Koran-Hasser Jones Zündler mit deutscher Vergangenheit

Der US-Fundamentalist Terry Jones, der am 11. September in Florida Korane verbrennen will, hetzte noch bis vor kurzem in Köln gegen Muslime. Ehemalige Gemeindemitglieder berichten von Hasspredigten, Spendendruck und Arbeitszwang. Vergangenes Jahr warfen sie ihn raus.

AP

Von Yassin Musharbash und Dominik Peters


Berlin - Eine fundamentalistische Winz-Gemeinde in Florida hält die Welt in Atem. Das Weiße Haus verurteilt ihren Plan, muslimische Organisationen in der gesamten Welt warnen vor den Folgen. Doch Terry Jones und seine Mitstreiter halten an ihrem Vorhaben fest, am kommenden Samstag, dem Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001, auf ihrem Gemeindegelände in Gainesville, Florida, hunderte Koran-Exemplare zu verbrennen.

Natürlich ist auch bei den radikalen Islamhassern angekommen, dass ihre gezielte Provokation Proteste und möglicherweise gewalttätige Ausschreitungen auslösen kann. Aber sie waschen ihre Hände in Unschuld. "Lasst uns eins klarstellen", schreiben die Koran-Zündler in ihrem Blog, "als kleine Kirche, die in einer kleinen Stadt Bücher aus ihrem Besitz auf ihrem eigenen Gelände verbrennt, sind wir nicht verantwortlich für gewalttätige Reaktionen, die irgendjemand als Vergeltung für unseren Protest unternimmt."

Der Mann hinter der Aktion ist der Pastor der Gemeinde, des "Dove World Outreach Center", einer Kirche, die sonntags gerade einmal 50 Gläubige vom radikalen Rand der evangelikalen Bewegung aufsuchen. Der 58 Jahre alte ehemalige Hotelmanager Terry Jones ist der Autor des Hass-Pamphlets "Islam is of the Devil".

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In den USA ist er bereits mehrfach als islamophober Provokateur aufgefallen. Weniger bekannt ist hingegen, dass der Mann mit dem markanten Schnauzbart bis 2009 in Köln eine charismatisch-evangelikale Gemeinde führte. Erst im vergangenen Jahr setzten ihn die Gemeindemitglieder wegen seiner Radikalität vor die Tür.

Ein "Klima von Angst und Kontrolle" habe bei ihm in der Gemeinde geherrscht, berichtet ein ehemaliges Mitglied, das nicht namentlich genannt werden will. An die Stelle freier Meinungsäußerung sei "blinder Gehorsam" getreten. Der Pastor und seine Ehefrau hätten sich als von Gott eingesetzt betrachtet, Widerspruch war mithin ein Vergehen gegen den Herrn. Mit diesen Methoden, berichten Zeitzeugen übereinstimmend, hätten Jones und Ehefrau Sylvia immer eindringlicher nach Geld gefragt - und Arbeitsdienste verteilt.

Der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche im Rheinland, Andrew Schäfer, bestätigt das: "Terry Jones ist ein Fundamentalist", sagte er SPIEGEL ONLINE. Bis heute müssten ehemalige Gemeindemitglieder therapeutisch betreut werden - Schäfer spricht von "geistigem Missbrauch". So habe Jones Gemeindemitglieder dazu gedrängt, ihre Kinder mit der Rute zu züchtigen und zudem eine "ausgeprägte Dämonenlehre" und Gehirnwäsche betrieben.

"Scheinbar wahnhaft entwickelte Persönlichkeit"

"Terry Jones hat eine scheinbar wahnhaft entwickelte Persönlichkeit", mutmaßt Schäfer. Jones habe, als er in den Achtzigern nach Deutschland kam, Köln als eine "Stadt der Hölle und von der Mutter Neros gegründet" betrachtet - und Deutschland als "Schlüsselland für die vermeintlich christliche Erweckung Europas" angesehen.

Mit anscheinend großer Energie und Überzeugungskraft forcierte Terry Jones den Ausbau seiner Gemeinde - am Ende, so schätzt Schäfer, waren es "zwischen 800 und 1000 Mitglieder". Die mussten in den "Lisa-Jones-Häusern", nach Jones erster, mittlerweile verstorbenen Ehefrau benannten karitativen Einrichtungen arbeiten. Allerdings, wie Schäfer berichtet, ohne Sozialversicherung und in "prekären Arbeitsverhältnissen".

Bis heute bestehe zudem der Verdacht, dass die Verkaufserlöse von gespendeten Kleidern und Möbeln zum Teil in die Taschen des Predigers gelangten. Der wurde 2002 überdies zu einer Geldstrafe verurteilt, wie der "Kölner Stadtanzeiger" seinerzeit berichtete, weil er unberechtigt einen Doktortitel getragen hatte. Den hatte er 1983 von einer amerikanischen Einrichtung mit dem Namen "California Graduate School of Theology" bekommen.

Die Gemeinde ist "implodiert"

Jones wurde mit den Jahren immer radikaler, heißt es aus seinem früheren Umfeld. Einem homosexuellen Mitglied wollte er helfen, seine "Sünde wegzubeten". Doch später ging es nicht mehr nur gegen Schwule und den vermeintlich feindlich gesinnten Staat - sondern zunehmend gegen den Islam. Ein Gemeindemitglied berichtet, dass die Gläubigen teilweise Angst gehabt hätten, zum Gottesdienst zu kommen, weil sie buchstäblich erwarteten, von Muslimen attackiert zu werden. "Terry Jones hat ein Talent dafür, gesellschaftlich relevante Themen zu finden und sie für seine Sache einzuspannen", sagt Schäfer.

Von Ende 2007 an hatte die Gemeinde jedenfalls genug. Es habe Aussprachen gegeben, berichten Mitglieder, und Versuche, den Kurs zu korrigieren. Doch Terry Jones war dafür nicht zu haben. Aber die Gemeindemitglieder blieben ebenfalls stur. Schlussendlich wurde er mitsamt seiner Frau und den Hilfspredigern ausgeschlossen und setzte sich in die USA ab. "Die Gemeinde ist implodiert", bestätigt Schäfer. Heute soll sie noch rund 80 aktive Mitglieder haben.

Nun wird er wegen seiner geplanten Koran-Verbrennungen international verurteilt. Doch der Sektenbeauftragte Schäfer sieht in Terry Jones nur noch einen Fanatiker, der ein "kümmerliches Rest-Dasein" friste und sich nun am globalen Medien-Hype ergötze, da er nach seiner Flucht aus Deutschland den "immensen Macht- und Bedeutungsverlust" nicht verkraftet habe.

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Mr.Threepwood 08.09.2010
1. ahaa
es geht doch aber bei der aktion um den symbolwert, nicht um die person. usa das land der freien meinugsäusserung. an naziaufmärschen in den usa mit hakenkreuzflaggen etc. stört sich doch weltweit auch niemand.
peterpaul11 08.09.2010
2. Die Angst vor den islamischen Terroristen ist wie die Angst vor einem Pitbull
In den USA und in Europa hat man Angst vor den Folgen von anti-islamistischen Taten. Das ist genauso, wie wenn man die Straßenseite wechselt, wenn man einen Kampfhund sieht. Die Lösung des Problems ist aber nicht die Straßenseite zu wechseln, sondern die Kampfhunde zu verbieten und durchzusetzen, dass keine mehr gezüchtet werden.
esopherah 08.09.2010
3. nicht schön aber gut dass ers darf
das ist meinungsfreiheit! Jedem halbwegs gebildeten muss bei diesen idioten schlecht werden. Das hat aber gar nichts damit zu tun, dass auch die größten deppen ein recht auf frei meinungsäusserung haben.
Catweazle123, 08.09.2010
4. deutsche Vergangenheit?
Und was ist nun an der Vergangenheit deutsch? Habe ich eine japanische Vergangenheit, weil ich länger in Japan gelebt habe?
SaT 08.09.2010
5. warum wird darüber berichtet?
Wenn ein Irrer Bücher verbrennen will kann man dies halt nicht verhindern. Wie wäre es wenn unsere Medien einfach mal gar nicht berichten würden? Dann würde die Provokation ins Leere laufen. Es ist zu einfach ein Weltstar zu werden :-(
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