Kosovo-Unruhen Schwere Vorwürfe gegen BND

Laut einem Bericht des Zweiten Deutschen Fernsehens hat der Bundesnachrichtendienst schon Wochen vor den brutalen Übergriffen radikaler Kosovo-Albaner gegen Serben im vergangenen März von deren Plänen gewusst. Ein Informant des BND, der der Qaida nahestehe, habe die Unruhen in der südserbischen Provinz mitorganisiert.


Pristina, März 2004: Schwere Ausschreitungen von Kosovo-Albanern
AP

Pristina, März 2004: Schwere Ausschreitungen von Kosovo-Albanern

Mainz - Der deutsche Geheimdienst habe bereits drei Wochen vor dem schweren Gewaltausbruch mit 19 Toten und 1000 Verletzten mitgehört, berichtet das ZDF. Dabei habe man erfahren, wie ein Islamist die Aktion vorbereitete. Der Mann, der laut ZDF Kontakte zum Terror-Netzwerk al-Qaida unterhält, habe seinen Gesprächspartner angewiesen, in zwei bis drei Wochen im Raum Urosevac im südlichen Kosovo für "Bombenstimmung" zu sorgen.

Wenige Tage später habe er mitgeteilt, in Prizren "sei bereits alles für eine heiße Party vorbereitet". Sein Gesprächspartner habe beklagt, er habe nur Schwierigkeiten, genügend Busse für den Transport von militanten Kosovo-Albanern zu organisieren. Der Islamist soll dem Bericht zufolge Samedin Xhesairi heißen und bezahlter Informant des BND gewesen sein. Bekannt sei er unter dem Kampfnamen Hoxha. Dies hätten mehrere Quellen dem Fernsehsender bestätigt. Der Bundesnachrichtendienst lehnte es laut ZDF ab, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Am 17. und 18. März hatten 58.000 Kosovo-Albaner mit Gewalt gegen die serbische Minderheit demonstriert, die sich in diesem Gebiet bis dahin noch gehalten hatte. Auch die Mitarbeiter der Uno-Übergangsverwaltung und Kfor-Soldaten gerieten ins Visier der Extremisten. Es waren die schwersten Ausschreitungen seit dem Ende des Kosovo-Krieges.

Während der Gewalttätigkeiten war auch ein Serbe im deutschen Verantwortungsbereich in Prizren getötet worden. Laut einem Mängelbericht der Bundeswehr, waren die Bundeswehr-Soldaten weder mental auf die Gewalttaten vorbereitet noch mit Reizgas oder Schutzschilden ausgerüstet.



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