. Der ehemalige Berliner Finanzsenator soll nach einer Reihe von umstrittenen Äußerungen aus der SPD ausgeschlossen werden. Auch Sarrazin sorgt mit islamkritischen Wortmeldungen für Aufsehen.

Immer wieder fällt der Name Wilders

Der Fall Sarrazin fordert die etablierten Parteien in Deutschland heraus. Populisten könnten den Unmut ausnutzen, warnen Demoskopen - denn rechts von der Union gibt es ein großes Wählerpotential.

In der Debatte fällt auch immer wieder der Name des niederländischen Rechtspopulisten Wilders. Seine "Partei der Freiheit" (PVV) hat sich in den Niederlanden als eine ernsthafte Konkurrenz zur konservativ-liberalen Partei CDA etabliert. Mit 15 Prozent der Wählerstimmen sitzt Wilders' PVV im Parlament - und war, bis die Verhandlungen scheiterten, Verhandlungspartnerin für eine neue Koalition mit Christdemokraten und Liberalen.

Wilders ist mit seinen islamfeindlichen Ansichten weit über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt. In Reden und Interviews setzt er den Koran mit Hitlers "Mein Kampf" gleich, nennt den Islam eine "faschistische Ideologie" und verunglimpft dessen Propheten als "Barbaren, Massenmörder und Pädophilen". In einem australischen Fernsehinterview wiederholte er erst kürzlich seine scharfen Angriffe und verlangte erneut, die Einwanderung von Muslimen in den Westen zu stoppen.

kgp/dpa/apn/AFP

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"Bedauerlich, aber konsequent"

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Islam
Geschichte
Der arabische Begriff "Islam" bedeutet "Unterwerfung", gemeint ist "unter den Willen Gottes". Er bezeichnet die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen. Der Islam entstand im siebten Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien. Schon bald nach dem Tod des Propheten Mohammed stieg das islamische Reich zur Weltmacht auf.

Islam , Christentum und Judentum eint Vieles, zum Beispiel die zentrale Bedeutung der Beziehung zwischen Gott, dem Schöpfer, und dem Menschen, seinem Geschöpf. Auch spielen viele aus dem Alten und Neuen Testament bekannte Propheten eine Rolle im Islam.

Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige tägliche Gebet, die Spende an die Armen, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka .

Über eine Milliarde Menschen bekennen sich zum Islam, in über 50 Staaten stellen Muslime die Mehrheit die Bevölkerung. Rund zehn Prozent der Muslime sind Schiiten, fast alle übrigen Sunniten.
Koran
"Koran" bedeutet in etwa "Das Vorzutragende" und beschreibt die Summe der Offenbarungen, die der Prophet Mohammed von Gott empfing - übermittelt durch den Erzengel Gabriel.

Bald nach dem Tod des Propheten (632 n. Chr.) begannen die Versuche, aus den bis dahin vor allem mündlichen Überlieferungen einen gemeinsamen, authentischen und schriftlich kodifizierten Koran zu kompilieren - ein Unternehmen, das erfolgreich war, denn heute gibt es zwar noch einige abweichende Lesarten des Koran, aber im Wesentlichen beziehen sich alle Muslime, egal ob Sunniten oder Schiiten, auf denselben Text.

Der Koran ist in Suren gegliedert, die wiederum aus Versen bestehen. Der Koran ist nach Länge der Suren geordnet - aber auch eine zeitliche Ordnung lässt sich einigermaßen sicher rekonstruieren. So unterschieden sich die sehr früh geoffenbarten Suren stilistisch und inhaltlich deutlich von den späteren, die weniger poetisch sind und zahlreiche klare Anweisungen enthalten.

Nach orthodox-islamischer Vorstellung ist der Koran (anders als die Bibel ) die wörtliche Rede Gottes - er ist deswegen unveränderlich und überall und zu jeder Zeit gültig. Das heißt aber nicht, dass er nicht der Interpretation zugänglich wäre: Zahllose islamische Gelehrte haben dem Koran in 14 Jahrhunderten immer wieder neue Facetten abgerungen und ihn für das tägliche Leben anwendbar gemacht.
Mohammed
Mohammed war der Empfänger des Koran : Ihm erschien der Erzengel Gabriel, er gab Gottes Offenbarung an die Mekkaner weiter. Die freilich wollten von der aufrührerischen neuen Lehre zunächst nichts wissen und ihren Polytheismus nicht aufgeben. Mohammed verließ seine Heimatstadt daraufhin und zog mit seinen ersten Unterstützern ins rund 300 Kilometer entfernte Yatrib, das spätere Medina. Dort stieg Mohammed bald zum Führer seiner stetig wachsenden Gemeinde auf. Schließlich schlossen sich auch die Mekanner dem Islam an.

Mohammed war Prophet, Richter, Heerführer und Herrscher in einer Person. Aber anders als etwa Jesus für die Christen ist er nach islamischer Ansicht weder sündenfrei noch mehr als ein Mensch gewesen. Gleichwohl gilt er den Muslimen als das beste Vorbild. Außer dem Koran sind die Sammlungen von Mohammeds Taten und Aussprüchen deshalb wichtige Texte für die islamische Glaubenspraxis und Rechtsfindung.

Mohammed entstammte einem verarmten Zweig eines wichtigen mekkanischen Stammes, den Koreischiten. Schon bevor ihm der Engel Gabriel erschien, soll er sich regelmäßig als Eremit zum Kontemplieren und Meditieren zurückgezogen haben - eine damals nicht völlig unübliche Praxis. Mit welchen anderen religiösen Vorstellungen Mohammed vertraut war, ob er Umgang mit christlichen oder jüdischen Religionsgelehrten hatte, ist ungewiss. Aber Mohammed war auch Kaufmann, er begleitete Karawanen, zum Beispiel in den syrischen Raum. Es ist wahrscheinlich, dass er dabei mit einer Vielzahl von Glaubensvorstellungen in Berührung kam.
"Corpus Coranicum"
Das Projekt "Corpus Coranicum", das an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt ist, hat sich drei große Aufgaben gestellt: Zum einen soll die Entstehungsgeschichte des Korantextes nachvollzogen und dokumentiert werden. Dabei soll es auch darum gehen, frühe Handschriften mit Koranfragmenten auszuwerten und unterschiedliche Lesarten des Korantextes darzustellen. Zum Zweiten wird eine Datenbank von "Texten zur Umwelt des Koran" erstellt. Diese sogenannten Intertexte sollen helfen, das geistige Klima zu rekonstruieren, in dem der Koran entstand. Schließlich sollen die neuen Daten und Erkenntnisse in einem Buchprojekt zusammengeführt und gedeutet werden.

Das Projekt wird geleitet von der Berliner Professorin Angelika Neuwirth; die Arbeitstelle besteht derzeit aus vier Wissenschaftlern.
"Intertexte"
Mit diesem Begriff beschreiben Neuwirth und ihr Team Texte, die sich zu bestimmten Passagen des Korantextes in Beziehung setzen lassen - dabei kann es sich um alttestamentarische Texte handeln, aber auch um christliche, christlich-apokryphe, altarabische, hellenistische oder noch andere Texte handeln. Es geht allerdings ausdrücklich nicht darum, vermeintliche Quellen des Koran zu identifizieren - sondern eher die "Kontrastfolie" (Neuwirth) zu dem, was der Koran sagt.

Ein Beispiel für einen Intertext: "Sprich: Er ist Gott, einer", heißt es in der 112. Sure des Koran. Neuwirth setzt diese Stelle in Beziehung zum Alten Testament, Deuteronomium 6,4: "Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer".

Hier könne man sehen, wie der Koran Altes aufgreift, um Neues zu sagen, meint die Islamforscherin. So werde in der 112. Sure keine bestimmte Gemeinschaft mehr adressiert, wie zuvor noch die Juden ("Israel") in der alttestamentarischen Passage. Sondern es stehe da, in denkbar karger, aber umso deutlicherer Form: "Er ist Gott, einer".

Zugleich sei in diesem Fall durchaus von einer bewussten Anspielung des Koran auf Deuteronomium 6,4 auszugehen. Denn das Arabische "ist an dieser Stelle grammatikalisch geradezu falsch", so Neuwirth - dafür aber analog zu der hebräischen Passage gebildet.