Kreditaffäre "Welt" veröffentlicht Fragenkatalog an Wulff

In der Debatte um die Veröffentlichung von Medienanfragen an Christian Wulff prescht die "Welt" vor: Die Zeitung hat ihre eigenen Fragen und die Antworten des Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienaffäre ins Internet gestellt.


Berlin - Die Zeitungen "Welt" und "Welt am Sonntag" haben entschieden, alle Fragen, die sie in der Kredit- und Medienaffäre an Bundespräsident Christian Wulff geschickt haben, sowie die Antworten darauf auf ihrer Website unter www.welt.de/wulff-fragen zu veröffentlichen. Die Dokumentation zeige, wie karg manche Antworten ausfielen, und dass selbst Antworten auf Nachfragen bis heute vieles im Unklaren ließen, schreibt die Zeitung.

Wulff selbst hatte in einem Fernsehinterview angekündigt, den Katalog mit Fragen und Antworten öffentlich zugänglich zu machen. Umgesetzt wurde das Transparenzversprechen bisher aber nicht. Zur Begründung schrieb Wulffs Anwalt Gernot Lehr am Mittwoch in einer Pressemitteilung, er könne den Schriftverkehr mit Journalisten "aus Rechtsgründen" nicht veröffentlichen. Er berief sich dabei auf die Verschwiegenheitspflicht. Daraufhin haben mehrere Zeitungen, darunter "Bild", "Welt" und "Frankfurter Rundschau", den Anwalt in Bezug auf die eigenen Fragen und Antworten von seiner Verschwiegenheitspflicht entbunden. Auch der SPIEGEL würde gegen eine Veröffentlichung durch den Bundespräsidenten nicht vorgehen.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) meldet nun, dass Lehr zwei Mails des "Welt"-Redakteurs Jörg Eigendorf vom 21. und 22. Dezember mit aktuellen Fragenkatalogen an die "FAS" weiterreichte - ohne Zustimmung der "Welt" und des Redakteurs. Das Blatt zitiert Lehr mit den Worten, es habe sich um ein "bedauerliches Versehen" gehandelt und sei "nicht mit dem Bundespräsidenten abgestimmt" gewesen.

Lehr sagte SPIEGEL ONLINE am Donnerstag, die Mails seien Teil eines vertraulichen Hintergrundgesprächs mit dem Redakteur der "FAS" am 23. Dezember gewesen. Dieser habe ihm zugesagt, die Fragen nicht zu veröffentlichen, ihn dann aber an diesem Donnerstag überraschend angerufen, um mitzuteilen, dass er sich an die Zusage nicht gehalten habe, so Lehr. Nach Auffassung Lehrs ist dies eine grobe Verletzung der journalistischen Regeln. Das Weiterleiten der Mails ändere an seiner Einstellung zur allgemeinzugänglichen Veröffentlichung von Journalistenfragen im Internet nichts.

Die "FAS" wies die Darstellung Lehrs am Freitag zurück: Die Mails seien keineswegs Teil eines vertraulichen Hintergrundgesprächs gewesen. Lehr habe die Übersendung der Fragen mehrfach telefonisch angekündigt und sie dann per Mail an zwei Redakteure der Zeitung weitergeleitet. Veröffentlicht hat die "FAS" diese Mails nicht, das tat die "Welt" am Donnerstag selbst.

ffr/dapd



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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
doc 123 12.01.2012
1. Einfach NUR noch unfassbar!
Zitat von sysopIn der Debatte um die Veröffentlichung von Medienanfragen an Christian Wulff prescht die "Welt" vor: Die Zeitung hat ihre eigenen Fragen und die Antworten des Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienaffäre ins Internet gestellt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808839,00.html
Muss man echt einmal lesen, die Fragen auf dem Welt.de-Link und die Anworten von Wulffs-Anwalt, in dem ca. 5malig bestätigt wird, dass Wulff den Kredit von Frau Geerkens erhalten haben will, und dazu passend, den eben auf dem anderen Wulff-Blog eingestellten Bild.de-Link mit folgender Aussage: "Am vergangenen Wochenende hatte Edith Geerkens an ihrem Wohnort in Luzern (Schweiz) gegenüber BILD-Reportern erklärt, welche Rolle sie tatsächlich beim Darlehen spielt: „Ich habe mit alledem nichts zu tun.“" Damit ist jedenfalls zumindest einmal eindeutig geklärt, dass Wulff samt seinen Anwälten der Lüge überführt sind und der Kredit damit allenfalls von bzw. über Geerkens selbst oder vermutlich besser noch von einem unbekannten Dritten erfolgt ist!
arnold_s 12.01.2012
2. Lesenswerte WELT-Fragen und Antworten...
... sehr lesenwert. Und sehr wenig aufregenswert....
Klaschfr 12.01.2012
3. Skandalpresse
Zitat von sysopIn der Debatte um die Veröffentlichung von Medienanfragen an Christian Wulff prescht die "Welt" vor: Die Zeitung hat ihre eigenen Fragen und die Antworten des Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienaffäre ins Internet gestellt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808839,00.html
Wenn man sich die ganze Zusammenstellung in der "Welt" durchliest, kann man nur den Kopf schütteln. Wie kann man derart viel Zeit auf so einen Gegenstand verwenden. Aber vielleicht ist das so in der "Saure Gurken Weihnachtszeit" in den Redaktionen der Medien. Und so ergebnislos! ´Dem Spiegel rate ich, eine vergleichende Übersicht aller von den Medien gestellten Fragen und die Antworten zu erstellen und damit die nächste Ausgabe des Magazins zu füllen. Und dem Bundespräsidenten rate ich, die Auskunftei zu schließen und auf alles Weiter nicht mehr zu reagieren. Er hat andere Aufgaben zu erfüllen, als der Klatschpresse zur Auflagensteigerung zu verhelfen.
liberg7 12.01.2012
4.
Zitat von sysopIn der Debatte um die Veröffentlichung von Medienanfragen an Christian Wulff prescht die "Welt" vor: Die Zeitung hat ihre eigenen Fragen und die Antworten des Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienaffäre ins Internet gestellt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808839,00.html
Lohnt sich zu lesen, denn bei all diesen Fragen und Antworten wüsste ich nicht, was noch offen geblieben sein soll. Ich finde die Antworten recht ausführlich. Jedenfalls viel zu ausführlich für dieses wochenlange Theater.
fthoe 12.01.2012
5. Welt veröffentlicht
Ich konnte ein Schmunzeln beim lesen der Fragen/Antworten der "Welt" nicht unterdrücken. Leider hat man die Finger nicht die richtigen Wunden gelegt. Es ist kaum anzunehmen, dass die BW-Bank grundsätzlich von dem Grundsatz abweicht, dass der Verkehrswert der Wert st, der am Markt für eine Immonbilie erzielt werden kann. Dies ist gewöhnlich, der im Kaufvertrag vereinbarte Kaufpreis. Macht man hiervon die üblichen Abschläge für die Ermittlung des Sicherungswertes und des Beleihungswertes, dann ergibt sich ein doch recht stolzer unbesicherter Kredit. Selbst für einen Bundespräsidenten. Sicher ist auch, dass rein formal die Kreditvergabe im Rahmen der üblichen Kometenzen erfolgte. Nur die Frage ist, ob es da nicht vielleicht den für den Mitarbeiter erkennbaren Wunsch von Vorgesetzten gab, dass ein solcher kredit reibungslos und schnell bewilligt wird. Das ist in allen Banken kein unübliches Verfahren. Vielleicht bohrt man hier einmal nach. Insgesamt verdichtet sich bei mir das Gefühl von "Gefälligkeiten" gerde wegen der erteilten Antworten. Die sind ebenso spitzfindig, wie die Antwort von Herrn Wulff vor dem Landtag ...
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