Kriegsangst Kirchen werben um Frieden

Angesichts der weltweiten Konflikte und eines möglichen Irakkrieges haben die Kirchen in Deutschland und der Papst in Rom zu Gewaltverzicht aufgerufen.


Deutschland soll Friedensstifter werden: Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche, Präses Manfred Kock
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Deutschland soll Friedensstifter werden: Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche, Präses Manfred Kock

Berlin - "Ich hoffe, dass die Regierenden stark genug sind, den trügerischen Verlockungen zu widerstehen, durch den Einsatz militärischer Gewalt etwas zum Positiven bewegen zu können", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, in seiner Neujahrsbotschaft. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sagte, es sei immer noch Zeit, um im Konflikt mit dem Irak für Frieden zu kämpfen.

Der Hildesheimer Bischof Homeyer sagte, selbst wenn sich Deutschland an einem Krieg im Irak nicht beteilige, werde es davon betroffen sein. Es reiche nicht aus, "ohne uns" zu rufen. Gefordert seien vielmehr "mutige Schritte zu einer Weltinnenpolitik, deren wichtigstes Instrument nicht Flugzeugträger, sondern die UNO ist". Um Krieg und Gewalt zu verhindern, müssen nach Ansicht des katholischen Militärbischofs Walter Mixa (Eichstätt) mehr als bisher die Strukturen bekämpft werden, die Gewalt hervorbrächten, etwa die Armut und Verelendung großer Teile der Welt. "Gerechtigkeit schafft Frieden", sagte Mixa.

Lehmann betonte, die meisten Menschen würden viele Probleme geistig und ethisch beiseite schieben: "Wir suchen das Heil in Verbesserungen von Symptomen, gehen aber den Entwicklungen nicht auf den Grund." Den Mut zur Umkehr und Veränderung, Eigenverantwortung und die Zivilcourage der Menschen gelte es zu stärken. Homeyer forderte ein Umdenken in der deutschen Gesellschaft. "Wir sind nicht mehr das Wirtschaftswunderland, wir leben vielmehr über unsere Verhältnisse." Die deutsche Gesellschaft müsse der "staatlich garantierten Vollkaskoversicherung" widersprechen und dafür die Eigenverantwortung der Bürger fördern.

Kock mahnte, die Politik müsse wieder zu seriösen Auseinandersetzungen und der Suche nach Lösungen zurückfinden. "Politik darf sich nicht darin erschöpfen, den Gegner lächerlich zu machen oder ihn zu verunglimpfen." Er wünsche sich mehr Mut zu Reformen. Dazu müssten sich alle gesellschaftlichen Kräfte aus der Erstarrung des Besitzstandsdenkens lösen.

Papst fordert Frieden in Nahost

Papst Johannes Paul II. bei seiner Neujahrsansprache 2003
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Papst Johannes Paul II. bei seiner Neujahrsansprache 2003

Auch Papst Johannes Paul II. hat in seiner Neujahrsbotschaft zur Beendigung der Gewalt vor allem in Nahost aufgerufen.

Vor den Gläubigen im Petersdom erklärte das katholische Kirchenoberhaupt, die "mörderische und sinnlose Gewalt" im Nahen Osten müsse endlich ein Ende haben. Zugleich müsse überall auf der Welt nach friedlichen Lösungen gesucht werden, forderte der Papst, ohne den drohenden Konflikt um Irak namentlich zu erwähnen. Die katholische Kirche begeht den Neujahrstag traditionell als weltweiten Tag des Friedens.

"Heute, wie in der Vergangenheit, ist Frieden möglich und nötig, trotz aller schwerwiegenden und wiederholten Versuche, das friedliche und harmonische Leben der Menschen miteinander zu stören", sagte der Papst in seiner Neujahrspredigt. Die im Dom versammelte Gemeinde reagierte hierauf mit Beifall.

Der 82-jährige Pontifex hatte in seiner Predigt an die vor 40 Jahren von Papst Johannes XXIII. veröffentlichte Enzyklika "Pacem in Terris" erinnert. "Damals lastete auf der Menschheit der Albtraum eines Atomkrieges", sagte er. "Heute wie damals, trotz der wiederholten schweren Angriffe gegen das friedliche Zusammenleben der Völker, ist der Frieden möglich und verpflichtend", betonte er. Zur Lösung des Konflikts im Heiligen Land verlangte er die "Zusammenarbeit aller, die an Gott glauben".



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