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Ost-West-Konfrontation: Die Mär vom neuen Kalten Krieg

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Russlands Präsident Putin: Protziges Gehabe Zur Großansicht
REUTERS/ RIA Novosti

Russlands Präsident Putin: Protziges Gehabe

Ost gegen West, Realpolitik mit harten Bandagen: Die Krim-Krise wirkt wie ein Rückfall in den Kalten Krieg. Doch so weit wird es kaum kommen. Für eine Konfrontation der Blöcke sind beide Seiten nicht vorbereitet.

Berlin - Russlands Präsident Wladimir Putin verkauft sich gerne als harten Mann: Er posiert auf Bildern mit nacktem Oberkörper, gerne auch mit Waffen oder mal auf einem monströsen Motorrad. Bisher lächelte die Welt über das protzige Gehabe des Ex-Geheimdienstlers.

Nun macht Putin seit drei Wochen knallharte Realpolitik, lässt seine Truppen ohne Hoheitsabzeichen auf der Krim einmarschieren, anschließend die Bevölkerung abstimmen und schließlich die Halbinsel seiner Russischen Föderation beitreten. Putin agiert - und der Westen wirkt ratlos und verunsichert.

Mit der Krim-Krise taucht ein Gespenst in Europa wieder auf: der Kalte Krieg. So tönt es in den Medien, von Analysten und Politikern.

Doch ist das wirklich so?

Der Kalte Krieg herrschte in einer durch Mauern und Stacheldraht, durch zwei Ideologien getrennten Welt - hier der demokratische Westen mit seiner freien Wirtschaft, dort der unter Moskau stehende kommunistische Block von Diktaturen und ihre zentral gelenkten Staatswirtschaften. Die Teilung war eine Folge des Zweiten Weltkriegs - die jeweiligen Herrschaftsbereiche wurden von Washington und Moskau stillschweigend akzeptiert.

Als am 13. August 1961 die DDR-Führung mit Moskaus Einwilligung die Mauer in Berlin errichtete, sahen die USA, Frankreich und Großbritannien zu. Ein dritter Weltkrieg wegen Berlin? Als später die Kuba-Krise ausbrach, zog Moskau seine Raketen nach massiven Drohungen von der Insel ab. Ein Atomkrieg wegen einer Insel in der Karibik? Das wollten am Ende weder John F. Kennedy noch Partei- und Staatschef Nikita Chruschtschow.

Und jetzt - ein neuer Kalter Krieg wegen der Krim-Krise?

Der Westen setzt auf Abrüstung

Das würde vieles grundlegend ändern, in Washington wie in Berlin, Paris und London. Aber auch in Moskau. Nur ein Beispiel: Nach 1989 wurden die Rüstungsetats in Europa heruntergefahren. Und mit ihr die strategischen Planungen der Militärs, die bis dahin auf einen Landkrieg mit großen Panzerschlachten in Deutschland setzten.

Heute, in der globalisierten Welt, operieren weltweit mobile Einheiten, von einem Krisenherd zum anderen. Die Armeen sehen jetzt anders aus - und das spüren die Gesellschaften, zumal im Westen. Die Wehrpflicht wurde in Deutschland und den meisten Staaten der Nato abgeschafft.

Um zu wissen, was der Kalte Krieg kurz vor dem Kollaps der Sowjetunion an Mitteln verschlang, lohnt ein kleiner Blick auf westliche Statistiken:

  • 1988 verfügten die damals 15 Nato-Staaten über sechs Millionen Soldaten. Sie gaben durchschnittlich 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus. In der Bundesrepublik Deutschland waren es, die Sonderausgaben für Berlin mitgerechnet, 3,8 Prozent.
  • 2013 hatten die 28 Nato-Mitglieder noch 3,4 Millionen Soldaten, die Verteidigungsausgaben machten 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Deutschland sogar nur 1,3 Prozent.

Im Kalten Krieg siegten bis zum Ende - zum Glück - stets die kühlen Pragmatiker. Als die UdSSR 1979 in Afghanistan einmarschierte, löste das eine Krise aus. Viele westliche Staaten boykottierten die Olympischen Spiele in Moskau im Jahr darauf, der damalige Kanzler Helmut Schmidt folgte eher widerstrebend diesem Beschluss, ließ aber ansonsten die Kanäle zur DDR und zur UdSSR intakt. Das bundesdeutsch-sowjetische Erdgasröhrengeschäft, an dem auch mittelbar US-Firmen beteiligt waren, wurde weiter betrieben, obwohl US-Präsident Ronald Reagan es mit Wirtschaftssanktionen gegen Moskau zu erschweren suchte. Später hob er sie doch noch auf.

Obama und Merkel wollen keine Eskalation

So weit soll es im Falle der Krim erst gar nicht kommen. US-Präsident Barack Obama, Kanzlerin Angela Merkel und ihr Außenminister Frank-Walter Steinmeier wollen keine Eskalation. Sie setzen auf die Rationalität der anderen Seite - sprich Moskaus. Auch dort wird man hoffentlich wissen, wie hoch der Preis wäre, wenn man sich auch noch die Ostukraine einverleiben würde. Noch gibt es keine Anzeichen, dass Putin völlig irrational handelt.

Wirtschaftssanktionen gegen Russland würden zwar auch den Westen treffen, mehr noch aber Europas wichtigsten Nachbarn im Osten. Das heutige Russland ist keine Kopie der Sowjetunion, bei aller Repression im Putin-System der gelenkten Demokratie. Ein Teil der russischen Gesellschaft will teilhaben an der westlichen Art zu leben, ist fern von jeder UdSSR-Nostalgie.

Ein Russland, das ökonomisch durch Wirtschaftssanktionen weiter abrutscht und möglicherweise in seiner Verzweiflung nationalistischen Abenteurern folgen würde, die noch Schlimmeres im Sinn haben als Putins kühl kalkulierte Landnahme auf der Krim - wem wäre damit geholfen?

Am Ende nur den wirklichen Kalten Kriegern.

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insgesamt 137 Beiträge
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1. Hardliner...
denis111 19.03.2014
Putin wird kein Stück von seiner Linie abrücken, zumal er weiß, dass die USA sich (noch mehr) wilde militärische Eskapaden weder aus politischen noch aus finanziellen Gründen leisten kann. Zwar mag er vom unerwartet vehementen EU-Gekläffe etwas überrascht sein, doch diese (aus seiner Sicht) Chance in der Ukraine lässt er sich nicht entgehen.
2. optional
baba_ali_75 19.03.2014
wenn mam keine Eskalation will, sollte man kein öl ins feuer gießen...Herr Obama..Frau Merkel!!!!
3. Diktion überdenken
coyote38 19.03.2014
"Die Blöcke" gibt es nicht mehr. Es gibt auf der einen Seite ein wiedererstarkendes und zunehmend selbstbewussteres Russland ... und auf der anderen Seite gibt es den "Club West", der sich in seiner strategielosen Bräsigkeit und allzu treuen Washington-Gefolgschaft einfach zu bequem eingerichtet hat. Und ich kann auch nicht erkennen, dass zumindest Russland NICHT auf die Situation vorbereitet wäre: Die Eingliederung der Krim in die russische Föderation ist generalstabsmäßig und GENAU geplant abgelaufen ... das war "scripted reality" vom Feinsten. Die EINZIGEN, die planlos über Wochen "in der Nase gebohrt" haben, war der "freie Westen" ...
4.
spiegelleser.78 19.03.2014
ein sehr schöner Artikel, ich hoffe Sie haben damit Recht!
5. mal weiter gedacht ...
Luna-lucia 19.03.2014
oki, Verträge! Und was tut das Amiland? Noch was zum nachdenken hier > Michail Sergejewitsch Gorbatschow < war es, der mit Herrn Kohl, unsere Wiedervereinigung problemlos ermöglicht hat. UND! Wer es vergessen haben sollte - damals, man kann es in guten Geschichts- Bibliotheken nachlesen, waren die Amis nicht recht begeistert von der Idee. Die haben, genau wie die Briten, sehr, sehr zurückhaltend auf die Vorschläge des Herrn Gorbatschow, reagiert. Und Herr Gorbatschow hat uns noch seine Migs geschenkt. Oki, die der ehemaligen DDR eben. Und er hat nicht gegen die Nato gejammert! Obwohl er genau gewusst hat, was da auf Russland Außen- wie Innenpolitisch zukommen wird. Russen sind, wie sie sind - weder besser, noch schlechter - und dass die ihre Interessen wahren, müsste man doch auch verstehen. Bedenkt man, wie wenig Druck Russland auf die Nato-Erweiterungspläne ausübt, ist das schon mit Zurückhaltung zu bezeichnen. Oki, Polen und der Raketenschirm - ein neuer Ami-Wahn, um seine Waffenschmieden besser am Laufen zu halten. Mehr ist es nicht. Würde "der Russe" schießen - dann würde er auch treffen! Und wenn Amiland noch so viele Raketenschirme dagegen aufbauen würde. Was kann Amiland noch? Nicht mal mehr zur ISS selber fliegen - warum? Bei den Schulden dieses Landes, wird man bald über wichtigere Dinge, als Waffensysteme, nachdenken müssen
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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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