Kriegsverbrechen Serbien verzehnfacht Belohnung für Mladic-Ergreifung

Zehn Millionen Euro Belohnung will die serbische Regierung für Hinweise zahlen, die zur Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic führen - neun Millionen Euro mehr als bisher. Mladic wird für ein Massaker an 8000 Muslimen während des Bosnienkrieges verantwortlich gemacht.

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Mladic (mit Serbenführer Karadzic, rechts): Hohes Kopfgeld
Reuters

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Mladic (mit Serbenführer Karadzic, rechts): Hohes Kopfgeld


Belgrad - Die zehn Millionen Euro Belohnung für die Ergreifung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic stehen schon im Haushalt Serbiens bereit: "Für solche Zwecke ist immer Geld vorhanden", sagte Infrastuktur-Ministerin Verica Kalanovic am Donnerstag.

Das Land hat das Kopfgeld auf den früheren bosnischen Serbenführer damit deutlich erhöht - bisher war dafür lediglich eine Million Euro vorgesehen. Schon früher hatten die USA weitere fünf Millionen Dollar für solche Informationen ausgelobt.

Mladic wird vom Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag für die schwersten Kriegsverbrechen seit 1945 in Europa gesucht. Er soll für die Ermordung von rund 8000 muslimischen Jungen und Männern in Srebrenica im Juli 1995 ebenso verantwortlich sein wie für die jahrelange Belagerung von Sarajevo mit Tausenden Toten, für unmenschliche Straflager und die Vertreibung Hunderttausender während des Bürgerkrieges (1992-1995).

Die Ankläger in Den Haag gehen davon aus, dass sich Mladic in Serbien versteckt hält. Seine von der EU geforderte Auslieferung ist eines der Haupthindernisse für eine Annäherung Serbiens an die EU.

hen/dpa/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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seinsfeld 29.10.2010
1. WANTED oder nicht?
Die EU setzt Serbien unter Druck mit ihrer nahen Vergangenheit aufzuräumen. Der Serbische Geheimdienst könnte Mladic innerhalb von 2 h ergreifen, wenn er es denn wollte. Die Erhöhung der Belohnung ist nur Politshow für die EU. Die Serbische Seele hat nunmal zwei ehrliche, gegensetzliche Herzen. Erinnert ein wenig an die Entnazifizierung Deutschlands 1946. Die Serben sind ein starkes Volk, dass in einer Extremsituation viel falsch gemacht hat, bzw. sich nicht anders helfen konnte. Die Serben sind kein Volk das beherscht werden will. Ihr Dilemma besteht darin, dass ohne die EU Serbien isoliert wird, aber mit der EU Sie ihre gewohnte Selbstständigkeit verlieren würde. Dieses Dilemma ist kein Obrigkeitsproblem, sondern lässt jeder regierenden Regierung keinen Spielraum, so zu regieren wie Sie es gewohnt waren.
schwarzer Schmetterling, 29.10.2010
2. An sich
eine gute Sache. Kriegsverbrecher sollten verurteilt werden. Dass Serbien sich damit den Eintritt in die EU erkauft, dürfte jedem klar sein. Lieber SPON - ihr aber habt noch eine Hausaufgabe: Die Rolle und das Wirken unseres Landes bei der Zerschlagung Jugoslawiens. Die Mehrzahl der Dokumente dazu befinden sich ja unter Verschluss. Hübscherweise vorallem im Aussenamt. Vorallem dürfte von Interesse sein, wer denn wirklich von diesem Desaster profitierte. Nicht nur die Mafia-Clique in der serbischen Provinz Kosovo sondern auch die EU, Deutschland und die USA. Der Konfliktherd ist ja nach wie vor latent und das Scheingebilde Bosnien-Herzegowina sowie die Mafia-Enklave nicht lebensfähig, sprich wir als Steuerzahler bezahlen diesen Spass. Nun denn, frisch ans Werk!
kdkhr 16.11.2010
3. Ratko bez kraja
Die Gründe, die einer Ergreifung von Mladic entgegenstehen, scheinen vielschichtiger zu sein, als dass sie ein westlicher Europäer ergründen könnte. Was wirklich Sache auf dem Balkan war und ist bleibt einem Aussenstehenden wohl immer unzugänglich. Zu gross ist die gezielte Streuung von Desinformationen aller Interessegruppen. Die Kunstgebilde BIH und Kosovo-Metohija sind sicher in der Form nicht überlebensfähig ohne die Steuergelder des europäischen Stimmviehs der EU. Ein Dutzend Sprachen, mindestens 1/2 Dutzend Kirchen, mindestens 3 Schriften und eine Jahrhunderte eingefleischte Korruption kann mit demokratischem Mantel nicht abgedeckt werden. Viele sehnen sich inzwischen nach der Zeit zurück in der nichts besser war, aber Ordnung herrschte. Josip lässt grüssen.
powermacher 29.12.2010
4. Kriegsverbrechen:Serbien verzehnfacht Belohnung
Fakten zum Thema: Madame Albright- Us Außenministerin,hat den Kollegen der UCK- zitat gesagt:Ihr müsst einfach nur Forderungen stellen, die niemand erfüllen kann, dann kann Milosevic nicht anders reagieren als wir es wollen. Und dann steht die Nato sofort mit der ganzen Maschinerie zu Eurer verfügung. Es ging in den Gesprächen von Rambuillet nicht um die Lösung politischer oder ethnischer schon gar nicht religiöser Fragen, sondern einfach darum, daß bis dahin größte Landgebiet in Europa, welches nicht in der politischen Hemisphere des Westen lag, zu zerschlagen. Damit wurde Mördern, Kriminellen und politischen Abenteurern alle Tore geöffnet. Man beachte mal die aktuellen Nachrichten: der Freiheitsführer der UCK - der in Rambuillet mit am Tisch saß und die Forderungen diktierte, ist jetzt des Menschenhandels stark verdächtig. Meine Meinung: Raus unserer Jungs aus den Balkanstaaten, ehe noch mehr sterben müssen, für einen Nationalismus der wohlgemerkt nicht unserer ist. Dafür Schaffung einer Balkanorganisation ähnlich der Oas in Afrika.
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