Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Polizei bei Fußballspielen: Wer kicken lässt, soll zahlen

Ein Kommentar von

Polizeieinsatz beim Derby Nürnberg vs. Fürth: Wer trägt künftig die Kosten? Zur Großansicht
DPA

Polizeieinsatz beim Derby Nürnberg vs. Fürth: Wer trägt künftig die Kosten?

NRW will künftig weniger Beamte als Einsatzkräfte zu bestimmten Fußballspielen schicken. Doch das ist der falsche Weg. Zahlen sollten die Verursacher - Ligaverband und Verein.

Fußball ist ein wunderbares Spektakel - und am wunderbarsten im Stadion. Leider gibt es Menschen, die weniger am Spiel als an Randale interessiert sind. Deshalb sind in Deutschland Wochenende für Wochenende Zehntausende Polizisten unterwegs, um die schlimmsten Schlägereien in den Stadien und drumherum zu unterbinden.

Das kostet die Bundesländer jedes Jahr zig Millionen Euro - denn Polizeieinsätze sind in Deutschland zunächst Ländersache. Nachvollziehbar ist das nicht. Aber im Land des viermaligen Weltmeisters ist Fußball König und die Lobby der Profiklubs gewaltig. Und so haben selbst die klammen Länder bis zuletzt gezahlt und geschwiegen.

Nun hat ausgerechnet das kleine Bremen als erstes Land aufbegehrt. Den Vorstoß des dortigen Innensenators, die Deutsche Fußball Liga (DFL) künftig an den Einsätzen bei sogenannten Risikospielen zu beteiligen, torpedierte die mächtige DFL umgehend. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) entzog Bremen ein Länderspiel. Aber die Kostendebatte ist wohl nicht mehr zu stoppen.

Den Vorschlag aus der Hansestadt mag mancher noch belächelt haben, aber nun mischt sich auch Nordrhein-Westfalen in die Debatte ein: Der Innenminister des bevölkerungsreichsten Bundeslands will künftig einfach weniger Polizisten zu Spielen schicken, bei denen keine schlimmen Krawalle zu erwarten sind.

Das könnte eine Lösung für die Bundesländer sein. Aber sauberer ließe sich das Problem Sicherheit vs. öffentliche Haushaltsnot wohl über das Bremer Modell klären: Nicht weniger Polizisten bei Fußballspielen als bisher, aber dafür eine Kostenbeteiligung der Verbände oder Vereine. So wird es beispielsweise in England oder Frankreich praktiziert. Berechnen ließe sich das - anders als von der Fußball-Lobby behauptet - ohne Probleme. Schließlich stellt in Deutschland regelmäßig die eine Landesregierung der anderen die Kosten für ausgeliehene Polizisten bei Großeinsätzen in Rechnung.

Natürlich würde ein Beteiligungsmodell einen immensen Kraftakt bedeuten, denn die harsche Reaktion auf den Bremer Vorstoß zeigt den Widerstandswillen der Fußball-Lobby. Aber nur weil etwas jahrzehntelang funktioniert hat, muss es nicht auf alle Zeiten Bestand haben. Zudem ist das Verursacherprinzip ein bekanntes Element des deutschen Rechtsstaats.

Dazu kommt: Auch wenn sie es nach Möglichkeit vermeiden möchten - die DFL und die meisten Vereine könnten sich eine Beteiligung an den Kosten problemlos leisten. Fußball ist ein Millionengeschäft. Und wo das nicht der Fall ist, beispielsweise im Osten des Landes, wäre sicherlich eine gütliche Einigung der Klubs mit der öffentlichen Hand möglich - so wird das beispielsweise bei finanzschwachen Vereinen in Frankreich gehandhabt.

Und wer weiß - vielleicht hätte ein Kostenbeteiligungsmodell am Ende auch noch einen weiteren Effekt: Dass die DFL und die Vereine aus monetären Gründen mehr dafür tun, dass ihre Anhänger sich friedlicher verhalten.

Zum Autor
Jeannette Corbeau

Florian Gathmann ist Redakteur im Parlamentsbüro von SPIEGEL ONLINE in Berlin.

E-Mail: Florian_Gathmann@spiegel.de

Mehr Artikel von Florian Gathmann

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 333 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Personalkosten
hansgustor 05.08.2014
Für die größeren Bundesländer macht es doch keinen Unterschied. Das Personal ist da und muss bezahlt werden oder wird jetzt gleich auch ein Einstellungsstopp verhängt?
2. völlig richtig
jonas4711 05.08.2014
und verständlich. warum soll die Allgemeinheit dafür bezahlen wenn die Veranstalter Chaoten in das Stadion lassen. mit den Eintrittsgeldern wird viel Geld verdient. es bietet sich an, die Kosten des Polizeieinsatzes auf den Kartenpreis aufzuschlagen!
3.
Boesor 05.08.2014
Naja, ein Kommentar muss eben nicht sonderlich sachlich oder hut begründet sein, ansonsten hätte mich vor allem der letzte absatz sehr interessiert. Auch die Rolle der Polizei könnte man kritischer und differenzierter betrachten. Aber es ist ja nur ein Kommentar...
4. wenn ein Verein
jonas4711 05.08.2014
Millionen Euro für die Spieler ausgeben kann, dann hat er auch noch das Geld, die demgegenüber lächerlich geringen Kosten der Polizeieinsätze zu zahlen.
5. Rechtsstaat
ollifast 05.08.2014
Wir hatten einmal eine Zeit, in der unserer Grundgesetz auch der Politik noch etwas galt und Grundwerte über kurzfristigen fiskalpolitischen Interessen standen. Richtig ist: Wer in seinem Stadion eine Veranstaltung abhält, zahlt dort für die Sicherheit. Genau das tun die Vereine und beschäftigen einen Ordnungsdienst. Aber: Auf öffentlichem Grund hat der Staat zu Recht gemäß unserer Verfassung das Gewaltmonopol, für eine ordentliche Polizei zahlen wir ordentlich Steuern, und zwar nicht zu knapp. Übrigens auch die Bundesligavereine. Wenn das dann immer noch nicht reicht, weil die liebe Politik die Kohle sinnlos rausballert, ist es nicht Aufgabe der Vereine, eine Privatpolizei zu finanzieren. Es DARF dies auch nicht die Aufgabe der Vereine sein, denn wer zahlt, schafft bekanntlich an. Der nächste Schritt wäre nämlich dann, dass diese Einnahmen fest eingeplant werden und sodann besteht sehr wohl - vielleicht nicht beim Fußball, aber bei anderen Großereignissen - die Möglichkeit der Einflussnahme: "Also Jungs, wenn ihr wollt, dass wir weiter veranstalten und euch finanzieren, dann gehen aber die nächsten 10 Knöllchen auf euer Haus!" Soweit scheint aber der "Kohle Kohle her" Kommentator des Spiegel nicht zu denken. Merke: Es gibt nicht nur "sozial sozial und pöse reiche Kapitalisten", es gibt auch eine Verfassung und einen Rechtsstaat. Und ja, der kostet Geld. Im Übrigen gibt es im Rechtsstaat auch so was wie Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit, dafür ist unser Land in aller Welt geschätzt. Dazu gehört, dass Vereinbarungen, wie z.B. die über die Aufteilung der Aufgaben, wie schriftlich zwischen Ländern und DFB eingehalten werden. Auch dann, wenn die Staatsknete knapp ist. Weil: Der Weg in die Bananenrepublik und dessen wirtschaftliche Folgen für Investitionen ist auf Dauer noch teurer als das Bezahlen der Polizeibeamten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Vote
Polizeikosten beim Fußball

Bremens Senat will die DFL an den Sicherheitskosten für Risikospiele beteiligen. Eine gute Idee?



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: