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Konzern-Übernahme: Mappus wickelte EnBW-Deal mit CDU-Freund ab

Es geht um ein Milliardengeschäft und eine Männerfreundschaft: Details der EnBW-Übernahme durch Baden-Württemberg stoßen bei Oppositionspolitikern auf Befremden. Denn Ministerpräsident Mappus wickelte den Deal mit der Investmentbank Morgan Stanley ab - wo ein guter Parteifreund das Sagen hat.

Baden-Württembergs EnBW-Deal: Mappus und der Freund bei Morgan Stanley Fotos
dapd

Stuttgart - Dieser Deal hat ein Geschmäckle: Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus hat die milliardenschwere Übernahme des Energiekonzerns EnBW mit einem engen Parteifreund als Geschäftspartner durchgezogen. Der CDU-Mann Dirk Notheis begleitete den Deal als Vorstandschef der Deutschland-Tochter der Investmentbank Morgan Stanley. Baden-Württemberg hat für 4,67 Milliarden Euro EnBW-Aktien gekauft und ist der Hauptanteilseigner an dem Konzern.

Die Landesregierung in Stuttgart bestätigte einen Bericht der "Stuttgarter Zeitung" über den Deal für Morgan Stanley. Der Auftrag sei gemäß den Regeln ohne Ausschreibung direkt vergeben worden, sagte ein Sprecher des Staatsministeriums. Pikant ist, dass Bank-Vorstand Notheis auch Beisitzer im Vorstand der CDU Baden-Württemberg ist und als enger Freund von Mappus gilt.

Wie viel Morgan Stanley an dem Geschäft verdient hat, wollte die Regierung in Stuttgart nicht sagen. Die Höhe der Vergütung sei vertraulich, zitierte die Zeitung das Staatsministerium. Allerdings habe der Betrag "weit" unter den von Branchenkennern geschätzten 0,8 Prozent der Transaktionssumme gelegen.

Notheis persönlich sei an der Vorbereitung und Umsetzung der Transaktion zentral beteiligt gewesen, berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Er habe zusammen mit Mappus auch die Gespräche beim französischen Staatskonzern Electricité de France (EdF) geführt, der das Aktienpaket verkaufte. Das "Handelsblatt", das ebenfalls über den Deal berichtet, zitiert Unternehmenskreise mit dem Hinweis, nicht die große Nähe der Chefs, sondern die große Expertise der Bank im Geschäft mit Frankreich sei ausschlaggebend gewesen.

Eine Papst-Audienz mit dem Freund

Neben der Transaktion an sich gehört laut Staatskanzlei zu dem Geschäft auch die Abwicklung des Übernahmeangebots an die freien Aktionäre und die Vorbereitung der Finanzierung. Baden-Württemberg will EnBW langfristig nicht komplett behalten - und seine Anteile zu einem späteren Zeitpunkt in erheblichen Teilen oder komplett an die Börse bringen. Dazu bräuchte es wieder eine Investmentbank. Derzeit gebe es jedoch "keine konkrete Projektsituation, die zur Mandatierung ansteht", zitierte die Zeitung die Regierung.

Der 42-jährige Notheis war in den neunziger Jahren Landeschef der Jungen Union. Seit knapp zwei Jahren ist der Ökonom Vorstandschef der deutschen Tochter von Morgan Stanley. Die Investmentbank machte bereits früher Geschäfte mit dem französischen EdF-Konzern. 2002 beriet das Kreditinstitut die französische Regierung bei der Privatisierung der EdF. 2005 half sie bei der Organisation des Börsengangs des Unternehmens.

Als Mappus den EnBW-Deal am Montag offiziell verkündete, war Notheis nicht mit dabei. Bei anderen Anlässen, ließ sich der Bankchef aber blicken. So saß er auf der Besuchertribüne, als Mappus im Februar im Landtag als Regierungschef vereidigt wurde. Als der Ministerpräsident zu einer Papst-Audienz nach Rom reiste, nahm er laut der Zeitung neben anderen auch Notheis mit. Beim französischen EdF-Konzern habe man dem Banker wegen seiner Freundschaft zu Mappus sogar den Spitznamen "der Zwilling" verpasst, heißt es.

Im baden-württembergischen Landtag macht sich angesichts des Geschäfts und der Nähe von Mappus und Notheis bereits Unmut bemerkbar. "Man kann sich nur wundern, welchen Einfluss hier alte politische Seilschaften im Verborgenen auf die Politik des Landes nehmen", sagte der Grünen-Vizefraktionschef Franz Untersteller.

mmq/dpa-afx

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1. Ach...
husker 10.12.2010
Zitat von sysopEs geht um ein Milliardengeschäft und eine Männerfreundschaft: Details der EnBW-Übernahme durch Baden-Württemberg stoßen bei Oppositionspolitikern auf Befremden. Denn Ministerpräsident Mappus wickelte den Deal mit der Investmentbank Morgan Stanley ab - wo ein guter Parteifreund das Sagen hat. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,733893,00.html
Drei von vier Unternehmenschefs sind in Baden-Württemberg CDUler. Außerdem haben die ja auch schon früher mit der EDF gearbeitet, wie es auch im Artikel steht.
2. was soll das
Juergen Wolfgang, 10.12.2010
Zitat von sysopEs geht um ein Milliardengeschäft und eine Männerfreundschaft: Details der EnBW-Übernahme durch Baden-Württemberg stoßen bei Oppositionspolitikern auf Befremden. Denn Ministerpräsident Mappus wickelte den Deal mit der Investmentbank Morgan Stanley ab - wo ein guter Parteifreund das Sagen hat. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,733893,00.html
Mappus sichert sich schon mal einen Posten bei Morgan Stanley Nach der LTW in BW wird er dort einen Posten übernehmen...wetten?? Oder bei der ENBW So deutlich und durchschaubar wie in der letzten Zeit die Politik ihre Korruption zeigt ist erschreckend. Oder ist es der Anfang vom Ende und wir (die Bürger) wissen es noch nicht und die Politik schaut zu das sinkende Schiff (Deutschland) schnell zu verlassen.
3. warum in die Ferne schweifen --- ?
weltbetrachter 10.12.2010
... wenn das GUTE doch so nahe ist. Man hätte ja auch ein Institut nehmen können, das in Deutschland ansässig ist und hier Steuern zahlt. Oder ist z.B. die Landesbank Baden-Württemberg vielleicht nicht in der Lage ein solches "positives Geschäft" durchzuführen? Können die vielleicht nur "Verlustgeschäfte" ???
4. Korruption und Privatisierung
josh67 10.12.2010
Das ist leider die traurige Realität bei fast allen politischen Geschäften. Meines erachtens gehören die Grundversorgungen der Bürger, also Wasser, Energie, Gesundheit und öffentliche Verkehrsmittel nicht in private Hände. Das hat in allen Ländern bisher nur dazu Geführt, dass alles überteuert ist und die Qualität auf ein mindestmaß beschränkt wird. An der Börse haben diese "Institutionen schon gar nix verloren. Durch die Privatisierungen wurden nur kurzzeitig ein bischen Geld generiert, was aber im Laufe der Zeit zum vielfachen an die Aktionäre zurück fließt. Am Beispiel unseres Gesundheitssystems ist am besten zu sehen wohin Privatisierung führt. Das Geld fehlt weil private Krankenhäuser und Pharmaunternehmen Gewinne in Milliardenhöhe abschöpfen.
5. so what?
SirTurbo, 10.12.2010
so what? Ist es denn zB bei S21 anders gelaufen? Geht doch nur darum, daß die "feinen Herren" sich schön die Taschen vollmachen mit den Geldern die die arbeitende Bevölkerung erwirtschaftet.
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