Krauschwitzer Bürgermeister Püschel Ex-SPD-Mann kandidiert für die NPD

Er ist ein Sozialdemokrat der ersten Stunde in Sachsen-Anhalt - nun wechselt der Krauschwitzer Bürgermeister Hans Püschel die Seiten: Er tritt als NPD-Kandidat bei der Landtagswahl an. Püschel äußerte sich zuletzt mehrfach positiv über die Rechtsextremisten, die SPD wollte ihn deshalb aus der Partei werfen.

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Ex-Sozialdemokrat und NPD-Landtagskandidat Püschel: "Ich hab' Lust auf was Neues"
Peter Lisker

Ex-Sozialdemokrat und NPD-Landtagskandidat Püschel: "Ich hab' Lust auf was Neues"


Berlin/Krauschwitz - Mit seiner ehemaligen Partei empfindet er nur noch Mitleid. Aber das geht immerhin so weit, dass Hans Püschel sagt: "Ich habe der SPD meinen Austritt bereits mitgeteilt, um dem Ausschlussverfahren zuvor kommen - das möchte ich den Leuten ersparen." Nur das Parteibuch will er behalten, "als Andenken". Was der Krauschwitzer Bürgermeister seinen ehemaligen Genossen allerdings nicht mitgeteilt hat, sind seine künftigen politischen Pläne: Der Mann aus Sachsen-Anhalt wird bei den Landtagswahlen im März als Kandidat für die NPD antreten. "Ja, das stimmt", sagt Püschel am Telefon, allerdings wolle er nicht in die Partei eintreten.

Für die Sozialdemokraten in Sachsen-Anhalt ist es ein schwerer Schlag. Püschel, 62, gründete einst die SPD in dem Bundesland mit. Er gilt als erfahrener Kommunalpolitiker, zeitweise saß er sogar im Landesparteirat.

Dagegen kann die NPD ihr Glück kaum fassen: Die Püschel-Kandidatur ist ein Riesen-Coup für die Rechtsextremisten, entsprechend euphorisch feiert man ihn auf der Partei-Webseite und nahestehenden Angeboten im Netz. Landeschef Matthias Heyder höchstpersönlich hat Püschel die Bewerbung für den Wahlkreis Hohenmölsen-Weißenfels angetragen. Der designierte NPD-Direktkandidat Hans Püschel ist ein Mann mitten aus der Gesellschaft, mit einer siebenjährigen Unterbrechung regiert er seine 560-Einwohner-Gemeinde seit 1990. Sein Geld verdient Püschel mit Immobilien.

Püschel ist auch ein Mann, der sich seit Wochen ungerecht behandelt fühlt: Anfang November hatte er den NPD-Bundesparteitag im nahen Hohenmölsen besucht und sich darüber anschließend sehr wohlwollend geäußert. "Beinahe wie auf einem SPD-Parteitag" habe er sich gefühlt und "kaum einen Satz gefunden, den ich nicht selbst hätte unterschreiben können", teilte der Krauschwitzer Bürgermeister in einer Art Erlebnisbericht mit. Die Sozialdemokraten reagierten empört, Landeschefin Katrin Budde distanzierte sich von Püschels Äußerungen. Auch von einem Parteiausschluss-Verfahren war die Rede.

Nur Rüdiger Erben, Chef der SPD im Burgenlandkreis und Staatsekretär im Landesinnenministerium, mahnte zur Zurückhaltung. Weil er Püschel lange genug kennt - und daher wohl ahnte, dass ein Mann wie der Krauschwitzer Bürgermeister auf öffentlichen Druck mit einer Mischung aus Starrsinn und Heldentümlerei reagiert.

Püschel stellt fragwürdige Analogien her

Genau das ist passiert. Püschel sieht sich als einer, der den Mut zur Wahrheit hat - und stellt dabei fragwürdige Analogien her. "Übermorgen vor 30 Jahren haben sie mich abgeholt, weil ich mit der Solidarnosc sympathisiert hatte", erzählt er, ein DDR-Gericht habe ihn damals zu einer Geldstrafe über 1000 Mark verurteilt. "Daran fühle ich mich erinnert", sagt Püschel im Dezember 2010. "Und weil ich deshalb 'ne richtige Wut habe, kandidiere ich nun für die NPD." Nach Auskunft des Landeswahlleiters ist das möglich, sofern der bisherige Direktkandidat für Hohenmölsen-Weißenfels formgemäß bis zum 31. Januar ab- und Püschel von der NPD angemeldet wird.

Dabei hatte ihm Kreis-Chef Erben noch eine goldene Brücke bauen lassen - nachdem Püschel von der Burgenland-SPD angehört wurde, beließ man es zunächst mit einer Rüge. Doch Püschel legte nach: Nicht die NPD gefährde den Staat, sondern die Parteien der Mitte. Diesmal konnte auch Erben nicht mehr anders: Er ließ die Schiedskommission der Kreis-SPD umgehend ein Ausschlussverfahren in Gang setzen.

Hans Püschel tut so, als ob er die Aufregung nicht verstehen könne. "Ich stelle mich doch nur neben die Leute, die Dresche kriegen." Und "die paar Altnazis in der NPD, um die sollen sich die Staatsanwälte kümmern". Unter den Jüngeren in der NPD sei ihm jedenfalls niemand negativ aufgefallen. "Die NPD muss in den Landtag und auch in den Bundestag, damit die Parteien der Mitte endlich vernünftig werden", sagt Püschel. Dabei wolle er mithelfen.

Deshalb wird sich sein Ex-Genosse Erben auch weiterhin mit ihm auseinandersetzen müssen: Püschel kandidiert im gleichen Wahlkreis wie er. "Wir werden Hans Püschel im Wahlkampf nicht schonen", sagt Erben. "Er tritt jetzt für eine Neonazi-Partei an."



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tombeyer66 21.12.2010
1. Wird Deutschland rassistischer?
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Deutschland immer mehr fremden- und islamfeindlicher wird. Habe in einem sehr interessanten Artikel http://www.aggromigrant.com/2010/11/12/deutschland-wird-islamfeindlicher/ diese Befürchtungen lesen können. Als ich diesen Beitrag gelesen habe fühle ich mich davon bestätigt.
Andreas Rolfes 21.12.2010
2. Achtung, Meldung machen!
Man stelle ich nur einmal vor, der "Sozialdemokrat der ersten Stunde" Püschel wäre zu einer linksradikalen Partei gegangen. Ob das dem Spiegel auch ne Meldung wert gewesen wäre??? Dennoch läßt sich aus dem "Fahnenwechsel" von Püschel noch kein allgemeiner Trend erkennen: Der Großteil der enttäuschten SPD-Mitglieder geht wohl immer noch zur Linken...
Sapientia 21.12.2010
3. Es ist doch gar nicht so verwunderlich....
Zitat von sysopEr ist ein Sozialdemokrat der ersten Stunde in Sachsen-Anhalt - nun wechselt der Krauschwitzer Bürgermeister Hans Püschel die Seiten: Er tritt als NPD-Kandidat bei der Landtagswahl an. Püschel äußerte sich zuletzt mehrfach positiv über die Rechtsextremisten, die SPD wollte ihn deshalb aus der Partei werfen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,735879,00.html
Um Volksvertretung geht es jedenfalls nicht, bereits daher ist es eigentlich gleich, auf welchem Weg man sich über eine Partei eine Karriere verspricht; insoweit ergibt sich ja auch eine auffällige Unklarheit der Konturen einer jeden Partei. Man geht oder wechselt dort hin, wo man sich am meisten Knete erhofft.
mr.gamer 21.12.2010
4. Das sehe ich genauso.
---Zitat--- Doch Püschel legte nach: Nicht die NPD gefährde den Staat, sondern die Parteien der Mitte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,735879,00.html ---Zitatende--- Damit hat er absolut recht. Vor geraumer Zeit habe ich mir einmal das Parteiprogramm der NPD durchgelesen. Da stand: 1. nichts drin, mit dem ich Probleme hätte. 2. vieles drin, mit dem ich voll und ganz einverstanden bin. Aus dem Grund bin ich auch selber schon am überlegen, ob ich mir diese Partei einmal aus der Nähe anschauen, bzw. mich entsprechend politisch betätigen soll. Vielleicht denken nach diesem mutigen Schritt des Bürgermeisters Hans Püschel noch mehr Menschen wie ich so. Das bisherige System ist sowieso fast am Ende. Die etablierten Parteien überaltern und haben genau die schweren Probleme angerichtet, die jetzt langsam ausbrechen, nämlich die verfehlte Ausländerpolitik und die vermurkste Europäische Einigung. Entgegen der landläufigen Meinung arbeiten die rechten Parteien auf europäischer Ebene zusammen, wobei sie keinen europäischen Zentralstaat anstreben, sondern ein Europa der Vaterländer. Durch wirtschaftliche Zusammenarbeit und gesellschaftlichen Austausch können sich die Völker im Laufe der Zeit besser kennenlernen. Vielleicht entsteht daraufhin nach und nach der Wunsch eines Zusammenschlusses der europäischen Völker zu einem gemeinsamen Staat. Ein solches Gebilde wäre stabil und damit viel mächtiger als dieser Mist, den wir heute haben. Ich habe schoneinmal geschrieben: Ein Haus baut man vom Fundament aus und nicht vom Dach.
black_dave 21.12.2010
5. Ot
Zitat von tombeyer66Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Deutschland immer mehr fremden- und islamfeindlicher wird. Habe in einem sehr interessanten Artikel http://www.aggromigrant.com/2010/11/12/deutschland-wird-islamfeindlicher/ diese Befürchtungen lesen können. Als ich diesen Beitrag gelesen habe fühle ich mich davon bestätigt.
Dem sog. "interessanten" Artikel kann ich rein garnichts abgewinnen.Wo soll der informativ sein?.Der Gesinnungswechsel von Ob Püschel ist nicht nachvollziebar. Ob er vllt nur provozieren möchte? Ganz frisch scheint sein Verhalten jedoch nicht zu sein.
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