Atommüll: Altmaier rechnet mit Milliardenkosten für Endlager-Suche

Protest gegen Castor-Transport nach Gorleben: Wo wird Atommüll künftig zwischengelagert? Zur Großansicht
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Protest gegen Castor-Transport nach Gorleben: Wo wird Atommüll künftig zwischengelagert?

Fünf Standorte für ein Atommüllendlager sollen nach Informationen des SPIEGEL näher geprüft werden. Das Umweltministerium von Peter Altmaier kalkuliert dafür Kosten von über zwei Milliarden Euro. Bezahlen sollen das die AKW-Betreiber - doch die wehren sich.

Hamburg - Bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Müll aus deutschen Atomkraftwerken sollen nach Informationen des SPIEGEL fünf Standorte näher geprüft werden. Das geht aus dem Entwurf des Endlagersuchgesetzes hervor, das Umweltminister Peter Altmaier (CDU) am Dienstag mit den Ministerpräsidenten beschließen will.

Für die Prüfung werden je Standort etwa hundert Millionen Euro kalkuliert. Zwei Möglichkeiten könnten dann mit Erkundungsbergwerken näher untersucht werden - zu je einer halben Milliarde Euro. Das Auswahlverfahren soll 2031 abgeschlossen sein.

Für die Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Verfahren und die Arbeit einer neu zu schaffenden Behörde veranschlagt das Ministerium insgesamt 300 Millionen Euro. Alles in allem wird die neuerliche Suche nach einem Endlager über zwei Milliarden Euro betragen. Für den bislang als Endlager geplanten Salzstock Gorleben wurden bereits 1,6 Milliarden Euro ausgegeben.

Zahlen sollen das alles laut Gesetzentwurf die "Abfallablieferungspflichtigen", also die AKW-Betreiber. Von denen kommt aber Widerstand. "Solange es keine Gründe gibt, die gegen Gorleben sprechen, muss die Politik auch die Kosten für eine neue Suche übernehmen", heißt es aus Betreiberkreisen. Auch erwäge man, Schadensersatz für die eineinhalb Milliarden Euro zu verlangen, die Gorleben die Industrie bislang gekostet hat.

Das von Altmaier geplante Gesetz soll zugleich unterbinden, dass weitere zwei Dutzend Castoren mit hochradioaktivem Material aus der Wiederaufbereitung im britischen Sellafield und im französischen La Hague in Gorleben aufbewahrt werden. Die Landesregierung Schleswig-Holsteins hat für Castoren aus Sellafield das Lager am Kernkraftwerk Brunsbüttel angeboten.

Für die Behälter aus Frankreich kämen möglicherweise Zwischenlager beim baden-württembergischen AKW Philippsburg und dem Meiler im hessischen Biblis in Frage. "Wir sind da gesprächsbereit", sagt der Sprecher der grün-roten Landesregierung in Stuttgart, "wir hoffen aber auch, dass dies ebenfalls für die hessische Landesregierung gilt."

Kretschmann für "vertrauensbildende Maßnahme"

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) betonte am Sonntag die Bereitschaft seiner Landesregierung, sich an Lösungen zur Atommüll-Zwischenlagerung zu beteiligen. "Wir sind grundsätzlich offen dafür", sagte er in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Dabei handele es sich um eine "wichtige vertrauensbildende Maßnahme" gegenüber Niedersachsen.

Zum niedersächsischen Gorleben als möglichem Ergebnis bei der Endlagersuche sagte Kretschmann: "Gorleben gehört dazu wie jeder andere Standort auch. Also es geht hier um Vertrauen bei dieser Frage, und insofern sind wir auch grundsätzlich bereit, dafür Verantwortung zu übernehmen."

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insgesamt 230 Beiträge
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1. Das muss ein Ende haben
gekko88 07.04.2013
Kernenergie wurde bisher immer als kostengünstig und sauber gepriesen. Beides eine Farce. Günstig ist sie nur, weil bisher der Gesetzgeber für die Entsorgungskosten aufkam und von sauber kann angesichts der Endprodukte, die wir einfach nach dem Motto "Aus den Augen aus dem Sinn" unter der Erde verstecken, erst recht nicht sprechen.
2. Na wat denn? Atomstrom ist doch so billig!
Gluehweintrinker 07.04.2013
Zitat von sysopFünf Standorte für ein Atommüllendlager sollen nach Informationen des SPIEGEL näher geprüft werden. Das Umweltministerium von Peter Altmaier kalkuliert dafür Kosten von über zwei Milliarden Euro. Bezahlen sollen das die AKW-Betreiber - doch die wehren sich. Kosten in Milliardenhöhe für Entsorgung des deutschen Atommülls - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kosten-in-milliardenhoehe-fuer-entsorgung-des-deutschen-atommuells-a-892926.html)
Und die Befürworter dieser Dinosauriertechnik werden dennoch nicht müde werden, den "Preisvorteil" des Stomstroms zu preisen. Jeder der solchen Schwachsinn öffentlich behauptet, sollte mit einem Privat-Castor im Vorgarten belohnt werden. Gefüllt natürlich mit standesgemäß strahlendem Inhalt. Stellt man es clever an, könnte man die Abwärme zur Wohnraumheizung verwenden.
3. KKW Betreiber haben Gorleben finanziert
Eutighofer 07.04.2013
Die KKW-Betreiber haben die Erkundungskosten von Gorleben zu über 90% finanziert. Bisher spricht nach wissenschaftlichen Kritierien (Bundesanstalt für Rohstoffe und Geowissenschaften) NICHTS gegen Gorleben. Eine neue Suche ist ausschließlich politisch begründet und hat mit Wissenschaft nichts zu tun.
4. Wer sonst ?
jahiro 07.04.2013
Soll dies wieder ein weiteres Beispiel werden für "Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren ?". Wer sonst ausser die Verursacher für den Müll sollen denn zahlen ? Hätte nicht gedacht, dass wir schon so früh sehen/ zu spüren kriegen werden, dass Atomstrom eben doch nicht so billig ist, wie behauptet ... und dies ist ja nur der Anfang. Ab 2031 müssen dann die lecken Fässer ins neue Lager gebracht werden .... Da sollte man schon mal eine Datenbank mit all denjenige anlegen, die in den letzten Jahren und bis dahin Atomstrom bezogen haben, damit man diese dann für den Abtransport heranziehen kann .... ich sehe nicht ein, dass ich und andere jahrelang für Ökostrom extra zahlen und auch noch die Schweinerei wegmachen soll. Also liebe Atomstrombezieher, spart schon mal auf einen Bleianzug, den werden Ihr beim schleppen leckender Fässer gut gebrauchen können !
5. optional
paloo 07.04.2013
Schön, dass wir den atomaren Abfall auch aus internationalen Pannenmeilern wie Sellafield (ehemals Windscale, Stufe 5 Unfall auf der 7 Punkte Skala in 1957) aufbewahren dürfen, wenn der Ausstieg hierzulande doch beschlossene Sache ist...
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